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KAPITAL & ARBEIT
Übertarife: BAYER setzt sich durch
Am 15.10. traten Geschäftsleitung und Betriebsrat mit Zwischenergebnissen der Verhandlungen um die Übertariflichen Zahlungen an die Öffentlichkeit. In den
wichtigsten Punkten konnte der Chemie-Multi seine Vorstellungen durchsetzen. So wird das Budget für die Zahlungen in Zukunft vollständig vom Ertrag des Unternehmens abhängig gemacht. Auch das Gesamtvolumen sinkt, da
BAYER für den Leistungssockel nicht mehr aufkommen und dafür eine Abfindung zahlen will. Zudem hängt die Höhe der Übertariflichen Leistungen künftig in weit höherem Maße als früher von einer Leistungsbeurteilung ab:
war es bisher nur ein Anteil von 20 %, so werden es bald 60 % sein.
Verkauf von DYSTAR? In einem Handelsblatt-Interview berichtete BAYER-Chef Manfred
Schneider, dass der Konzern mit anderen Herstellern über eine "Lösung" für DYSTAR verhandele. Der Umsatz des Textilfarbstoff- Gemeinschaftsunternehmen von BAYER und HOECHST ist im Geschäftsjahr 1998 um 12
% auf 0,7 Milliarden Mark zurückgegangen. Hauptgrund dafür war die schlechte Konjunktur in Asien, wo das Joint Venture ein Drittel seines Profits erwirtschaftet. Geschäftspartner sind dort vor allem die für
Großabnehmer in Europa produzierenden Textil-Firmen, in denen zumeist Frauen unter unwürdigsten Bedingungen arbeiten müssen. Die Ankündigung von Schneider kann eigentlich nur Verkauf bedeuten.
Arbeitsplatzvernichtung wäre die sichere Folge.
Weniger Pharma-Beschäftigte Die Anzahl der MitarbeiterInnen in der bundesdeutschen
Pharma- Industrie ist von 1995 bis 1998 um 8.700 auf 113.900 gesunken. Den größten Anteil an der Arbeitsplatzvernichtung haben BAYER und die anderen Multis der Branche.
Weniger Lehrlinge 1999 hat BAYER die Lehrstellen erneut um 44 reduziert. Von 1990
bis 1998 hat der Konzern rund ein Drittel aller Ausbildungsplätze gestrichen. Bot der Chemie-Multi 1990 noch rund 1.600 Lehrstellen an, so sind es jetzt nur noch ca. 1.000.
Sekundärtugenden für Lehrlinge BAYER zwingt Lehrlinge dazu, zusätzlich zum
Ausbildungsvertrag eine Erklärung zu unterschreiben, in der die BerufsanfängerInnen sich zu Disziplin und Ordnung im Betrieb verpflichten. Jedem, der sich weigert, dieses als "Informationsbrief" titulierte
Papier zu unterzeichnen, droht der Konzern mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen. Aus diesem Verhalten wird klar, wie der Chemie-Multi seine MitarbeiterInnen am liebsten hat: folgsam und unauffällig statt kritisch und
selbstständig.
Bonus-Zahlungen bleiben bei 35 % Vor der 1997 geschlossenen
"Standortsicherungsvereinbarung" zahlte BAYER der Belegschaft noch einen jährlichen Bonus von 85 % eines durchschnittlichen Monatseinkommens. 1999 liegt die Summe wie im Vorjahr nur noch bei 35 % des
Entgelts. Personalvorstand Hans-Jürgen Mohr verlangt dafür auch noch Dankbarkeit von den Beschäftigten, da das operative Ergebnis der AG um 3,1 % gesunken sei. Ein Scheinargument, denn dieser Verlust ist nicht auf
eine schlechte Wirtschaftslage zurückzuführen, sondern Teil einer wohlkalkulierten Geschäftspolitik, die gezielt auf Verkäufe und Ausgliederungen setzt. BAYERs Gesamtgewinn nach Steuern (also der deutschen AG sowie
der weltweiten Niederlassungen) stieg im Geschäftsjahr 1998 um 7,3 % auf 3,2 Milliarden Mark. Möglicherweise wird es in Zukunft überhaupt keine Bonus-Zahlungen mehr geben. BAYER strebt aus Gründen der
Kostenersparnis eine Neuorganisation des ganzen Systems Übertariflicher Leistungen an. Verhandlungen darüber mit dem Betriebsrat laufen bereits (siehe unter KAPITAL & ARBEIT).
Kombi-Lohn in BAYER-Kantine Bislang war es für kaum eine/n Arbeitslose/n reizvoll,
sich um einen Job in der BAYER-Kantine zu bemühen, da das von der BAYER GASTRONOMIE GmbH in Aussicht gestellte Gehalt nur in den seltesten Fällen über dem bezogenen Arbeitslosengeld lag. Damit BAYER diesen
ausbeuterischen Niedriglohnsektor erhalten kann, entschloss sich die NRW-Landesregierung, 40 arbeitswilligen SpülerInnen oder Reinigungskräften 200 Mark zusätzlich aus öffentlichen Mitteln zu zahlen. Weshalb der/die
SteuerzahlerIn einem Unternehmen mit Milliarden- Gewinnen neue MitarbeiterInnen subventionieren soll, begreift selbst das kapital-freundliche Handelsblatt nicht. Und das will schon etwas heißen.
Shareholder-Gehälter Manche Führungskräfte von BAYER erhalten nur zur Hälfte feste
Bezüge, der Rest ihres Gehaltes bemisst sich nach dem individuellen Anteil an der Profit-Maximierung. Dieses System der leistungsabhängigen Vergütung will der Konzern durch den sog. Aktienplan noch einmal ausbauen.
Dabei spielt nicht nur die Schaffung von zusätzlichen Motivationsanreizen eine Rolle, sondern auch die Tatsache, dass der Chemie-Multi durch diese Art der Gehaltszahlung Steuern sparen kann. In den USA trug diese
Koppelung von ManagerInnen-Gehältern an den Aktienkurs nicht unwesentlich dazu bei, längerfristige Unternehmensentscheidungen zugunsten kurzfristigerer, sich direkt auf die Börsen-Notierung auswirkender Maßnahmen
wie z.B. Fusionen aufzugeben. Sogar zu Manipulationen von Geschäftszahlen durch am Gewinn beteiligte Führungskräfte ist es vereinzelt schon gekommen.
Verkauf von Werkswohnungen BAYER will den gesamten Bestand an Werkswohnungen
(11.000 Einheiten) verkaufen. Betroffen sind die Standorte Leverkusen, Dormagen, Wuppertal, Krefeld und Brunsbüttel. Das Unternehmen machte die vage Versprechung, beim Verkauf darauf zu bestehen, dass
BAYER-Beschäftigte in den Häusern bis auf weiteres wohnen bleiben können. Die Verkaufsentscheidung hat nichts mit schwachen Erträgen der BAYER WOHNUNGEN GmbH zu tun. Die Gesellschaft erwirtschaftete nämlich zuletzt
einen Gewinn von 150 Millionen Mark. Aber dem Konzern reicht das nicht. Für ihn stellt der Immobilien-Besitz lediglich gebundenes Kapital dar, das reinvestiert weit höhere Profite verspräche. Der Verkauf der 11.000
Wohnungen bringt BAYER schätzungsweise einen Erlös von mehreren 100 Millionen Mark ein.
Abwicklung der Bibliothek Soziales rechnet sich nicht. Deshalb hat BAYER den
Leverkusener Betriebskindergarten der Trägerschaft der DAK übergeben und das werksinterne Förderprogramm für lernschwache Jugendliche beendet. Jetzt kündigte der Konzern an, die Kinder- und Jugendbiblothek in
Leverkusen aufzulösen und die Bestände der Stadtbücherei zur Verfügung zu stellen. Die in den Bibliotheksräumen stattfindenden Kreativ-Kurse werden ebenfalls eingestellt.
Medizinischer Dienst schrumpft BAYER ist gesetzlich verpflichtet, einen
arbeitsmedizinischen Dienst zu unterhalten. Über das vom Gesetzgeber vorgeschriebene hinaus hat die Abteilung im Leverkusener Werk - mit 114 MitarbeiterInnen die größte - lange Zeit zusätzliche medizinische
Leistungen angeboten. Diese will der Konzern jetzt ausdünnen. So streicht er die Langzeit-Therapie zur Nachbehandlung orthopädischer Schäden und vermietet die frei werdenden Räume an ein Fitness-Studio.
Ausbeutung von MitarbeiterInnen-Ideen Mit 3,7 Millionen Mark prämierte BAYER im
ersten Halbjahr '99 Ideen von Beschäftigten, die zur Optimierung von Produktionsabläufen beitrugen. Allein im ersten Jahr der Erprobung konnte der Konzern durch die Vorschläge 21,6 Millionen Mark einsparen. Die
Aneignung des geistigen Eigentums seiner MitarbeiterInnen, für das noch nicht einmal Patentgebühren zu zahlen waren, brachte dem Chemie-Multi also einen hübschen Gewinn.
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