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ÖKONOMIE & PROFIT
BAYER bald eine Holding? Um sich besser vor feindlichen Übernahmen zu schützen,
beugt sich BAYER dem Druck der Finanz-AnalystInnen und stellt die gesamte Konzern-Struktur auf den Prüfstand. Eine "Kommission 2000" soll bis zum Herbst des Jahres Umbau-Pläne erarbeiten. Absehbar ist eine
Umwandlung des Chemie-Multis in eine Holding mit den vier rechtlich unabhängigen AGs oder GmbHs "Gesundheit", "Landwirtschaft", "Chemie" und "Kunststoffe". Diese
Organisationsform erleichtert es den einzelnen Bereichen, Fusionen einzugehen oder einen separaten Börsengang vorzubereiten. Die Finanzmärkte reagierten verhalten auf die Ankündigung. Ihnen gehen die
Umstrukturierungsmaßnahmen nicht weit genug. Die Financial Times dagegen lobte den Schritt als Weg, den Shareholder Value zu steigern. Für die Beschäftigten bedeuten die sich ankündigenden Veränderungen nichts
Gutes. Sowohl bei einer Fusion - etwa im Pharma-Bereich - als auch beim Börsengang eines Unternehmensteils - etwa der Chemie - würden Arbeitsplätze vernichtet.
Geschäftszahlen 1999 Auch im letzten Jahr hat BAYER wieder gut Kasse gemacht. Der
Konzern-Gewinn stieg um 24 % auf ca. 2 Mrd. Euro, woran die lukrative Trennung von der AGFA den größten Anteil hatte. Für die ersten drei Monate des Jahres 2000 sehen die Zahlen noch rosiger aus. Der Umsatz stieg um
23 %; der Gewinn sogar um 31 %. Die MitarbeiterInnen profitierten von der Entwicklung nicht. Im Gegenteil, innerhalb des Konzerns wurden 900 Arbeitsplätze vernichtet. Durch den Börsengang der AGFA sank die Zahl der
Beschäftigten absolut sogar von 145.100 auf 120.400. Und sie wird weiter fallen, da Vorstandsvorsitzender Manfred Schneider ankündigte, das Unternehmen werde sich schneller als bisher von so genannten
Nicht-Kerngeschäften trennen. Auch bei einer anziehenden Konjunktur stellt Schneider keine neuen Arbeitsplätze in Aussicht. Die Folge ist Arbeitsverdichtung. BAYER erreicht das unter anderem durch erfolgsabhängige
Entgelt-Zahlungen, ein Instrument, dessen Effektivität der BAYER- Chef in der Hauptversammlung ausdrücklich betonte. Zufrieden zeigte sich der Vorstandsvorsitzende auch mit der rot-grünen Bundesregierung. Sie hat
sich nach seinem Bekunden "deutlich besser präsentiert als von mir befürchtet". Besonderes Gefallen fand er an der Regelung, den Konzernen für den Verkauf von inländischen Beteiligungen keine Steuern mehr
abzufordern, wovon BAYER im Falle einer Trennung von der EC ERDÖL-CHEMIE erstmals profitieren dürfte.
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