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GENE & KLONE
Biotechnologische "Pflanzenschutz"-Zukunft Walter Schulz, der
Werksleiter von BAYERs Pestizid-Standort Dormagen, stellt die Weichen in Richtung Gentechnologie. Anlässlich eines Pressegespräches sagte er: "Die Zukunft liegt aber auch in der Biotechnologie. Ob wir
allerdings biologische Pflanzenschutz-Produkte in Dormagen herstellen, hängt von der Akzeptanz im heimischen Markt und bei der Bevölkerung ab."
BAYER baut Biotechnologie aus Der Leverkusener Chemie-Multi kündigte an, seinen
Etat für Kooperationen mit Biotech-Unternehmen wie LION oder INCYTE gegenüber 1999 um 40 % zu erhöhen. Diese Firmen verfügen über umfangreiche Gen-Datenbanken und identifizieren im Auftrag von BAYER angeblich
krankheitsrelevante Proteine und Wirkorte für Medikamente. Mit dieser Investition beabsichtigt BAYER in der Rangliste der größten Biotech-Konzerne bis zum Jahr 2005 von Platz 7 auf Platz 5 aufzusteigen. Nach eigenen
Angaben belief sich 1999 der Umsatz der Geschäftseinheit "Biologische Produkte" auf mehr als 1,6 Mrd. Mark.
Biotech bei BAYER Der Leverkusener Chemie-Multi lud im März JournalistInnen zu
einem Presse-Seminar auf das Mayschloss im Ahrtal ein und stellte sich dort als innovatives Biotech- Unternehmen dar. Der bevorstehende Abschluss des "Human Genome Projects" (HUGO) zur Entschlüsselung des
menschlichen Erbgutes eröffne "neue Ansatzpunkte für die Arzneistoffforschung", so der Leiter der BAYER-Pharmaforschung, Dr. Wolfgang Hartwig. Im Folgenden pries er den hohen technischen Standard des
BAYER- Instrumentariums zur Fahndung nach Wirkstoffen und zur Suche nach Wirkorten für Arznei-Therapien. Diese Ausstattung sowie die erfolgreichen Kooperationen mit Biotech-Unternehmen wie MILLENNIUM, CYBIO und
MORPHOSYS ermöglichten es nach Hartwig, dass der Pharma-Konzern im Herbst 2000 mit der klinischen Entwicklung eines Pharmazeutikums aus dem Genom-Programm beginnt. Zur Auswahl stehen ein Krebs- oder ein
Asthmamittel. In beiden Fällen handelt es sich jedoch nicht um neue Wirkstoffe. Die Substanz Interleukin kommt seit längerem als Immun-Therapeutikum zum Einsatz. Da bei der bio- und gentechnischen Produktionsweise
stets mit Antibiotika gearbeitet wird, um das Wuchern unerwünschter Bakterien-Kulturen zu verhindern oder Gene mittels einer Antibiotika- Resistenz identifizierbar zu machen, besteht die Gefahr, dass sich diese
Resistenz auf den Menschen überträgt. Infektionskrankheiten können so wieder ein großes gesundheitliches Risiko darstellen und unter Umständen sogar zum Tod des oder der Betroffenen führen.
BAYER im Visier von Biotech-Firmen? Bislang war es Konzern-Strategie, kleine,
aufstrebende Biotech-Firmen finanziell zu unterstützen, um später von ihren Forschungsergebnissen zu profitieren. Mittlerweile hat sich allerdings das Kräfteverhältnis zwischen Konzernen und Gen-Küchen verschoben.
Ein Unternehmen wie AMGEN beispielsweise wird an der Börse mit 65 Mrd. Euro ca. doppelt so hoch bewertet wie BAYER. Deshalb sind diese Firmen nicht mehr auf das Bio-Sponsoring der Großen angewiesen und entwickeln
selbst Begehrlichkeiten. Friedrich von Bohlen, Chef von LION BIOSCIENCE, ein Unternehmen, das auch für den Leverkusener Chemie-Multi arbeitet, äußerte gegenüber der Wirtschaftswoche : "Ich bin davon überzeugt,
dass innerhalb der nächsten zwölf Monate ein gut eingeführtes Biotech-Unternehmen einen etablierten Pharma-Konzern kauft." Auch BAYER und AVENTIS hält er dabei für potenzielle Übernahme- Kandidaten.
Vertrag mit OXFORD GLYCOSCIENCE BAYER hat mit dem britischen Biotech-Unternehmen
OXFORD GLYCOSCIENCE PLS einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Die Firma hat ein Verfahren entwickelt, um Protein-Muster kranken Gewebes von Protein-Mustern gesunden Gewebes zu unterscheiden. Der Leverkusener
Chemie-Multi will diese Technik für die Entwicklung von Atemwegstherapeutika auf Protein-Basis nutzen. Mittelfristig plant der Konzern sogar, die so genannte Proteomics-Technologie von OXFORD GLYCOSCIENCE PLS zu
übernehmen. Mit einem ähnlichen Medikamenten-Typ erlitt BAYER jüngst einen Fehlschlag. Die klinischen Prüfungen für ein Krebs-Medikament, das Proteine neutralisieren sollte, die angeblich für das Tumor-Wachstum
verantwortlich sind, musste der Konzern wegen Wirkungslosigkeit der Substanz im Herbst 1999 einstellen (Ticker 4/99).
EuropaBio tagt in München In München fand unter dem Motto "Biotechnologie für
Ökonomisches Wachstum und verbesserte Lebensqualität" der dritte Jahres-Kongress von EuropaBio statt, dem Interessensverband der europäischen Gentech-Industrie. BAYERs Forschungschef Pol Bamelis ist
Vorsitzender des Lobby-Clubs und hielt in München die Eröffnungsrede. Darin wurden wieder einmal die aktuellen Wasserstände für die Akzeptanz der umstrittenen Risiko-Technologie in der Bevölkerung vermeldet. Bamelis
machte eine breitere Zustimmung im Bereich medizinischer Anwendungen aus, sah bei der "grünen Gentechnik" in der Landwirtschaft aber noch "großen Nachholbedarf". Deshalb veranstaltete der
Kongress zur Image-Förderung der Bio- Wissenschaften auch einen "Tag der Offenen Tür". Dem Fachpublikum vorbehalten blieben dagegen die Vorträge, in denen 70 "internationale
Biotechnologie-Experten" über die "Fortschritte in den Life-Science- Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit durch Einsatz biotechnologischer Methoden" berichteten. Die Gen-GAUs der letzten
Zeit wie die sieben Gentherapie-Toten in den USA, der Abbruch der Gentherapie-Studie zur Behandlung von Hirntumoren in Hamburg und das Einstellen von klinischen Tests mit einem gentechnologisch hergestellten
Lungenkrebs-Medikament von BAYER dürften in München kaum auf der Agenda gestanden haben.
Naturstoffe aus Bio-Materialien BAYER hat mit dem Berliner Biotech-Unternehmen
ANALYTICON einen sechs Millionen Mark schweren Kooperationsvertrag abgeschlossen. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Firma für den Leverkusener Chemie-Multi eine Technologie zur Isolierung und Reinigung von
Naturstoffen aus Bio-Materialien weiterentwickelt.
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