SWB 02/00 - Ticker

AKTION & KRITIK

Leserbrief zum "Erzübel" Pharma-Industrie
Zu einer Meldung über das Ansteigen der Arzneimittel-Ausgaben auf die Rekord-Summe von 35,7 Mrd. Mark im Jahr 1998 erhielten die Stuttgarter Nachrichten einen wütenden Leserbrief. "Das Erzübel liegt darin, dass die Pharma-Industrie in ihrer Preis-Gestaltung völlig freie Hand hat", erboste sich der Absender darin und stellte fest: "Es kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn im Ausland die Arznei zum Teil um die Hälfte billiger ist als in Deutschland, und sich ein Pharma- Konzern wie BAYER eine millionen-schwere Fußball-Mannschaft leisten kann."

PAN schreibt an EU
Das 1993 verabschiedete 5. Umwelt-Aktions-Programm der EU versprach bis zum Jahr 2000 eine deutliche Verringerung des Pestizid-Einsatzes in den Mitgliedsstaaten. Geschehen ist bisher allerdings noch nichts. Um gegen diese Tatenlosigkeit zu protestieren, hat das europäische PESTIZID-AKTIONS-NETZWERK (PAN) einen Offenen Brief an das zuständige Kommissionsmitglied Margot Wallstrum geschrieben. Darin fordert die Gruppe die Kommission auf, EU-weit ein solches Pestizid-Reduktionsprogramm zu beschließen, wie es Länder wie die Niederlande, Schweden, Dänemark und Finnland bereits eingeführt haben. Darüber hinaus tritt die Initiative für eine BürgerInnen- Beteiligung bei der Bewertung von Pestizid-Gefahren ein und mahnt eine stärkere Fördung der alternativen Landwirtschaft an.
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) ist Mitglied des Vorstandes von PAN und unterstützt diese Aktion. BAYER ist einer der größten Pestizid-Hersteller der Welt und tut alles, um eine Reduzierung des Einsatzes giftiger Pestizide zu verhindern bzw. weiter zu steigern.

Chemikalien-Konferenz in Bonn
Am 20. März begann in Bonn eine sechstägige internationale Konferenz, bei der über das weltweite Verbot der gefährlichsten Pestizide und Industrie-Chemikalien verhandelt wurde, die so genannten POPs (Persistant Organic Pollutants). Zu diesen zählen die Ackergift- Wirkstoffe Aldrin, Chlordan, DDT, Dieldrin, Endrin, Heptachlor, Mirex, Toxaphen sowie die Industrie-Chemikalien Hexachlorbenzol und PCB. Bis zu dem Zeitpunkt, da ihre Produktion in der Bundesrepublik untersagt wurde, gehörte BAYER zu den größten Herstellern dieser Stoffe. Darum waren auch zwei Vertreter der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN nach Bonn gereist. Sie trafen dort unter anderem mit Anti-Pestizid-Aktivisten aus Südamerika zusammen und sprachen mit ihnen über mögliche gemeinsame Aktionen.

Holzgifte und kein Ende
Noch 19 Jahre nach der letzten Anwendung wiesen UmwelttechnikerInnen in einem bei Würzburg gelegenen Holz verarbeitenden Betrieb hohe Konzentrationen des von BAYER hergestellten Holzgiftes XYLAMON nach. Die Messung wurde von dem Ex-Angestellten Peter Röder veranlasst. Der tägliche Umgang mit dem Gift am Arbeitsplatz hat ihn krank gemacht; er leidet an der Multiplen Chemikalien-Unverträglichkeit (MCS). Durch die Ergebnisse der Messung bestätigt, will Röder jetzt gegen den Gift-Produzenten DESOWAG klagen. Als Gutachter steht ihm der Toxikologe und SWB-Autor Dr. Tino Merz zur Seite. Die DESOWAG gehörte bis Mitte der 80er Jahre zum BAYER-Konzern. Der Chemie-Multi trennte sich von seiner Tochter-Firma, als die Gefahr immer größer wurde, dass er selbst in den "Holzschutzmittel"-Prozess hineingezogen werden könnte. Im größten Umwelt-Strafverfahren der Bundesrepublik standen damals zwei DESOWAG-Manager vor Gericht. Ihnen wurde vorgeworfen, wissentlich 200.000 Menschen durch Holzgifte krank gemacht zu haben (SWB berichtete zuletzt in Heft 1/99). 

Klage gegen BAYER
DER VEREIN ZUM SCHUTZE DES RHEINS UND SEINER NEBENFLÜSSE (VSR) beantragte bereits am 18.12.1998 die Einsichtnahme in die Abwasserdaten von BAYER/Dormagen. Am 15.9.1999 entschied das Staatliche Umweltamt in Köln, dass ein Anspruch auf die Einsichtnahme existiert. Am 15.10.1999 kündigte BAYER Widerspruch an. Obwohl der Konzern seinen Widerspruch bis zum 15.11.1999 nicht begründete, wird die Einsichtnahme nicht gewährt. Im Hinblick auf das BAYER-Werk in Leverkusen wurde eine entsprechende Anfrage bereits zum zweiten Mal gestellt. Der VSR bereitet nun eine Klage vor.

US-Gewerkschafterin besucht CBG
Eine Vertreterin der Gewerkschaft im BAYER-Werk Elkhart/USA besuchte die Bundesrepublik. Sie war auch zu Gast bei der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und informierte über die bevorstehende Schließung ihres Werkes.

Mahnung in Dessau
In Dessau wurde ZYKLON B produziert. An diesem Thema forscht seit Jahren die "Forschungsgruppe ZYKLON B", die Mitglied der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) ist. Ziel der Arbeit ist es, die Kooperation der Dessauer Industrie mit der IG FARBEN bei der Produktion des Gaskammer-Giftes Zyklon B öffentlich zu machen und die Aufstellung einer von der Initiative entworfenen Mahnsäule zu erwirken. Erwartungsgemäß sperrt sich die Stadtverwaltung gegen die Vorhaben der "Forschungsgruppe
ZYKLON B".

Verstoß aufgedeckt
Der Beirat der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG), Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, hat einen skandalösen Verstoß des BAYER-Konzerns gegen das in Deutschland geltende FCKW-Verbot aufgedeckt. FCKWs sind die Stoffe, die die für den Menschen lebensnotwendige Ozonschicht in der Erdhülle zerstören. BAYER produziert trotz des Verbotes und entgegen der von der Chemischen Industrie selbst gesetzten Regeln des Responsible Care ( = Verantwortliches Handeln) in einem seiner US-Werke die weltweit geächteten FCKWs. Zusammen mit Prof. Rochlitz, ehemaliger Bundestagabgeordneter der Grünen und Mitglied der Enquête- Kommission "Schutz des Menschen und der Umwelt", hat die CBG die Öffentlichkeit unterrichtet.

CBG-Jahrestagung: Die Welt als Beute
Termin und Ort stehen fest: 4./5. November 2000 in Düsseldorf. Die diesjährige Jahrestagung der CBG beschäftigt sich mit der globalen Entwicklung des BAYER-Konzerns:
Die Welt als Beute
Global Player BAYER
Um die Teilnahmekosten mit 30 DM für Mitglieder, 40 DM für Nicht-Mitglieder gering zu halten, bietet die CBG kostenfreie private Übernachtung und Selbstverpflegung an. Termin bitte vormerken.

Demo bei BAYER
Es wird unruhig in Leverkusen. Nachdem es im Vorjahr bereits einmal anlässlich des Weltwirtschaftsgipfels in Köln eine Demonstration vor der BAYER-Zentrale gab, demonstrierten am 20. Mai erneut Menschen vor der Zentrale des BAYER-Konzerns. Erstmals in der Nachkriegsgeschichte wurden in Leverkusen öffentlich angemessene und sofortige Entschädigungen für die BAYER-ZwangsarbeiterInnen gefordert. Weiterhin verlangten die DemonstrantInnen von BAYER die Einrichtung einer Gedenkstätte für die Opfer des Konzern-Terrors zur Nazi-Zeit. Die DemonstrationsteilnehmerInnen riefen den Konzern auch dazu auf, sich in den USA für die Aufhebung der Todesstrafe einzusetzen. BAYER hat seinen US-Firmensitz in Pennsylvania, wo der Bürgerrechtler Mumia Abu Jamal unschuldig hingerichtet werden soll.

CBG besucht englische Tagung
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) nahm in England an der diesjährigen Tagung des Permanent Peoples Tribunal/PPT teil. Das PPT ist der Nachfolger des Russell-Tribunals zur Einhaltung der Menschenrechte. Da es um Menschenrechtsverletzungen durch internationale Konzerne ging, konnte die CBG zahlreiche Informationen zu BAYER einbringen. Die Reise zum PPT konnte verbunden werden mit dem Besuch einer internationalen Konferenz, die sich mit der internationalen Verantwortung multinationaler Konzerne beschäftigte. Auch auf dieser Konferenz konnte die CBG aus ihrer Praxis berichten und wertvolle Kontakte für die weitere Zusammenarbeit knüpfen.

Vergiftete Kinder in Peru
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hat aus Peru eine dringende Bitte um Unterstützung erhalten. Dort sind 23 Schulkinder zu Tode gekommen. Es soll ein BAYER-Pestizid beteiligt sein. Die peruanische Regierung hält den Bericht unter Verschluss. Zusammen mit der INFOSTELLE PERU hat die CBG einen Offenen Brief an BAYER geschrieben und den Fall auch auf der diesjährigen Hauptversammlung des Konzerns vorgetragen.

Zusammenarbeit mit niederländischen Bauern
In den Niederlanden hat sich ein Aktionskomittee gebildet, weil mehr als 7.000 Landwirte durch verseuchte BAYER-Tiermedikamente geschädigt wurden. Es kam in den Niederlanden bereits zu einer Besetzung der niederländischen BAYER-Zentrale in Mijdrecht und zu anderen großen Aktionen. Die CBG unterstützt die Proteste der niederländischen Bauern und ermöglichte, dass Vertreter der geschädigten Landwirte auf der BAYER-Hauptversammlung in Köln sprechen konnten.

Kooperation auf den Philippinen
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hat Kontakte zu Umwelt-AktivistInnen auf Philippinen aufgebaut. Derzeit kooperiert die CBG verstärkt im Hinblick auf Vergiftungen durch BAYER-Pestizide. Wir haben uns auch mit einem Partner hier in Deutschland getroffen.

Zu Gast auf PDS-Parteitag
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) war als Gast zum PDS-Parteitag eingeladen. Sie war mit einem Infostand vertreten und hatte auch die Gelegenheit, sich mit einem vielbeachteten Redebeitrag an der Diskussion des Parteitags zur "Dritte-Welt"-Arbeit zu beteiligen.