SWB 01/00 - Ticker

IMPERIUM & WELTMARKT

BAYER kauft per Internet
BAYER & Co. nutzen zunehmend das Internet, um weltumspannend bei Lieferanten Rohstoffe oder andere für die Produktion benötigte Materialien zu bestellen. Damit der elektronische Warenverkehr in Zukunft reibungsloser verläuft, einigten sich BAYER und andere führende bundesdeutsche Unternehmen auf den gemeinsamen Kommunika-
tionsstandard "eClass" sowie auf "BMEcat" als Format zur Vereinheitlichung der Waren-Kataloge. Der Konzern verankert so auch im Internet seine Maßstäbe.

Neuer Pharma-Chef hat Fusionitis
Seit Oktober 1999 ist der Brite David Ebsworth Chef der Pharma- Abteilung des Chemie-Multis. Seine US-Erfahrung - er leitete zuvor den Pharma-Bereich der nordamerikanischen BAYER-Niederlassung - befähigte ihn nach Vorstandsmeinung zu dem neuen Posten. Seine Hauptaufgabe wird es nämlich sein, in Nordamerika nach geeigneten Arznei-Partnern für einen Zusammenschluss Ausschau zu halten, da institutionellen Anlegern BAYERs Pillen-Sparte zu klein scheint. Folgerichtig heißt es dann von Ebsworth laut Wirtschaftswoche auch: "Den interessiert das operative Geschäft kaum, der denkt fast nur noch in Aquisitionen oder Allianzen". Dabei will er durch verstärkte Investionen in den USA "die Braut etwas aufpäppeln", um sie für eventuelle Interessenten attraktiver zu machen. Erstes Beispiel für diese Strategie: der Ausbau des Standortes Kansas. Sollte es dann zu der beabsichtigten Großfusion im Pharma-Bereich kommen, wird Arbeitsplatzvernichtung in großem Ausmaß die Folge sein.

Fusionsdruck wächst
Durch die Masse der Unternehmenszusammenschlüsse in der letzten Zeit - PFIZER/WARNER-LAMBERT, GLAXO-WELLCOME/ SMITHKLINE und die Agrar-Kooperation zwischen NOVARTIS und ASTRA-ZENECA - verstärken die Pensionsfonds und andere institutionelle Anleger den Druck auf BAYER, ebenfalls zu fusionieren. Das Wall Street Journal Europe sieht die mehr oder weniger unfreundliche Übernahme MANNESMANNS durch VODAFONE als Türöffner für weitere Aufkäufe bundesdeutscher Unternehmen. Ganz oben auf der Liste der nächsten Kandidaten stehen BAYER und BASF. Der Leverkusener Chemie-Multi demonstriert nach außen hin Gelassenheit. Man wolle an der alten Strategie eines integrierten chemisch- pharmzeutischen Unternehmens festhalten, verbünde sich mit kleinen, innovativen Firmen aus dem Biotech-Bereich und suche im Übrigen schon seit geraumer Zeit nach einem geeigneten Pharma- Partner in den USA. Hinter den Kulissen allerdings wird BAYER wohl mit zu den bundesdeutschen Konzernen gehört haben, die Finanzminister Hans Eichel zur Vorbereitung eines Übernahmegesetzes gedrängt haben, um die "Deutschland AG" besser vor "ausländischen Feindfirmen" zu schützen. Dieses Gesetz soll Auflagen z.B. in Bezug auf die Zukunft der Beschäftigten enthalten und den Konzernen Kapitalerhöhungen als Abwehrmaßnahmen erlauben.

BAYER im Welt-Index
Zu den acht bundesdeutschen Unternehmen, die in den neuen "S & P- Global-100-Index" für Aktiengesellschaften, den TOP 100-Club der Global Player, aufgenommen wurden, zählt auch BAYER. Den Aktien-Index stellte das nordamerikanische Finanz-Unternehmen STANDARD & POOR in Kooperation mit den Börsen in Frankfurt, Tokio und New York zusammen. Die Aufnahme in diesen exklusiven Club bedeutet für den Leverkusener Chemie-Multi einen Image-Gewinn, der sich auch auf den Aktien-Kurs niederschlagen wird. Zudem erleichtert sie den für den Herbst diesen Jahres geplanten Gang an die New Yorker Börse.

Fuhr Werksleiter in Uerdingen
Seit Anfang des Jahres ist Dr. Hartmut Fuhr Werksleiter der Uerdinger BAYER-Niederlassung. Vorher füllte er dieselbe Position am Standort Dormagen aus. Fuhr wird trotz des neuen Postens im Unternehmens- bereich "Konzernplanung" weiter für die Koordination der BAYER- Aktivitäten mit dem Europäischen Verband der Chemischen Industrie (CEFIC) zuständig sein.

Verkauf aller AGFA-Aktien
Der BAYER-Konzern kündigte an, sich mittelfristig von den restlichen 30 % der Aktien-Anteile zu trennen, die er noch an AGFA, einer ehemaligen 100-prozentigen Tochter-Gesellschaft, hält. Laut Vorstandsvorsitzendem Manfred Schneider will sich der Chemie-Multi damit stärker auf seine "Kernbereiche" konzentrieren und sie auch durch Zukäufe oder Kooperationen stärken. Diese Mitteilung wird den Druck auf die AGFA-Aktie, deren Kurs sowieso schon hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, empfindlich verstärken.

Kooperationsvertrag mit MORPHOSYS AG
BAYER sicherte sich durch die Zahlung einer zweistelligen Dollar- Summe das Recht, die Antikörper-Datenbank des bundesdeutschen Biotech-Unternehmens MORPHOSYS nutzen zu können (siehe auch GENE & KLONE).

Beteiligung an israelischem Fonds
BAYER will sich mit einem Betrag von vier Millionen Euro an zwei israelischen Risikokapital-Fonds beteiligen. Sie stellen jungen Firmen Geldmittel zur Verfügung, die im Bereich "Biotechnologie" oder "neue Werkstoffe" arbeiten. Der Leverkusener Chemie-Multi hofft dabei nicht nur auf hohe Renditen, sondern auch darauf, dass er über Kooperationsverträge von eventuellen Forschungserträgen oder Neuentwicklungen profitiert. BAYER-Vorstandsmitglied Pol Bamelis kündigte überdies Projekte mit israelischen Firmen im Bereich "Forschung und Entwicklung" an.

Polyol-Sparte von LYONDELL gekauft
Für 4,5 Milliarden Mark hat BAYER das Polyol-Geschäft des US-Unternehmens LYONDELL CHEMICAL CO. übernommen. Es umfasst Werke in den USA, Frankreich, Belgien sowie Mehrheitsbeteiligungen in Taiwan und Indonesien. Die Kaufvereinbarung sichert dem Chemie-Multi außerdem den Bezug des Kunststoff- Vorproduktes Propylenoxid zu Herstellungskosten. Mit dieser Polyol-Akquisition verfügt BAYER jetzt über ein Komplettangebot im Bereich "Kunststoffe" und über eine integrierte Produktionskette, die unabhängig von extern zugekauften Rohmaterialien ist. Der Konzern baut so seine dominante Stellung in dem Segment - BAYER- Produkte haben einen Weltmarkt-Anteil von 25 % - noch weiter aus.

Ausbau der Krebs-Diagnostik
BAYER hat von OSI PHARMACEUTICALS INC. die Diagnostika-Sparte übernommen, um Marktführer auf dem Gebiet der Krebs-Erkennung zu werden. Der Kaufpreis betrug 11 Millionen Dollar (siehe auch GENE & KLONE).

Biotech-Kooperation mit INCYTE
Ein Kooperationsvertrag sichert BAYER das Recht, die Gen-Datenbank des nordamerikanischen Biotech-Unternehmens INCYTE zu nutzen (siehe auch GENE & KLONE).

Gentech-Kooperation mit EXELIXIS
BAYER investiert 195 Millionen Mark in die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit EXELIXIS PHARMACEUTICALS INC., das Insektizide auf gentechnologischer Basis entwickeln soll (siehe auch GENE & KLONE).

Ausbau von Kansas City und New Haven
BAYER baut den US-Standort Kansas City aus. Für 200 Millionen Mark errichtet der Konzern dort eine neue Pharma-Produktionsanlage. Ab 2004 sollen dort hauptsächlich der Cholesterinsenker LIPOBAY sowie AVOLAX, ein Antibiotikum für Atemwegserkrankungen, hergestellt werden. Parallel dazu kündigte der Chemie-Multi an, 80 Millionen Dollar in das Pharmaforschungszentrum West Haven zu investieren. Damit will sich BAYER in den USA attraktiver für Kooperationen/Fusionen im Arzneimittel- Bereich machen.

Mehr Pillen aus Brasilien
Wie BAYER im Oktober 1999 bekannt gab, will der Konzern 25 Millionen Dollar investieren, um die Pharma-Produktion in São Paulo, Brasilien auszubauen. Der Chemie-Multi stellt dort vor allem Bluthochdruckmittel, Cholesterinsenker und Präparate her, die vermeintlich Hirnleistungsstörungen beheben. Nicht gerade die Medikamente, die die Millionen bettelarmen SüdamerikanerInnen aus den Elendsquartieren der Großstädte so dringend benötigen. Durch die erweiterten Kapazitäten sollen schon in diesem Jahr doppelt so viele Arzneimittel nach Argentinien, Paraguay, Uruguay und Chile ausgeführt werden wie 1999.

Neue Tierarznei in Japan
In Japan vermarktet BAYER gemeinsam mit dem Unternehmen KYOWA HAKKO KOGYO Co. ein neues Mittel gegen den Parasiten-Befall von Fischen in der industriell betriebenen Zucht (siehe auch TIERE & ARZNEIEN).

Joint Venture in China
Während des Besuches von Bundeskanzler Gerhard Schröder in China unterzeichnete der BAYER-Manager Werner Spinner mit der SHANGHAI CHLORALKALI COMPANY eine Absichtserklärung über den Bau einer 450 Millionen Dollar teuren Anlage zur Herstellung des Kunststoffes Makrolon. An dem Joint Venture wird BAYER 90 % der Anteile halten (siehe auch POLITIK & EINFLUSS).