SWB 04/99 - Ticker

UNFÄLLE & KATASTROPHEN

Filter-Verwechslung mit Folgen
Im Juli 1989 lag ein auf stürmischer See leckgeschlagener Frachter im Brunsbütteler Hafen. Ladung: hochgiftiges Epichlorhydrin der US-Firma DOW CHEMICAL. Bis zu 2,5 Tonnen der Chemikalie waren an Bord ausgelaufen. Ca. 30 Personen kamen bei den Bergungs- und Instandsetzungsarbeiten mit ihr in Kontakt. Heute erst wird die Tragweite dieses Chemie-Unfalls deutlich: Vier Mitglieder der Bergungsmann-
schaft sind tot, bei vielen anderen zeigen sich Spätfolgen des gefährlichen Gift-Einsatzes wie Krebs oder Atemwegserkrankungen. Mit dafür verantwortlich war die Verwendung falscher Schutzmasken-Filter. Da die Wasserschutzpolizei über keine verwendungsfähigen Filter verfügte, stellte das BAYER-Werk Brunsbüttel betriebseigene zur Verfügung. Mit den Worten "Wir haben euch leider die falschen Filter gegeben" wurden sie allerdings eine Woche später wieder eingesammelt. Eine Woche, in der die Menschen dem Epichlorhydrin also ungeschützt ausgesetzt gewesen sind.

Giftalarm in Uerdingen
Am 30.8.99 kam es auf dem Gelände des BAYER-Werks Uerdingen beim Beladen eines Tankschiffes mit Salpetersäure zu einem Unfall. In der Verbindungsleitung zwischen dem Chemikalien-Behälter und dem Schiff entstand ein Leck, aus dem Salpetersäure-Dämpfe austraten. Zwei Mitglieder der Schiffsbesatzung atmeten das Giftgemisch ein und mussten in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Die Feuerwehr sperrte die Rheinuferstraße wegen der Explosionsgefahr zwei Stunden ab. Wie gewohnt verharmloste man: "Es bestand keine Gefahr für die Bevölkerung." Bei dem selben Vorgang - dem Beladen eines Tankschiffes - explodierte erst am 7.5.99 auf dem Firmen-Areal der BAYER-Tochter EC ERDÖLCHEMIE ein Benzingemisch, wobei drei Menschen starben und zehn zum Teil schwer verletzt wurden.

Tödlicher Unfall in Dormagen
Im Dormagener BAYER-Werk ereignete sich am 5.10.99 ein Unfall mit Todesfolge. Ein 62-Jähriger Monteur stürzte bei der Installation von Leuchtstoffröhren von der Leiter und schlug auf dem harten Betonboden auf. Der Mann war Angestellter einer Fremdfirma. Das Amt für Arbeitsschutz prüft nun, ob Sicherheitsbestimmungen missachtet worden sind.