SWB 03/00

Bayer gefährdet britische Patienten

Nach Angaben der Londoner Sunday Times verschwieg der Bayer-Konzern mögliche Unverträglichkeiten eines Antibiotikums und gefährdete damit 650 Patienten in englischen Krankenhäusern. In einer klinischen Studie in sechs Hospitälern war das Medikament Ciproxin bei Operationen eingesetzt worden, obwohl dem Unternehmen Untersuchungen vorlagen, nach denen Ciproxin im Zusammenspiel mit anderen Pharmazeutika seine Wirksamkeit verlieren kann. Hierdurch stieg die Gefahr von lebensbedrohlichen Infektionen. Die Risiken wurden den beteiligten Krankenhäuser vor Beginn der Studie nicht mitgeteilt - erst recht nicht den Patienten.

"Obwohl ich zu Beginn der Tests auf die Probleme hingewiesen habe, wurde die Studie im ganzen Land unverändert weitergeführt" kritisiert der Chirurg Stephen Karran. "Ich glaube, dass Patienten gelitten haben. Daher ist eine unabhängige Untersuchung notwendig". Karran gehört zu den Wissenschaftlern, die bereits 1989 im Auftrag von Bayer das Zusammenspiel des Wirkstoffs Ciprofloxacin mit Schmerzmitteln, die bei Operationen eingesetzt werden, untersuchten. Er fand heraus, dass die betroffenen Personen das Antibiotikum nur teilweise aufnehmen konnten. Nach mehreren erfolglosen Beschwerden wandte sich der Arzt an die Presse.

Bislang wurden nur die Testergebnisse aus einer Klinik in Southampton bekannt. Nach Angaben der Sunday Times erlitt mindestens ein Teilnehmer der Studie eine lebensbedrohliche Infektion. Die Resultate der übrigen fünf Krankenhäuser will Bayer aus Geheimhaltungsgründen nicht offenlegen.

Ciproxin, in Deutschland unter dem Namen Ciprobay auf dem Markt, ist in England seit 1993 für bestimmte Operationen zugelassen. Bayer strebt die Zulassung für weitere Gebiete an. Das Unternehmen räumte ein, dass die Probleme mit Ciproxin vor Beginn der Studie bekannt waren und dass die Testunterlagen keinen entsprechenden Hinweis erhielten. Im Verlauf der Studie seien die Protokolle jedoch ergänzt worden. Mike Porte, Direktor des staatlichen Health Service Trust, kündigte eine Untersuchung an. "Wenn uns irgend jemand Informationen vorenthielte, würden wir dies als sehr ernsten Verstoß werten".