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POLITIK & EINFLUSS
Trittin traf BAYER-Manager Bundesumweltminister Jürgen Trittin traf sich mit
Managern von BAYER, HOECHST und BASF. In der gemütlichen Kaffee-Runde versuchte der Grüne mit Polit-Zoten à la "Viele, die so bitter über die Chemisierung des Lebens klagten, seien schließlich selber eifrige
Konsumenten von Produkten der Chemiefirmen", die auch eines Manfred Schneiders würdig gewesen wären, Punkte bei den Bossen zu machen. Bis auf ein paar kritische Einlassungen zum Schiffsschutzanstrich
Tributylzinn und zu Altstoffen herrschte weitgehend Einvernehmen. Nur die ebenfalls anwesenden Umweltverbände sorgten mit Bemerkungen über Weichmacher, Flammschutzmittel und die Gefahren der Gentechnik für
nachhaltigere Stimmungstrübungen.
Trittin lockert Umweltschutz-Kontrollen Einmal mehr tritt die rot-grüne
Bundesregierung in die Fußstapfen von Kohl & Co. Umweltminister Jürgen Trittin kündigte an, Unternehmen, die sich der freiwilligen Umweltprüfung "Öko-Audit" unterziehen, von staatlichen Kontrollen zu
befreien. Damit lässt er ein Vorhaben Gesetzeskraft erlangen, das unter dem Druck von BAYER und anderen Konzernen von seiner Vorgängerin Angelika Merkel ausgeheckt worden war. Die Industrie ist damit ihrem Ziel, den
Umweltschutz per "freiwilliger Selbstverpflichtung" zu ihrer Privatsache zu machen, ein bedeutendes Stück näher gekommen. Die Standards werden dadurch massiv aufgeweicht, denn die GutachterInnen nehmen für
das Öko-Audit- Zertifikat lediglich Stichproben, kontrollieren aber keineswegs umfassend. Die neue Regelung sieht vor, dass die Gewerbeaufsicht nur noch bei bestimmten Anlässen Abfall- und Imissionsschutzprüfungen
durchführen darf. Die Berichts- und Dokumentationspflichten der Konzerne werden ebenfalls gelockert. BAYER hat dann sogar die ungeliebte Emissionsfernüberwachung (Efü) - die Direktübermittlung von Emissionsdaten an
die Behörden - vom Hals. Im Moment läuft sogar ein Prozess BAYER versus Regierungspräsident Antwerpes, weil der Konzern sich weiget, die Efü einzuführen.
Trittin subventioniert BAYER Bundesumweltminister Jürgen Trittin bezuschusst den
Bau einer neuen BAYER-Anlage zur Herstellung von Kautschuk durch die Gewährung eines zinsverbilligten Kredits mit 1,35 Millionen Mark. Die Mittel stammen aus dem "Investitionsprogramm zur Verminderung von
Umweltbelastungen", dessen Kriterien die geplante Produktionsstätte wegen geringerer Abfallmengen, einem verminderten Verbrauch von Rhodium-Erz und reduzierter Stickstoff-Emissionen erfüllt. Die
Berücksichtigung neuester Umwelttechnologie sollte bei neuen Bauvorhaben selbstverständliche Pflicht sein. Es besteht keine Veranlassung dafür, dieses aus Steuer-Töpfen zu fördern.
BAYERs Gen-Lobbyist lobt Trittin Nach sich häufenden Presse-Meldungen über
gentechnisch veränderte Pflanzen, deren Pollen durch den Wind auf angrenzende Felder getrieben wurden und dort die Ernte schädigten, drangen einige europäische PolitikerInnen auf eine Verschärfung der
EU-Freisetzungsrichtlinien. Nicht so Umweltminister Jürgen Trittin. Er zeichnete sich in der Diskussion durch "eine konstruktive und pragmatische Haltung" aus, bescheinigte ihm der Vorsitzende der
Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), BAYERs Forschungschef Pol Bamelis. Er begrüßte auch Trittins Vorhaben, die Zulassungsverfahren für Freisetzungen zu zentralisieren und bedankte sich bei der
Politik dafür, der Pharma-Industrie die Vorschriften für den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen "deutlich praxisfreundlicher gestaltet" zu haben. Also allerorten grünes Licht für die
Gentechnik. Was scheren da die Programme von gestern.
Grünen-MDB Loske bei BAYER Der umweltpolitische Sprecher der Grünen, Reinhard
Loske, ist innerhalb der Fraktion der Vorreiter einer Realo-Strategie, die in Sachen Umweltschutz auf Kooperation mit der Industrie setzt. Ökologie "light" also nach dem Motto: "Umweltpolitik ist,
wenn alle fünf Jahre ein Atomkraftwerk abgeschaltet wird." In seinen "Thesen zur Erneuerung bündnisgrüner Umweltpolitik" schrieb der Verfasser der Studie "Zukunftsfähiges Deutschland" sogar,
dass "in manchen Bereichen aus Feindbildern wie der chemischen Industrie Vorbilder geworden" sind. Mit einem Besuch des Leverkusener BAYER-Werks setzte Loske den Schmusekurs in die Praxis um.
Volker Rühe bei BAYER Wer Ministerpräsident von Schleswig-Holstein werden will,
muss sich mit BAYER gut stellen. Aus diesem Grund besuchte der CDU-Kandidat Volker Rühe das Brunsbütteler Werk des Chemie-Multis. Auf der Pressekonferenz nach der Besichtigungstour versprach er, sich im Falle eines
Wahlsieges der Region Brunsbüttel besonders anzunehmen. Seiner Meinung nach habe man sie in der Vergangenheit eindeutig vernachlässigt. Schöne Aussichten für BAYER.
Büssow bei BAYER Im Juli besuchte der Düsseldorfer Regierungspräsident Jürgen
Büssow (SPD) die Dormagener BAYER-Niederlassung und ließ sich von Werksleiter Walter Schulz über "die Aktivitäten am Standort" informieren.
CDU-MDB Gröhe bei BAYER Der Neusser CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe ist
Dauergast bei BAYER. Diesmal besuchte er das Faserwerk in Dormagen und traf unter anderem auf Petra Brayer, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und Mitglied des BAYER-Aufsichtsrats.
BAYER-Chef VCI-Präsident Der Lobby-Organisation Verband der Chemischen Industrie
(VCI) gehören 1.731 Firmen an. Das Sagen haben allerdings die großen Konzerne BAYER, HOECHST, BASF, VIAG, DEGUSSA und HENKEL. VertreterInnen dieser Konzerne dominieren die Ausschüsse "Handelspolitik",
"Werbung", "Statistik" und "Chlor" und wechseln sich bei der Präsidentschaft ab. Auf der Mitglieder-Versammlung am 8.10. wurde BAYER-Chef Manfred Schneider für zwei Jahre zum
Verbandsvorsitzenden gewählt. Persönlich anwesend waren auch Bundeskanzler Schröder und der Staatssekretär im Finanzministerium, Heribert Zitzelsberger. Letzterer wird für das an ihn herangetragene Anliegen, doch
bitte die Unternehmenssteuern deutlich zu senken, vollstes Verständnis haben: Er war bis zum Frühjahr Finanzchef von BAYER.
DFG will mehr Geld für Genforschung Unter dem Biochemiker Ernst-Ludwig Winnacker
wird die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) immer mehr zu einer reinen Lobby-Organisation für die Gentech-Industrie. Kein Wunder, denn der DFG-Präsident sitzt im BAYER-Aufsichtsrat. In einer am 26. Mai
veröffentlichten Stellungnahme fordert die Organisation die Bereitstellung von zusätzlich einer Milliarde Mark aus öffentlichen Mitteln für die Genomforschung, also die Entschlüsselung des Erbguts von Menschen,
Tieren und Pflanzen. Der Wunschzettel liest sich, als wär's ein Stück von BAYER. Der Segen der Genomforschung für die Medizin wird in höchsten Tönen gepriesen - nicht nur bei angeblich monogenen Krankheitsursachen,
sondern auch bei solchen, für die angeblich mehrere Gene verantwortlich sind. BAYERs neuestes Steckenpferd, die Bio-Informatik (Ticker 3/99), führt das Papier als wichtiges Forschungsgebiet an. Und die Erprobung von
Alzheimer-Präparaten wie BAYERs METRIFONAT wollen die DFGler ebenfalls erleichtern. Da kognitive und psychische Störungen am "Tiermodell" nicht untersucht werden können, spricht sich die Institution für
die Erleichterung von Medikamententests an nicht zustimmungsfähigen Menschen aus.
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