SWB 01/00 - Ticker

GENE & KLONE

BAYER will schnellere GENehmigungen
BAYERs Forschungschef Pol Bamelis ist auch Vorsitzender der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB). In dieser Eigenschaft gab er bei einem Pressetermin Auskunft über den Stand der Dinge in den bundesdeutschen Gen-Küchen. Mehr Firmen, mehr Beschäftigte, mehr Umsatz, aber noch kein Vergleich zum Biotech- Paradies USA, so lautete sein Resümee. Leider bewege sich die "grüne Gentechnik" nach wie vor "in einem schwierigen politischen und gesellschaftlichen Umfeld", klagte der BAYER-Mann. Dass nicht das Umfeld, sondern die Gentechnik selber problematisch ist, kam ihm trotz der verschiedenen Meldungen der letzten Zeit über den Abbruch der Gentherapie-Studie zur Behandlung von Hirntumoren, gesundheits-
gefährdende Gen-Kartoffeln, den Erdboden mit seinem "eingebauten" Insektizid vergiftenden Bt-Mais und Blütenpollen von Gen-Pflanzen, die auf benachbarte Felder flogen, natürlich nicht in den Sinn. Statt dessen lamentierte er über nicht erfolgte Zulassungen für Freisetzungsversuche und rief zu Deregulierungsmaßnahmen wie der Schaffung einer zentralen europäischen Zulassungsbehörde auf.

BAYER lobt MILLENNIUM
Der Leverkusener Chemie-Multi zog eine positive Zwischenbilanz seiner Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Genomforschungs-
unternehmen MILLENNIUM, an dem er seit 1998 eine 14-prozentige Beteiligung hält. Die Biotechnologen haben für BAYER bisher vier angebliche Wirkorte für Arzneimittel identifiziert. Bis zum Jahr 2008 will der Konzern diese Erkenntnisse in ein marktgängiges Medikament umgesetzt haben. Die Behauptung, es gäbe fest umrissene Wirkorte, an denen Arzneien passgenau ansetzen könnten, stellt eine ebensolche Vereinfachung komplexen Krankheitsgeschehens dar wie diejenige, Gesundheitsstörungen seien auf ein bestimmtes defektes Gen zurückzuführen.

Ausbau der Krebs-Diagnostik
BAYER hat von OSI PHARMACEUTICALS INC. die Diagnostika-Sparte übernommen, um Marktführer auf dem Gebiet der Krebs-Erkennung zu werden. Die OSI-Abteilung arbeitete an Tests mit Genen von Proteinen, die angeblich für das Tumor-Wachstum verantwortlich sind. Diese Diagnose-Apparaturen will der Chemie-Multi weiterentwickeln. Mit einem Arzneimittel, das Krebszellen-Proteine ausschalten sollte, hat der Konzern im letzten Jahr einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Das Präparat versagte bei einem klinischen Test an Lungenkrebs- PatientInnen. Der Sicherheitsausschuss für Arzneimittel-Prüfung in den USA veranlasste daraufhin das Ende der Erprobung (siehe Ticker 4/99).

Gentests am Arbeitsplatz
Die Gentechnologie macht's möglich: In Zukunft sollen nicht mehr krankmachende Arbeitsstoffe ersetzt werden, sondern kranke Belegschaftsangehörige. Eine Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), deren Vorsitzender Ernst-Ludwig Winnacker bei BAYER im Aufsichtsrat sitzt, sprach sich in einer "wissenschaftlichen" Stellungnahme für Gentests am Arbeitsplatz aus, "wenn es um den voraussehbaren Ausbruch einer genetischen Krankheit geht, die mit dem Arbeitsverhältnis in unmittelbarem Zusammenhang steht". Mit einer medizinischen Vorsorge hat dieses Vorgehen allerdings nichts zu tun. Die Gentests am Arbeitsplatz sollen als ein sozial- darwinistisches Instrument dienen, um unter den MitarbeiterInnen eine Gesundheitsauslese zu treffen.

Zugang zu Gen-Datenbank
BAYER kann künftig eine der größten Gen-Datenbanken der Welt nutzen. Der Chemie-Multi schloss mit dem US-amerikanischen Biotech-Unternehmen INCYTE einen entsprechenden Vertrag ab. Die Bibliothek umfasst 90 % der menschlichen Gene; auf 480 davon hält INCYTE Patente. Der Leverkusener Konzern will die Datenbank zur Identifizierung von Proteinen sowie zu deren Weiterentwicklung zu nutzen, so dass sie für Therapie-Zwecke eingesetzt werden können. Mit einem Krebs-Medikament auf Protein-Basis, das das Tumor-Wachstum aufhalten sollte, musste BAYER im letzten Jahr die klinischen Tests abbrechen, da es sich als wirkungslos erwies (siehe Ticker 4/99).

Zugang zu Antikörper-Datenbank
BAYER schloss mit dem Biotech-Unternehmen MORPHOSYS ein Abkommen über die Nutzung einer Gen-Datenbank mit Antikörper-Proteinen. Um aus diesen Proteinen Arzneimittel zu entwickeln, will der Chemie-Multi auch mit MORPHOSYS- ForscherInnen zusammenarbeiten. Bereits vor 25 Jahren wurde die Therapie mit Antikörpern als Wundermittel im Kampf gegen Krebs und andere Krankheiten gepriesen, was sich als vorschnell erwies. BAYER hat mit Antikörper-Proteinen ebenfalls schon eine Bruchlandung erlitten. Das Vorhaben, gemeinsam mit CELLTECH ein Medikament gegen den septischen Schock zu entwickeln, scheiterte, da in klinischen Tests kein therapeutischer Nutzen nachgewiesen werden konnte.

BAYER entwickelt Gentech-Insektizide
Seit zwei Jahren arbeitet EXELIXIS PHARMACEUTICALS INC. im Auftrag von BAYER daran, durch die Entschlüssung des Erbguts von Schadinsekten Wirkorte für Pestizide zu entdecken und so die Basis für eine profitträchtige neue Generation von Ackergiften zu schaffen. Die bisherigen Ergebnisse haben den Leverkusener Chemie-Multi veranlasst, noch einmal 195 Millionen Mark in die Gründung eines GENOPTERA getauften Gemeinschaftsunternehmens mit EXELIXIS zu investieren. Dabei handelt es sich um einen der größten Geschäftsabschlüsse im Bereich "Gentechnik in der Landwirtschaft". Das Wall Street Journal Europe sieht das jedoch nicht als Signal dafür, dass sich BAYER nun auch verstärkt auf dem Gebiet der gentechnisch veränderten Nutzpflanzen wie z.B. Mais mit einem Resistenz-Gen gegen bestimmte Schadinsekten engagieren wird.