SWB 02/00 - Ticker

IG FARBEN & HEUTE

100 Mio. Entschädigung
BAYER beteiligt sich mit 100 Mio. Mark am Entschädigungsfonds für ehemalige ZwangsarbeiterInnen. Eine lächerliche Summe, nach der auf jedes Opfer max. 5.000 DM entfallen und im Todesfall Hinterbliebene überhaupt nicht berücksichtigt werden. Beschämend ist die Summe, wird sie gemessen daran, in welchem Ausmaß BAYER als Teil der IG FARBEN von den mehreren Hunderttausend Sklaven zur Zeit des Hitler-Faschismus profitierte. Zumal der Konzern nur 50 Millionen, also gerade einmal die Hälfte der Summe, tatsächlich aufbringen muss, da der Betrag steuerlich absetzbar ist. Die Auszahlung selbst ist obendrein noch völlig ungewiss. Weite Teile der Industrie weigern sich nämlich, in den Fonds einzuzahlen und BAYER & Co. machen Entschädigungsleistungen zudem davon abhängig, dass keinerlei Schadensersatz-Klagen mehr erhoben werden können. Ob diese unerhörte Forderung realisierbar ist, ist derzeit unklar. Die für Anfang Juni im Beisein von Gerhard Schröder und Bill Clinton geplante feierliche Unterzeichnung der Abschlussdeklaration muss aufgrund dieser Anmaßung der Täter von einst wahrscheinlich schon verschoben werden. Damit würde sich auch die Auszahlung der Entschädigungen noch einmal verzögern - bis zum Jahr 2001. Für viele der hochbetagten ZwangsarbeiterInnen wird das zu spät sein.

Schmierte Ex-IG FARBEN-Aufsichtsrat die CDU?
Der ehemalige Aufsichtsrat der IG FARBEN in Abwicklung, Karl Ehlerding, ist mit seinem Immobilien-Konzern WCM in den Skandal um die CDU-Spenden verwickelt. Seine Firma machte 1997 ein Angebot zum Kauf der bundeseigenen EisenbahnerInnen-Wohnungen und spendete von da ab ca. 5,9 Mio. Mark an die Christ-DemokratInnen. Resultat: Die WCM bekam den Zuschlag, obwohl ihre Kauf-Offerte mit 7,1 Mrd. Mark um eine Milliarde unter der Summe lag, die eine japanische Bank für die Immobilie zahlen wollte. Für die bundesdeutsche Illustrierte stern riecht das "ziemlich streng nach Schmiergeld".

Ständchen für Ex-Nazi Kurt Hansen
In vielen bundesdeutschen Zeitungen fanden sich Gratulationsartikel zum 90. Geburtstag von Kurt Hansen, der von 1961 bis 1974 Vorstandsvorsitzender von BAYER war. Dass Hansen schon frühzeitig, nämlich 1931, in die NSDAP eintrat und bei der IG FARBEN für die kriegswichtige Aufgabe der Rohstoff-Beschaffung und Verteilung zuständig war, fanden die JournalistInnen dabei allerdings ebenso wenig erwähnungswürdig wie seine von den Alliierten wegen seiner Verantwortung für Kriegsverbrechen veranlasste Verhaftung und Internierung im Jahr 1945. Der Alt-Nazi Kurt Hansen ist heute noch Ehrenvorsitzender des BAYER-Aufsichtsrats.