SWB 01/00 - Ticker

TIERE & ARZNEIEN

Viehwirtschaft fordert Schadensersatz
BAYER und HOECHST lieferten den Impfstoff, mit dem 1998 der gesamte holländische Rinder-Bestand gegen die Rinder-Grippe geimpft wurde. Im Frühjahr 1999 stellte sich heraus, dass ein Drittel der 3,4 Millionen Impf-Dosen mit einem Durchfall- Erreger infiziert waren. Ca. 2.000 Tiere starben, unzählige erlitten Euter-Infektionen, Durchfälle und Fruchtbarkeitsstörungen. 7.000 ZüchterInnen meldeten den Behörden Erkrankungen ihrer Rinder. BAYER lehnte die Verantwortung für das Rindersterben und die gescheiterte Grippe-Vorbeugung ab, zahlte aber 11 landwirtschaftlichen Betrieben gleichwohl eine Entschädigungs-
summe, was einem Schuldeingeständnis gleichkommt. Da aber die Gruppe der Geschädigten viel größer ist und nicht nur Landwirte, sondern auch den Marktverband für Molkereiwirtschaft, den Marktverband für Vieh und Fleisch und die tierärztliche Gemeinschaft umfasst, forderte die holländische Land- und Gartenbauorganisation LTO die Unternehmen BAYER und HOECHST im November 1999 erneut zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von mehreren Millionen Gulden auf.

Tiermast ohne Antibiotika
BAYER ist einer der weltgrößten Hersteller von Antibiotika für die Massentierhaltung. Auf den Dauereinsatz dieser Präparate reagieren immer mehr Krankheitserreger mit Resistenzbildungen. Über die Nahrungskette können die Bakterienstämme auch in den menschlichen Körper gelangen und Infektionen auslösen, die nicht mehr behandelbar sind. Dänemark entschloss sich deshalb schon im Februar 1998, die Verwendung von Antibiotika in der Tiermast zu verbieten. Jetzt wurde eine erste Bilanz gezogen. Ergebnis: Weder kam es in den Ställen zu mehr tödlich verlaufenden Krankheiten noch nahmen die Tiere langsamer an Gewicht zu, wie KritikerInnen der Regelung prophezeit hatten.

Gutes Geschäft mit Tier-Arzneien
Das Geschäft mit Tier-Arzneien boomt. Der Markt ist groß und frei von gesundheitspolitischen Reglementierungen - allein in den USA gibt es 100 Millionen Hunde und Katzen - die Entwicklungskosten fallen im Vergleich zu Pharmazeutika, die für den Menschen bestimmt sind, geringer aus und die Zulassungsbehörden schreiben nicht so viele aufwendige klinische Tests vor. Oftmals wird eine Pille nach dem Motto: "Was für Herrchen gut ist, kann auch für Bello nicht schlecht sein" gleichzeitig an den Mann und an den Hund gebracht. Sogar Antidepressiva für angeblich verhaltensgestörte Vierbeiner haben die Hersteller schon im Angebot.

Um das Anti-Parasitenmittel ADVANTAGE in Nordamerika zu vermarkten, hat BAYER als einer der weltgrößten Unternehmen für Veterinär-Produkte die teuerste Werbekampagne in der Branchen- Geschichte initiiert. Auf 23 Millionen Dollar beläuft sich der Etat für die umsatzstarke Tier-Arznei (jährlich 200 Millionen Dollar). Von den Risiken und Nebenwirkungen des Tierbehandlungsmittels ist dabei natürlich nicht die Rede. ADVANTAGE enthält Pestizide als Wirksubstanzen, die auf das Nervensystem einwirken und Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, Müdigkeit sowie Nervenleiden hervorrufen können.

Gesundheitsschädigende Aromastoffe
Aromastoffe der BAYER-Tochter HAARMANN & REIMER werden nicht nur Lebensmitteln, sondern auch Tierfutter beigesetzt. Diese Stoffe macht der Tierarzt Dirk Schrader neben "Vital"- und Farbstoffen mit dafür verantwortlich, dass Erkrankungen von Hunden und Katzen in den letzten 20 Jahren um 50 % zugenommen haben. Nach Meinung des Veterinär-Mediziners zerstören die Aromastoffe die Knochen-Substanz und führen zu irreparablen Schäden des Darms und der Harnwege.

Parasiten-Mittel für Fisch-Farmen
Für Bernd Krüger, den Leiter der "Tiergesundheit"-Sparte von BAYER, sind die industriell betriebenen Fisch-Farmen ein wichtiger Wachstumsmarkt für Tier-Arzneien. Denn wie überall, wo Tiere auf engstem Raum "industriell produziert" werden, breiten sich Parasiten aus. In Japan bringt BAYER jetzt in Zusammenarbeit mit einem dort beheimateten Unternehmen, der KYOWA HAKKO KOGYO Co., ein Fisch-Parasitizid mit dem Wirkstoff Praziquantel heraus. Einen werbeträchtigen, das tierische Elend und die verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt verharmlosen Begriff haben die PR-Strategen auch schon kreiert: Aquakulturen. Die von der Weltbank in den Regionen der "Dritten Welt" massiv geförderten Anlagen für die Massenfischhaltung führen zu dem absurden Zustand, dass Länder wie Indien die Industrie- Nationen mit Fisch-Delikatessen beliefern, während der eigenen Bevölkerung nicht genügend Grundnahrungsmittel zur Verfügung stehen. Zudem greift die industrielle Fischzucht massiv in die wirtschaftlichen und ökologischen Strukturen der betreffenden Staaten ein. Reis-Plantagen wurden stillgelegt, so dass viele LandarbeiterInnen ihre Arbeit verloren und das Grundnahrungsmittel Reis nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden war. Das pestizid-haltige Salzwasser der Aquakulturen verseucht zudem das Trinkwasser. In Indien hat es aufgrund dieser Situation schon viele Protestkundgebungen gegeben. GeologInnen machen überdies die Fischmastbetriebe für die katastrophalen Folgen des Wirbelsturms im Herbst letzten Jahres mitverantwortlich, da für ihre Errichtung schützende Mangroven-Wälder abgeholzt wurden.