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STANDORTE & PRODUKTION
Steuern: minus 100 Millionen Da hat BAYER wieder was aus dem Hut gezaubert: Um die
Zulassungskriterien für den geplanten US-Börsengang zu erfüllen, schichtete der Konzern eine Umsatz-Millarde in die Kasse der betrieblichen Altersversorgung um. Effekt: BAYER spart über 100 Millionen Mark an
Gewerbesteuern, was es leicht macht, den Pensionären jährlich eine einprozentige Steigerung ihrer Bezüge zu ermöglichen. An den BAYER-Standorten ist derweil Panik ausgebrochen. Besonders hart hat es den Stammsitz
Leverkusen getroffen. Die Kommune erhält erstmals keine müde Steuer-Mark mehr von BAYER. Der Stadtkämmerer Rainer Häusler kündigte unmittelbar nach Bekanntwerden des legalen Steuertricks einen Horror-Katalog an:
sofortige Haushaltssperre, Verkauf städtischen Eigentums, Ausgliederung der Volkshochschule, des Kulturamts und von Teilen des Stadtarchivs, Privatisierung des Gartenbauamts, kein Bau des "Hauses der
Kunstsammlung". Die Beziehungen zwischen dem Chemie-Multi und Leverkusen sind damit buchstäblich an einem Nullpunkt angelangt.
Produktionserweiterung in Brunsbüttel Neben VULKANOX 4020 wird BAYER in Brunsbüttel
mit VULKANOX HS künftig noch ein weiteres Alterungsschutzmittel für Kautschukprodukte wie Autoreifen, Schläuche und technische Gummiwaren fertigen. 30 Millionen Mark investiert der Konzern in den Kapazitätsausbau,
der die Herstellung von 15.000 Jahrestonnen VULKANOX HS ermöglichen soll. Dafür reichen dem Chemie-Multi sechs zusätzliche Beschäftigte. Trotzdem verkauft Werksleiter Klaus Starke der Lokalpresse den Erweiterungsbau
vollmundig als "ein klares Bekenntnis von BAYER zum Standort Brunsbüttel".
Gefahrgut-Spedition in Chemie"parks" Das Neusser
Gefahrguttransport-Unternehmen HOYER lässt sich auf dem Gelände des BAYER-Chemie"parks" in Dormagen nieder (siehe auch AKTION & KRITIK).
Naturschutz vs. Standort Das EU-Naturschutzprogramm "Natura 2000" sieht
eine Schonung für Gebiete vor, die an die Flüsse Stör und Elbe grenzen. Da dies "die Entwicklungschancen der BAYER AG in Brunsbüttel einschränken" könnte, wendet sich der schleswig-holsteinische CDU-MDB
Dietrich Austermann gegen das Projekt. Ein anderes Brüsseler Umweltschutz-Vorhaben, die Ausweisung von Flora und Fauna Habitat-Flächen zum Schutz bedrohter Vogelarten, kritisierte die CDU-Landtagsabgeordnete Eva
Peters bei einem BAYER-Besuch als "Investitionshemmnisse, die den Standort Brunsbüttel gefährden".
Kein Wir-Gefühl Nikolas Kerkenrath, Leiter von BAYERs Kulturabteilung, vermisst in
Leverkusen ein "Wir-Gefühl", dass Stadt und Chemie-Konzern verbände. Neidisch nennt er die VW-Stadt Wolfsburg oder den BASF-Sitz Ludwigshafen als unerreichbare Vorbilder. Ursachenforschung betreibt der
Kulturarbeiter allerdings nicht. Da müsste er sich nämlich mal seinen Arbeitergeber vorknöpfen. Statt dessen schwadroniert Kerkenrath abgehoben von einem Zauberstab, mit dem er gerne die bis heute wirkende
"Abgrenzung der 60er" aufheben würde.
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