SWB 01/00 - Ticker

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

GAUCHO bleibt verboten
Nach heftigen, von der Coordination gegen BAYER-Gefahren unterstützten Protesten in Frankreich verbot im Dezember 1998 der Landwirtschaftsminister Jean Galvany das BAYER-Insektizid GAUCHO. Das Pestizid wird für ein massenhaftes Bienensterben verantwortlich gemacht. Wie immer in solchen Fällen, bestritt der Leverkusener Chemie-Multi die Vorwürfe. Im Herbst letzten Jahres wartete der Konzern mit einer Entlastungs"studie" auf und präsentierte sie öffentlichkeits-
wirksam im Beisein eines ImkerInnen-Vertreters. Die Verantwortlichen in Frankreich blieben trotzdem bei ihrem Urteil. Am 16.1.2000 lehnte der Staatsrat eine Beschwerde von BAYER über den GAUCHO-Bann ab. Über ein endgültiges Verbot will das Landwirtschaftsministerium allerdings erst nach dem Abschluss weiterer Untersuchungen entscheiden.

Ackergifte gefährden Fruchtbarkeit
Pestizide und andere Umweltgifte beeinträchtigen die menschliche Fortpflanzungsfähigkeit in erheblichem Maß. Diesen seit längerem bekannten Befund bestätigte jetzt erneut eine Studie holländischer WissenschaftlerInnen, die in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet erschienen ist. Die ForscherInnen befragten 836 kinderlos gebliebenen Paare nach Kontakten mit Umweltgiften. Dabei fanden sie heraus, dass die Spermien von Männern, die Umgang mit Pestiziden hatten, von minderer Qualität waren und deshalb die weibliche Eizellen nicht befruchten konnten. Den BAYER-Konzern als einen der weltgrößten Hersteller von Agrochemikalien wird dieses alarmierende Resultat nicht dazu bewegen, seine Geschäftspolitik zu ändern.

Pestizide machen Krebs
Schwedische Studien, veröffentlicht in dem medizinischen Fachblatt Cancer, liefern erneut einen Beweis für die Krebs auslösende Wirkung von Pestiziden. Die WissenschaftlerInnen fanden heraus, dass die Agrochemikalien das Immunsystem schwächen und so die Entstehung von Krebskrankheiten begünstigen. Nach ihren epidemiologischen Untersuchungen steigert der Umgang mit dem Pestizid-Wirkstoff MCPA, enthalten in BAYERs HEDOMAT, das Krebsrisiko um den Faktor 2,7. Auch der Kontakt mit dem Herbizid-Wirkstoff Glyphosat, enthalten in den BAYER-Produkten KEEPER und RAPIR, erhöht die Krebs-Gefahr beträchtlich.

Kein AnwenderInnen-Schutz in Costa Rica
Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sind 3 % der in der Landwirtschaft tätigen Menschen von Pestizid-Vergiftungen betroffen. 70 bis 80 % dieser Vergiftungen treten in den sog. Drittweltländern auf, obwohl nur 20 bis 30 % der produzierten Ackergifte dorthin exportiert werden. In Costa Rica registrierten staatliche Stellen 1996 ca. 1.000 Kontaminationsfälle. Wirkstoffe, wie sie in den BAYER- Produkten RIDDER, RAPIR, BAYTAN und DIURON BAYER enthalten sind, hatten einen großen Anteil daran (siehe TICKER 3/98). Eine Studie der Fern-Universität Costa Rica untersuchte nun, ob Schulungen mit Pestizid-AnwenderInnen die Anzahl der Ackergift-Opfer spürbar reduzieren können und kam zu einem deprimierenden Ergebnis. Auch wenn Fortbildungsmaßnahmen den Kenntnisstand der LandarbeiterInnen verbessern, fehlen die einfachsten Voraussetzungen, um einen wirksamen Arbeitsschutz zu gewährleisten. Viele Menschen sind Analphabeten und nicht in der Lage, die Sicherheitsbestimmungen auf den Verpackungen zu lesen. Oftmals steht keine Schutzkleidung zur Verfügung oder entspricht nicht den klimatischen Verhältnissen. Eine Kontrolle staatlicherseits findet nur sporadisch statt, und die unsachgemäßige Entsorgung der Ackergifte sorgt für zusätzliche Gesundheitsrisiken. Die WissenschaftlerInnen sahen nur die Alternative, auf eine ökologisch betriebene Landwirtschaft umzustellen.

Fische-Sterben in Kalifornien
In Kalifornien stieg der Pestizid-Verbrauch von 1991 bis 1995 um 18 %. Ca. acht Millionen Kilo Gift wird jährlich auf den Feldern des Bundesstaates ausgebracht. Beträchtliche Mengen davon landen in den Gewässern, so dass die Fisch-Population im Delta der San Francisco Bay in den letzten 25 Jahren gravierend abgenommen hat. Und Vögel, die auf den Feldern nach Nahrung suchen, fallen den Ackergiften ebenfalls in großer Zahl zum Opfer. Unter den Hauptverursachern: Der Insektizid-Wirkstoff Chlorpyrifos, der in BAYERs RIDDER enthalten ist. Zu diesem nicht nur für die Tierwelt bedrohlichen Ergebnis kommt die Studie "Disrupting the Balance: Ecological Impacts of Pesticides in California", herausgegeben vom PESTICIDES ACTION NETWORK NORTH AMERICA (PANNA) und von CALIFORNIANS FOR PESTICIDES REFORMS (CPR).

Herbizide: wirkungslos durch CO2?
Herbizid-Wirkstoffe wie Glyphosat (z.B. Inhaltsstoff von MONSANTOs ROUND UP und BAYERs GLYPHOS) können bei einem doppelten CO2-Gehalt in der Luft nichts mehr gegen "Unkräuter" ausrichten. Das ergab eine wissenschaftliche Untersuchung, wie die Landwirtschafts-
zeitung Landpost berichtet. Spätestens in 50 Jahren stellt sich daher dringlich die Frage nach einer Alternative zu den chemischen "Unkraut"vernichtungsmitteln. Der BAYER-Konzern hat als Großverbraucher von Strom einen gehörigen Anteil an den klima- schädigenden CO2-Emissionen; allein das Dormagener Werk stößt eine Million Tonnen Kohlendioxid aus.