SWB 02/00 - Ticker

WASSER, BODEN & LUFT

Rhein stark verschmutzt
Mehr als die Hälfte aller Flüsse auf der Welt ist nach Angaben der Stockholmer Weltwasserkommission stark verschmutzt oder führt nur noch wenig Wasser. Dazu zählt  auch der Rhein. Direkt-Einleitungen der BAYER-Werke in Krefeld, Leverkusen und Dormagen haben einen maßgeblichen Anteil an der Verunreinigung des Stroms.

BAYER dementiert Wupper-Verschmutzung
Der Leverkusener Chemie-Multi weist die Anschuldigungen zurück, die der VEREIN ZUM SCHUTZ DES RHEINS UND SEINER NEBENFLÜSSE (VSR) gegen das Unternehmen erhoben hat (siehe SWB 2/00). Der VSR hatte dem Chemie-Multi vorgeworfen, Pestizid-Rückstände und gentoxische Stoffe in die Wupper einzuleiten und die Abwasserfrachten zum Betriebsgeheimnis zu erklären. Erwartungsgemäß wies der Konzern die Vorwürfe zurück. "Die analytische Überwachung der in der Produktion anfallenden Abwässer vor und hinter der Kläranlage zeigt, dass Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe nur in äußerst geringen Anteilen im Abwasser enthalten sind und im Bereich des Vorsorgewertes für Trinkwasser liegen", hieß es aus der Konzern-Zentrale. Die Einleitung gentoxischer Stoffe wurde ebenfalls dementiert, ohne konkret auf die Messdaten des VSR einzugehen.
Für die Geheimniskrämerei um die Verweigerung der Offenlegung der wirklichen Abwasser- Frachten hatte BAYER eine sehr anmaßende Erklärung parat: "Nach Auffassung des Unternehmens sind an die Veröffentlichung der verschiedenen Umweltdaten und deren Details bestimmte Voraussetzungen im Rahmen des Umweltinformations-
gesetzes geknüpft, deren Klärung zusammen mit den Behörden noch nicht abgeschlossen ist." Und wohl auch nie abgeschlossen wird.

EU klagt wg. PCB-Altlasten
Da die Bundesrepublik die EU-Richtlinie über die Beseitung polychlorierter Biphenyle (PCB) und polychlorierter Terphenyle nicht rechtzeitig in nationales Recht überführt hat, ist gegen sie ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet worden. Das schwer abbaubare, krebserregende und erbgut-schädigende PCB ist bis zu seinem Verbot 1978 unter anderem in Farben, Lacken, Kitt, Spachtel- und Füllmasse enthalten gewesen. BAYER war weltweit einer der größten Anbieter des Stoffes und produzierte noch jahrzehntelang als Monopolist, nachdem ausnahmslos alle anderen Firmen die Herstellung wegen der hohen Risiken eingestellt hatten. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) fordert deshalb bereits seit 1980, dass sich der Konzern an den Kosten beteiligt, die durch die Entsorgung der Altlasten entstehen.

Luftbelastung durch Billigstrom
Klaus Starke, der Werksleiter von BAYER/Brunsbüttel, jubelt: Durch Schnäppchen auf dem liberalisierten Strommarkt konnte die Niederlassung in den letzten zwei Jahren die Stromkosten um 20-30 % senken. Für ihn "ein wichtiges Argument, dass wir bei Investitions-
entscheidungen ins Feld führen konnten". Für die Umwelt dagegen ein Alarmsignal. Billiger Strom wird nämlich nicht nur weniger umweltschonend hergestellt, er verführt die Konzerne auch dazu, wieder aus dem Vollen zu schöpfen statt energiesparende und damit den CO2-Ausstoß verringernde Herstellungsverfahren zu entwickeln. Zudem wird durch den Billigstrom die eh schon nicht hoch zu veranschlagende Lenkungswirkung der Ökosteuer ausgehebelt.