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BAYER-Propaganda:
Ich war der "ASPIRIN BOY"
Der amerikanische Schauspieler Ted Quinn hat als Kind in mehreren Werbespots für "BAYER Aspirin" mitgewirkt. Heute kritisiert er die unbeschränkte
Macht der Konzerne und bekämpft die allgegenwärtige Propaganda mit künstlerischen Mitteln.
Im Juni diesen Jahres sah ich zufällig einen Bericht in der Los Angeles Times, wonach Auschwitz-Überlebende gegen drei deutsche Pharma-Unternehmen Klage
eingereicht hatten. Ich sage "zufällig", da ich als Künstler und Musiker in der kalifornischen Wüste lebe und nicht jeden Tag eine Zeitung in die Finger bekomme.
Ich wurde sofort aufmerksam. Eine der Firmen, die beschuldigt wurde, Doktor Mengeles Zwillings-Experimente unterstützt zu haben, war genau die selbe, für die
ich jahrelang eine Art Aushängeschild war: Als kleiner Junge - blond, blauäugig und "everybody´s darling" - spielte ich in Werbefilmen für BAYER-ASPIRIN. Meine Rolle war die des niedlichen Jungen mit
Baseball-Kappe und großem Hund, der bei seinen Nachbarn klingelt und die "Mutter" fragt: "Kommt Susie zum Spielen raus?" Die Mutter erklärte, dass Susie krank im Bett liegt und Medikamente nimmt,
worauf ich erwiderte: "Tut es weh? Hat sie Fieber?" Nachdem nun eine Erzähler-Stimme die Vorzüge der Medizin - Kinder-ASPIRIN mit Orangengeschmack - erläuterte, sprach ich den entscheidenden Satz:
"Mothers are like that. Yeah, they are".
Der Spot lief drei Jahre lang auf allen Fernsehkanälen und mein Schlußsatz wurde in den 60er Jahren eine gängige Redewendung in den USA. Ich erhielt Fanpost,
Kino-Rollen und sogar eine eigene Fernseh- Sendung. Ich weiss nicht, wie oft ich diesen Satz wiederholen musste, in der Schule, im Supermarkt, am Strand. Besonders ältere Frauen liebten mich und bis heute kennen
viele Amerikaner den süssen "Aspirin boy". Erst kürzlich wurde der Spot in einer Fernseh-Dokumentation wiederholt.
Die Lektüre des Artikels in der Los Angeles Times schockte mich. Wem hatte ich damals mein Gesicht geliehen? Ich suchte im Internet nach Informationen über
die Geschichte von BAYER und wurde auf der homepage der Coordination gegen BAYER-Gefahren schnell fündig. Die zahlreichen Untaten des Konzerns - die Versklavung von Zwangsarbeite- rInnen, der Verkauf von Heroin
als Hustensaft, die AIDS-verseuchten Blutkonserven - schreckten mich auf und ich beschloss, die Geschichte des Unternehmens in die Öffentlichkeit zu bringen. Denn als Künstler darf ich nicht schweigen und muss die
Ungerechtigkeit bekämpfen. Ich erarbeitete eine performance, die meine Rolle als BAYER-Botschafter und die Geschichte des Konzerns miteinander verknüpft.
Was möchte ich damit erreichen? Meine Freunde meinten, die Gier der Konzerne sei doch nichts Neues. Doch ich muss mit meiner BAYER-Geschichte weiter leben und
möchte daher - nachdem ich als Kind der Propaganda gedient habe - nun die Wahrheit unterstützen.
In den offiziellen Publikationen von BAYER fand ich keinen einzigen Hinweis auf die "Kehrseite der Milliarden-Gewinne". Keiner der genannten Fälle -
überhaupt die Rolle im Dritten Reich - wird irgendwo erwähnt. Ich hoffe, meine Vorführungen und Veröffentlichungen dienen dazu, dass das Unternehmen BAYER zu seiner Vergangenheit steht und das neue Jahrtausend auf
verantwortungsvolle Weise beginnt.
Ted Quinn
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