SWB 02/00 - Ticker

PRODUKTION & SICHERHEIT

Krankmachende Pestizid-Produktion
Auffallend viele in der Pestizid-Produktion beschäftigte BAYER- MitarbeiterInnen weisen Vergiftungssymptome auf. Das geht aus einer Untersuchung des Düsseldorfer Hygiene-Institutes hervor. Von 42 Beschäftigten, die mit dem Wirkstoff Parathion Umgang hatten, beobachteten die MedizinerInnen bei 20 % eine verminderte Aktivität des Enzyms Acetylcholinesterase, was als Beleg dafür gilt, dass sich Gift im Körper befindet. 8 von 74 ArbeiterInnen, die Propoxur herstellten, klagten über Beschwerden wie Mattigkeit und Schweißausbrüche, Anzeichen für Schädigungen des zentralen Nervensystems. Fast 37 % der Beschäftigten, die sowohl mit Methyl Parathion als auch mit Cyfluthrin arbeiteten, zeigten Anzeichen einer Vergiftung wie Hautjucken und Kribbeln. Das sind erschreckend hohe Zahlen, die natürlich in keiner Unfallstatistik von BAYER auftauchen, und zeigen, wie skrupellos der Konzern Geschäfte auf Kosten der Gesundheit seiner MitarbeiterInnen macht.

Irreführende Unfallstatistik
Alljährlich meldet BAYER eine Reduzierung der Arbeitsunfälle in den bundesdeutschen Werken. Für 1999 weisen die Zahlen 150 gegenüber 167 im Vorjahr aus. Noch dazu waren die wenigsten "unternehmenstypisch", also durch den Umgang mit Chemikalien verursacht. Ein Großteil ereignete sich beim Treppensteigen, Radfahren oder Türöffnen. Aber war da im letzten Jahr nicht noch etwas: die Wuppertaler Groß-Explosion am 8. Juni (SWB 3/99)? Über 100 Belegschaftsangehörige, Feuerwehrleute und AnwohnerInnen mussten sich damals wegen Atemwegsbeschwerden, Reizungen der Binde- oder Schleimhäute oder Hautausschlägen in ärztliche Behandlung begeben. In der Unfall-Statistik findet die Beinahe-Katastrophe kaum Niederschlag. Sie dokumentiert für Wuppertal lediglich einen Anstieg der meldepflichtigen produktionsbedingten Krankheitsfälle von fünf auf neun. Da hat BAYER sich ganz schön gesundgerechnet.

Zusammenlegung der Werksfeuerwehren?
Die Geschäftsleitung des Brunsbütteler BAYER-Werkes will im Sicherheitsbereich sparen. Sie hat deshalb mit dem Atomkraftwerk Brunsbüttel sowie mit dem Unternehmen HYDRO AGRI Gespräche über ein "Feuerwehr-Joint Venture" aufgenommen. Obwohl noch nichts entschieden ist, und BAYER-Vorstand Attila Molnar versichert: "Die BAYER-Werksfeuerwehr ist eine feste Größe", sind Einsparungen im Bereich Sicherheit absehbar. Die Folgen könnten gravierend sein. Schon nach dem Wuppertaler Großunfall im Juni letzten Jahres hatte die Belegschaft Arbeitsplatzvernichtungen im Bereich der Betriebsfeuerwehr mit für die Mängel verantwortlich gemacht, die im Umgang mit dem Ernstfall aufgetreten waren.

Neuregelung des Sicherheitswettbewerbs
Bislang hat BAYER im Rahmen des Sicherheitswettbewerbs mit Prämien Anreize dafür geschaffen, innerhalb der einzelnen Arbeitsgruppen Unfälle zu vermeiden. Jetzt verhandelt der Konzern mit dem Betriebsrat über eine Neufassung dieser Regelung. Obwohl der Etat von 8 Millionen erhalten bleiben soll, wird die geänderte Prämien-Struktur bestimmt nicht zu Gunsten der Beschäftigten ausfallen.