SWB 02/00 - Ticker

DRUGS & PILLS

BAYER & Co. entwerfen EU-Pharma-Politik
Der Wirtschafts- und Sozialausschuss der Europäischen Union (WSA) soll eigentlich die Interessen der Zivilgesellschaft gegenüber den Brüsseler BürokratInnen vertreten. De facto dominieren allerdings Industrie-VertreterInnen den Ausschuss. Bei einer WSA-Anhörung zum Thema "Pharma-Politik" kam fast die Hälfte der TeilnehmerInnen aus der Pharma-Industrie, der andere Teil setzte sich aus Chemie-Gewerkschaf-
terInnen, Krankenkassen-VertreterInnen und DelegiertInnen der ÄrztInnen- und ApothekerInnenverbände zusammen. Wobei diese Verbände, oft auch die Gewerkschaften, sehr oft Industrie-durchsetzt sind und mit den Konzernen stimmen. Erst nach massiven Protesten gelang es den unabhängigen Nicht-Regierungsorganisatinen HEALTH ACTION INTERNATIONAL und der BUKO-PHARMA- KAMPAGNE, die mit der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN kooperieren, sich Zutritt zu verschaffen. Wie sich BAYER & Co. die Gesundheitspolitik der EU vorstellen, geht aus einem WSA-Papier hervor. Es sieht einzig in Pharmazeutika ein Mittel, für die Gesundheit der Menschen zu sorgen, nicht aber in gesunder Ernährung, Hebung des Lebensstandards oder in verbesserten Hygiene- und Sozial-Maßnahmen. Zum Schaden, den Medikamente anrichten können, findet sich in dem Entwurf natürlich kein Wort. Die Vorlage spricht sich sogar dafür aus, die Arzneimittel- Kontrolle aufzuweichen, indem die Zulassungsverfahren beschleunigt werden. 

Biopirat BAYER
Nachdem die Bio-PiratInnen aus den Reihen der großen Konzerne den Pflanzen-Reichtum der Erde auf der Suche nach verwertbaren Stoffen weitgehend abgegrast haben, gerät zunehmend die Artenvielfalt der Weltmeere in ihr Visier. Dort vermuten ForscherInnen ein reichhaltiges Reservoir von Substanzen, die pharmazeutische Wirkungen haben. Über 200 Patente sind in den letzten Jahren auf Stoffe, wie sie etwa Korallen, Moostierchen oder Seescheide zur Feindabwehr produzieren, erteilt worden. Bei diesem Wettlauf um die private Aneignung des Reichtums der Natur mischt BAYER kräftig mit. Der Konzern arbeitet mit verschiedenen Instituten zusammen, die sich mittels hochmoderner Tauch-Roboter bei ihren Raubzügen durch die Ozeane bis auf den Meeresgrund hinab begeben können.

Preis-Politik vor Gericht
Arznei-Preise sind politische Preise. Will ein Land seiner Bevölkerung einen kostengünstigen Zugang zur medizinischen Versorgung sichern, so muss es den multinationalen Pharma-Konzernen in harten Auseinandersetzungen günstige Preise für Medikamente abtrotzen. Dereguliert ein Staat dagegen den Gesundheitsmarkt nach neoliberalen Maßstäben, so steigen die Margen für die Pillen-Industrie. Von diesem Preis-Gefälle profitieren allerdings HändlerInnen, die Pharmazeutika in einem Land billig einkaufen, um sie dann in einem anderen Land mit höheren Preisen den VerbraucherInnen zu günstigeren Konditionen anzubieten. BAYER sind diese Re-Importe ein Dorn im Auge. Mitte der 90er Jahre weigerte sich der Konzern, einem spanischen Re-Importeur das Herz-Präparat ADALAT zu verkaufen, weshalb der Chemie-Multi von der EU wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens zu einer Strafe in Höhe von drei Millionen Euro verurteilt wurde. Das Berufungsverfahren läuft noch. In diesem Jahr nun will die EU-Kommission endgültig über die Praxis von BAYER & Co. entscheiden, nicht an ExporteurInnen zu verkaufen oder von ihnen höhere Summen zu fordern. Sollte sie die Zwei-Preis-Politik verbieten, würden die Pharma-Unternehmen große finanzielle Einbußen erleiden.

Auch "Super-ASPIRINE" mit Nebenwirkungen?
Da ASPIRIN und andere Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure Nebenwirkungen wie Magenbluten und Magenschleimhaut-Reizungen hervorrufen können, arbeiten BAYER & Co. an der Weiterentwicklung des Medikaments. Ein Weg schien die Ausdifferenzierung des Wirkmechanismus' zu sein. Die Präparate blockieren die so genannten Cox-1- und Cox-2-Enzyme, die eine Rolle bei der Entstehung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen spielen. Das Enzym Cox-1 schützt aber gleichzeitig die Magenschleimhaut. Deshalb arbeiteten die Pharmakologen an Mitteln, die nur das Enzym Cox-2 ausschalten. Die Firma MERCK brachte ein solches bereits auf den Markt. Eine Studie von einem Forscher-Team um Andrzej Tarnawsky von der University of California, veröffentlicht in Nature Medicine, ließ jetzt allerdings Zweifel an der Magenfreundlichkeit der neuen "Super-ASPIRINE" aufkommen. Die Forscher fanden nämlich heraus, dass auch das Cox-2-Enzym eine magenschützende Funktion hat, die im Falle der "Super-ASPIRIN"-Einnahme blockiert wird.

Lizenz für Krebs-Wirkstoff erworben
BAYER hat von dem italienischen Unternehmen INDENA S.p.A. die Rechte für die Weiterentwicklung und Vermarktung einer Substanz zur Krebs-Behandlung erworben. Der Wirkstoff ist halb-synthetisch aus einer Eibenart gewonnen und soll Ende 2000 in die erste Phase der Klinischen Prüfung gehen.

Protein-Forschung mit OXFORD GLYCOSCIENCE
BAYER hat eine geschäftliche Zusammenarbeit mit OXFORD GLYCOSCIENCE PLS vereinbart. Das Biotech-Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, um Protein-Muster kranken Gewebes von Protein-Mustern gesunden Gewebes zu unterscheiden. Der Leverkusener Chemie-Multi will diese Technik für die Entwicklung von Atemwegstherapeutika auf Protein-Basis nutzen (siehe auch GENE & KLONE).