SWB 01/00 - Ticker

PROPAGANDA & MEDIEN

VCI will noch mehr Steuergeschenke
Das Füllhorn, das die Eichelsche Steuer"reform" über die großen Konzerne ausgeschüttet hat, reicht BAYER & Co. noch nicht. Sie bescheinigen der Bundesregierung zwar, mit dem Gesetzes-Vorhaben "den richtigen Weg" einzuschlagen, melden aber in einer Anzeigen- Kampagne weitergehende Forderungen an wie z.B. eine Nettoentlastung und eine Verkürzung der Abschreibungspflichten. Andernfalls wird es leider nichts mit "zukunftssichere(n) Arbeitsplätze(n)" drohen sie in der unpassenderweise mit "Chemie im Dialog" überschriebenen Zeitungsannonce.

ASPIRIN-PR von JournalistInnen
Justin Westhoffs Aufsatz "Verkappte Pharmavertreter und Berufskritikaster", publiziert in dem Buch "Wechselwirkungen - Beiträge zu Pharmazie und Politik", zitiert eine amerikanische Studie, die genau verfolgt hat, wie die Story "ASPIRIN beugt Herzinfarkten vor" in die Welt gesetzt wurde. Ausgangspunkt war eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit. Sie kam zu dem Ergebnis, dass bei männlichen Ärzten mittleren Alters, die täglich den ASPIRIN-Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) zu sich nahmen, das Herzinfarkt-Risiko um 50 % sinkt. Die KommunikationsforscherInnen verglichen nun diesen Aufsatz mit den Artikeln, die Zeitungen wie die New York Times oder das Wall Street Journal daraus strickten und stellten gravierende Abweichungen fest. Dass die in der medizinischen Fachzeitschrift abgedruckte Studie ein höheres Schlaganfall-Risiko infolge von ASPIRIN-Einnahme festgestellt hatte, vor Nebenwirkungen wie Magenbluten warnte und eine britische Untersuchung zitierte, die keine vorbeugende Wirkung von ASS in Bezug auf Herzinfarkte nachweisen konnte, ließen die Sensationsreporter unter den Tisch fallen. Auf den keinesfalls repräsentativen Charakter der untersuchten Ärzte-Gruppe wies ebenfalls keines der Blätter hin. Eine ganzseitige BAYER-Anzeige neben der ASPIRIN-Erfolgsstory wird dieser Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht sicherlich Vorschub geleistet haben.

Blutzucker-Testaktion
In Zusammenarbeit mit der AOK startet der Chemie-Multi mal wieder eine Blutzucker-Testaktion. In den Apotheken Bayerns werden "geschulte Kräfte der BAYER AG" Blutzuckertests durchführen. Laut Pressemitteilung will man mit der Kampagne einen Beitrag zur gesundheitlichen Aufklärung über die "Volkskrankheit" Diabetes leisten. Was wirklich dahinter steht, enthüllt ein Blick in das Werbefachblatt prmagazin. Dort werden solche Aktionen unter verkaufsfördernde "Ran an den Patienten"-Strategien geführt. Vornehmlich geht es nämlich bei dem ganzen Unternehmen darum, dass die "geschulten Kräfte der BAYER AG" Werbung für das Blutzuckermessgerät GLUCOMETER DEX machen.

BAYER bei Bossen beliebt
Nach einer Studie des amerikanischen Wirtschaftsmagazins Fortune nimmt BAYER in der Rangfolge der beliebtesten bundesdeutschen Unternehmen den vierten Platz ein. Die Verwunderung darüber, wie eine solch hohe Platzierung gerade zuzeiten der Entschädigungsverhand-
lungen zustande kommen kann, legt sich bald. Befragt wurde nämlich kein repräsentativer Bevölkerungsdurchschnitt, sondern lediglich Finanz-AnalystInnen und ManagerInnen aus Nordamerika, Europa und Japan.

Irreführende ASPIRIN-Werbung
BAYER darf in den USA nicht mehr damit werben, dass eine regelmäßige Einnahme von ASPIRIN Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugt. Die US-amerikanische Aufsichtsbehörde Federal Trade Commission (FTC) verdonnerte den Konzern obendrein dazu, eine Million Dollar in eine Aufklärungskampagne zu investieren, die auf die möglichen Nebenwirkungen des "Tausendsassas" wie Magengeschwüre und Magenbluten hinweist. Künftig muss jede ASPIRIN-Werbung mit dem Zusatz versehen sein: "ASPIRIN hilft nicht jedem. Sprechen Sie mit ihrem Arzt, bevor sie ASPIRIN regelmäßig einnehmen."

Tierarznei-Werbekampagne
Um das Anti-Parasitenmittel ADVANTAGE in Nordamerika zu vermarkten, hat BAYER als einer der weltgrößten Unternehmen für Veterinär-Produkte die teuerste Werbekampagne in der Branchen-Geschichte initiiert (siehe auch TIERE & ARZNEIEN).