SWB 04/99 - Ticker

PROPAGANDA & MEDIEN

Chemie im Dialüg
Am letzten September-Wochenende luden die im Verband der Chemischen Industrie (VCI) zusammengeschlossenen Unternehmen zu einem "Tag der Offenen Tür" ein. Sinn der seit Jahren regelmäßig stattfindenden Übung: Das nicht eben gute Image der Branche durch "Chemie zum Anfassen" und allerlei Schnickschnack zu heben. BAYER lud zu virtuellen Rundflügen am Bildschirm ein, führte Kindern Versuche mit Gummibärchen vor, die den Kleinen die Chemie schmackhaft machen sollten und ließ sie mit Wasserpistolen einen Fettbehälter entflammen. Von den Bauernfängereien ließen sich allerdings 50.000 BesucherInnen weniger anlocken als im Vorjahr, als noch 450.000 Interessierte gezählt worden waren. Die BAYER-Werke besichtigten insgesamt 82.000 Menschen.

BAYER finanziert Presse-Buch
Das Presse-Taschenbuch Gesundheit ist für Medizin-JournalistInnen ein wichtiges Arbeitsmittel. Es enthält auf über 400 Seiten Adressen von Redaktionen, Archiven, Bibliotheken, Datenbanken, Forschungseinrichtungen, Selbsthilfegruppen und Initiativen. Um sich der schreibenden Zunft gegenüber in positives Licht zu setzen, finanziert BAYER das Buch. In Anschreiben des Verlages heißt es: "Liebe KollegInnen und Kollegen, die BAYER AG wird auch in diesem Jahr wieder eine Neuauflage des bewährten Presse-Taschenbuch Gesundheit (...) auf den Redaktionstisch legen".

Werbung für AUTAN
Wie immer zur Sommerzeit hat BAYERs PR-Abteilung die Zeitungsredaktionen wieder mit Service-Artikeln zum Thema "Schutz vor Insekten" versorgt. Mücken wurden darin mit Vampiren verglichen. Auf der Illustration erschienen sie als Riesenmonster, die durch Stilette mit Widerhaken jedes Textil durchbohren können. Klar, dass gegen diese Heimsuchung nur eins hilft: BAYERs AUTAN. Das Sonderheft "Kosmetik und Mode" der Zeitschrift Ökotest hat AUTAN indessen nicht zum Kauf empfohlen, da es ein Nervengift als Wirkstoff enthält.

Basketballer werben für ASPIRIN
BAYER treibt es im Bereich Sport-Marketing immer doller. Um die Marke "ASPIRIN" auf den Philippinen bekannter zu machen, taufte der Chemie-Konzern sein Basketball-Team kurzerhand in BAYER ASPIRIN um und schickte es zu Promo-Spielen in das Land. Bei dem Fernsehkanal ABS-CBN, dem Besitzer der Mehrheitsanteile an der philippinischen Basketball-Liga, kaufte der Chemie-Multi Werbezeit für 50 ASPIRIN-Spots während der Spiel-Übertragungen. Die Hallen wurden mit Plakaten zugekleistert und in den Zeitungen erschienen Propaganda-Annoncen. Die Spieler mussten mehr ackern als auf dem Spielfeld und ständig Interviews geben und PR-Termine absolvieren. Und damit der ASPIRIN-Funke auch aufs philippinische Publikum überspringt, brachte man eigens Claqueure aus Leverkusen mit, die "ASPIRIN, ASPIRIN, go, go!" skandierten.

Tierpässe von BAYER
In einer publicity-trächtigen Aktion wirbt BAYER gemeinsam mit dem Bundesverband praktischer Tierärzte für Tierpässe. In ihnen sollen Krankheiten, Operationen, Impfungen und Entwurmungen eingetragen werden. Ziel des Ganzen ist es, die TierhalterInnen zu vierteljährlichen Entwurmungskuren mit BAYER-Produkten anzuhalten. Die Anti- Parasitenmittel des Konzerns enthalten Nervengifte als Wirkstoffe und können Muskelkrämpfe, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Müdigkeitssymptome auslösen.

Chemie-Propaganda auf der Expo
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI), dessen Vorsitzender seit Oktober 1999 der BAYER-Chef Manfred Schneider ist, baut auf der Expo 2000 in Hannover einen riesigen Themenpark zum Lobe der Chemie auf. 25 Millionen Mark lässt sich der Lobby-Verband diese PR-Maßnahme kosten. Per computer-gesteuerter Bahnreise durch das "ChemiDrom" will man dem Besucher unter Zuhilfenahme von allerlei Schnickschnack wie Multimedia und 3D die "Nützlichkeit der Produkte aus der Chemischen Industrie für seinen Alltag" demonstrieren. Die Stationen Großunfälle, vergiftete Flüsse, CO2-Emissionen, Pestizid-Tote und verunreinigte Lebensmittel gibt es auf dieser Tour selbstverständlich nicht. Besonders gespannt darf man auf das "Theater der Errungenschaften" sein, das laut VCI-Presseinformation "den Beitrag der Chemie für mehr Lebensqualität im letzten Jahrhundert" zur Aufführung bringen soll. Zum Abschluss der Propaganda-Show plant die Chemie-Industrie, ihre Vision für das nächste Jahrhundert zu präsentieren: "Die Sinfonie des Lebens, das Miteinander von Mensch, Natur und Chemie für eine nachhaltige Zukunft." Wenn BAYER & Co. ihre Vorstellungen durchsetzen können, wird's wohl eher eine Sinfonie des Grauens werden.

Marketing-Unternehmen BAYER
In einer Überfluss-Gesellschaft werden Massen von kaum noch unterscheidbaren Waren hergestellt. Die Werbung hat dann die Aufgabe, sie künstlich voneinander unterscheidbar zu machen. Eines der Mittel dazu ist der gezielte Aufbau von Markenprodukten. BAYER will sich in Zukunft verstärkt darauf konzentrieren. Wie Vorstandsmitglied Werner Spinner auf der Tagung des Markenverbandes ausführte, ist der Konzern unzufrieden damit, über 188.000 Patente zu halten, aber nur über wenige eingeführte Marken wie ASPIRIN zu verfügen. Deshalb will der Chemie-Multi laut Spinner ein "globales Marketing-Unternehmen" werden.