|
IMPERIUM & WELTMARKT
Standort-Poker "Lokal klagen, global profitieren" - nach dieser Devise
geht BAYER vor, um die jeweiligen Konzern-Standorte gegeneinander auszuspielen, wenn es darum geht, staatliche Vergünstigen zu bekommen. Jüngstes Beispiel für diese Strategie ist Belgien: Dort nutzte ein Manager des
Multis die Feierstunde anlässlich "100 Jahre BAYER in Belgien" zu einem Lamento über die hohen administrativen Hürden, die ein neu entwickeltes Medikament in dem Land vor der Zulassung überwinden muss, und
drang auf Deregulierungen.
AGFA-Aktie unter Druck Der Börsengang der ehemaligen 100 %igen BAYER-Tochter AFGA
enttäuscht die AnlegerInnen. Den Ausgabekurs von 22 Euro hat das Papier bisher noch nicht wieder erreicht. Der Markt bewertete negativ, dass nicht AGFA selber, sondern BAYER vom Erlös aus dem Aktienverkauf
profitiert. Nicht einmal mit den Schließungen der Werke in Neu Isenburg und im spanischen Aranguez, wobei insgesamt 1.700 Arbeitsplätze vernichtet wurden, konnte AGFA-Chef Klaus Seeger die Herzen der Spekulanten
gewinnen. Für ihn ist die schleppende Aktienkurs-Entwicklung nur Zeichen eines Vermittlungsproblems. Dem will er mit einer groß angelegten Image-Kampagne begegnen, die potenzielle Aktien-KundInnen davon überzeugen
soll, dass es sich bei der AGFA um ein modernes Technologie-Unternehmen und nicht mehr um eine reine Foto-Firma handelt. Zudem kündigte er eine Steigerung der Umsatzrendite von derzeit 7,7 % auf 12 % im Jahre 2003
an, was nur durch Arbeitsplatzvernichtung im großen Stil zu erreichen sein wird. Eines trübt jedoch Seegers Zweckoptimismus. Er "hat Sorgen in Richtung BAYER, dass von dieser Seite weitere Aktien auf den Markt
kommen". Der Multi besitzt nämlich noch ein Fünftel der AGFA-Aktien und ein Verkauf würde den Kurs noch mehr drücken.
Kooperation mit NANOGATE BAYERs Tochtergesellschaft HC STARCK stellt Nano-Partikel
aus Metall und Keramik her. Auch sonst setzt der Konzern stark auf diese Technologie und unterstützt den Aufbau neuer Firmen wie z.B. den Saarbrückener Betrieb NANOGATE. Dort hat sich das Engagement für den Multi
breits gelohnt. Eine britische Investorengruppe übernahm die BAYER-Anteile und der Chemie-Multi profitiert per Kooperationsvertrag exklusiv von NANOGATE-Entwicklungen. Die Nano-Technologie arbeitet mit winzig
kleinen Material-Partikeln, die zusammengesetzt Stoffe äußerst widerstandsfähiger Beschaffenheit ergeben. Die feinen Stäube stellen allerdings ein großes Gesundheitsrisiko dar. Sie überwinden sowohl Filter-Anlagen
als auch Zell-Barrieren und die wichtigste Schutzmauer des Gehirns, die Blut/Hirn-Schranke. Zudem lagern sich die Partikel bis in tiefste Lungenbereiche ab. MedizinerInnen warnen deshalb insbesonders vor Lungen-
Beschwerden und anderen Atemwegserkrankungen infolge von Nano-Stäuben.
Vertriebsvertrag mit LILLY INDUSTRIES Die US-amerikanische LILLY INDUSTRIES-Gruppe
übernimmt künftig den Europa-Vertrieb von BAYERs Textilbehandlungsmittel BAYGARD. Das sieht ein Vertrag vor, den beide Unternehmen schlossen. BAYGARD ist eine chemische Keule aus Organosilikat und Fluorcarbon, die
Teppichböden vor Schmutzeinwirkung schützen soll.
Kunststoff-Tausch BAYER wird von der US-Firma ALLIEDSIGNAL PLASTICS Polyamid
6-Polymere erhalten und liefert dem Unternehmen im Gegenzug das Polyamid 6-Vorprodukt Caprolactam. Diese Vereinbarung trafen beide Konzerne im August.
Vertrag mit ARQULE Das auf dem Gebiet der Kombinatorischen Chemie tätige
US-Unternehmen ARQULE INC. wird für BAYER nach genauen Vorgaben mehrere hunderttausend Substanzen entwickeln, die der Chemie-Multi dann auf ihre Eignung als Wirkstoffe für Pharmazeutika oder Pestizide prüft. In dem
entsprechenden Vertrag wurde dafür eine Zahlung von 30 Millionen Dollar über einen Zeitraum von drei Jahren vereinbart.
Neuer Latex-Multi Globalisierung hoch zwei: POLYMERLATEX, das Joint Venture von
BAYER und DEGUSSA-HÜLS, bildet ein Joint Venture mit dem Unternehmensbereich "Performance Chemicals" des US-Konzerns GENCORP. POLYMERLATEX ist einer der führenden Latex-Lieferanten der europäischen
Papier-, Teppich- und Textilindustrie; GENCORP hat diese Position in den USA inne. Durch den Zusammenschluss entsteht in dem Markt-Segment Latex ein neuer Global Player.
BAYER in Algerien Der Leverkusener Chemie-Multi hat in Algier, Algerien eine neue
Niederlassung gegründet. Bisher war der Konzern dort nur mit einem Kontaktbüro vertreten. Im Zuge der fortschreitenden Privatisierung der Wirtschaft erwartet er aber eine Umsatzsteigerung von 30 auf 100 Millionen in
dem Land und stärkt deshalb seine Markt-Präsenz.
Rechte an CIPROBAY-Variante gekauft Das indische Pharma-Unternehmen RANBAXY
LABORATORIES veränderte die Zusammensetzung von BAYERs Antibiotikum CIPROBAY mit dem Wirkstoff Ciprofloxacin so, dass es einmal täglich eingenommen werden muss. Im September kaufte der Chemie-Multi für 92 Millionen
Mark die Rechte für die Weiterentwicklung und für den weltweiten Vertrieb dieser Antibiotika-Formulierung. Lediglich die Pharma-Märkte Indien und GUS-Staaten bleiben RANBAXY vorbehalten. 1998 setzte BAYER mit
CIPROBAY in anderen Darreichungsformen 2,5 Milliarden um. Der CIPROBAY-Wirkstoff Ciprofloxacin gehört zur Gruppe der Fluorochinole, die der Arzneiverordnungs-Report '97 nicht als primär empfehlenswerte
Antibiotika-Substanzen ansieht.
|