SWB 03/00 - Ticker

AKTION & KRITIK

Lernschwäche durch Chemikalien
Chemische Stoffe wie Pestizide, Dioxine und Lösemittel wirken direkt auf das zentrale Nervensystem ein. Dies kann besonders für Kinder katastrophale Folgen haben. Nach einer neuen Untersuchung, die die Initiative GREATER BOSTON PHYSICIANS FOR SOCIAL RESPONSIBLITY FOUND in den USA vorlegte, besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität und Lernschwächen bei Kindern und einem Kontakt mit Industrie- bzw. Haushaltschemikalien. BAYER bringt Jahr für Jahr viele Millionen Tonnen teilweise hochgefährlicher Chemikalien in die Stoff-Kreisläufe ein.

In zweiter Instanz gegen H.C. STARCK
Seit 1996 stellt die BAYER-Tochter HC STARCK Nano-Pulver her. 1998 wurde einem Antrag, die Produktion auszuweiten, trotz Einsprüchen stattgegeben. Gegen diese Entscheidung klagte ein Anwohner, da Nano-Stäube ein unkalkulierbares Gesundheitsrisiko darstellen. Die äußerst feinen Nano-Partikel - sie sind bis zu 100-mal kleiner als ein Grippe-Virus - sind in der Lage, Filteranlagen zu passieren und sich in den Atemwegsorganen abzulagern. Sie können auch das menschliche Immunsystem überwinden und in Körperzellen eindringen. Das Gericht hat diese Gefahren nicht berücksichtigt und die Klage abgewiesen. Das Urteil stützte sich dabei auf ein zweifelhaftes Gutachten, das Nano- Stäube in der Wirkung mit Diesel-Partikel gleichsetzte, obwohl diese 6.000-mal größer sind und deshalb die menschliche Gesundheit längst nicht so gefährden. Das Verwaltungsgericht Mannheim ließ aber ein Berufungsverfahren zu, da es die Einsprüche gegen die Entscheidung der ersten Instanz als ausreichend begründet ansah.

Broschüre "Tödlicher Kaffee"
1998 brachte es die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) erstmals an die Öffentlichkeit: Im brasilianischen Kaffee-Anbau müssen Menschen sterben. Ursache ist der Einsatz von BAYER- Pestiziden. Nun hat die CBG die Fakten in einer Dokumentation mit dem Titel "Tödlicher Kaffee" zusammengestellt. Erhältlich bei: CBG, Postfach 15 04 18, 40081 Düsseldorf, Fax 0211 - 33 39 40.

Besuch aus Brasilien
Anfang August hat die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) Besuch von zwei Aktivisten aus Brasilien erhalten. Sie berichteten, dass die seit 1998 laufende Öffentlichkeitsarbeit der CBG über die durch das BAYER-Pestizid BAYSISTON geschädigten LandarbeiterInnen im brasilianischen Kaffee-Anbau bereits Wirkung gezeigt hat. Die Haupt-Niederlassung in Rio de Janeiro entsandte zwei Direktoren zu einem Treffen mit regionalen Entscheidungsträgern nach Minas Gerais. Doch sie konnten auch mit der Androhung von Klagen nicht verhindern, dass einige Landkreise schärfere Pestizid-Gesetze verabschiedeten. Deshalb übte BAYER Druck auf die ÄrztInnenschaft aus, mit dem Ziel, dass künftig die Diagnose "Pestizid-Vergiftung" oder gar der Name von BAYER-Ackergiften in Krankenakten und auf Todes-Urkunden unterbleibt. Um zugleich den zurückgehenden Absatz von BAYSISTON wieder anzukurbeln und langfristig zu sichern, schloss der Chemie-Multi mit Großgrundbesitzern und Kooperativen langfristige Verträge mit hohen Rabatt-Vergünstigungen ab. Auch schickte der Konzern Parallel dazu fuhr der Konzern Agrar-Ingenieure in die Region und warb für den Kauf eines Spezialgeräts zur gefahrloseren Ausbringung des Pestizides. So sinnvoll das Gerät jedoch sein mag, für die LandarbeiterInnen ist es unerschwinglich, weshalb es die dramatische Situation auf den Kaffee-Plantagen nicht verbessern kann. Das von einem Staatsanwalt wegen der Vergiftungsfälle eingeleitete Ermittlungsverfahren endete inzwischen mit einem Vergleich. BAYER musste sich verpflichten, 200.000 Mark für ein Monitoring-Programm zu zahlen, das BAYSISTON ausbringende LandarbeiterInnen über einen längeren Zeitraum hinweg medizinisch beobachtet. Ob diese wissenschaftliche Untersuchung nach objektiven Kriterien durchgeführt wird, bezweifelten unsere Besucher allerdings stark. Am Schluss des Gesprächs wurden ein weiterer Informationsaustausch und die Planung weitere gemeinsame Aktivitäten vereinbart.

BGVV reagiert auf Presse-Mitteilung
SWB 2/00 veröffentlichte einen Artikel darüber, wie BAYER mittels manipulierter Untersuchungsergebnisse über die Gefährlichkeit von Haushaltsinsektiziden (Pyrethroiden) hinwegtäuscht.
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) gab auch eine Presse-Mitteilung zu diesem Skandal heraus. Auf diese reagierte das "Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin" (BGVV) und bat um die Zusendung weiteren Materials.

DKP besucht Gedenkstätte
Zum Abschluss ihres Parteitages besuchten Mitglieder der DKP und ihre internationalen Gäste Mitte Juni die Gedenkstätte für die 184 während der Nazi-Zeit in Leverkusen umgekommenen ZwangsarbeiterInnen. Ein Großteil der Opfer kam bei der Fronarbeit in den zum Mörder-Konzern IG FARBEN gehörenden BAYER-Werken um. Am Mahnmal hielt Manfred Demmer eine Rede, in der er die Unwilligkeit des BAYER-Konzerns kritisierte, sich in angemessener Form mit seiner Vergangenheit auseinander zu setzen. Sich nicht als Rechtsnachfolger der IG FARBEN zu verstehen, den geknechteten ZwangsarbeiterInnen ein Schuldeingeständnis zu verweigern, aber mit großer Geste und von unverbindlichem Verantwortungsgerede begleitet der Stiftungsinitiave zur Entschädigung der SklavenarbeiterInnen beizutreten - dieses Verhalten bezeichnete Demmer als heuchlerisch und würdelos.

Demo in Leverkusen
Der ehemalige BAYER-Direktor Carl Duisberg schmiedete die IG FARBEN und entwickelte in einer Denkschrift die Idee des Einsatzes von ZwangsarbeiterInnen im Konzern. Die IG FARBEN allein beschäftigte rund 350.000 ZwangsarbeiterInnen, von denen die meisten ihren Einsatz für die Profite der Chemischen Industrie nicht überlebten. Der Krefelder BAYER-Direktor Fritz Ter Meer war bei der IG FARBEN verantwortlich für den Einsatz der ZwangsarbeiterInnen. Trotz seiner Verurteilung vor dem Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunal kehrte er als Aufsichtsratsvorsitzender zu BAYER zurück und behielt dieses Amt bis zu seinem Tod. Für eine angemessene Entschädigung aller Opfer durch den IG FARBEN-Nachfolger BAYER demonstrierten am 17. Juni die TeilnehmerInnen eines antifaschistischen Kongresses in Krefeld. Auf der Abschlusskundgebung sprach Axel Köhler-Schnura, Vorstandsmitglied der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG).

Gentechnik-Kritik-Camp in Köln
Vom 27. August bis zum 1. September versammelten sich Gentechnik-KritikerInnen aus ganz Deutschland in Köln zu einem Camp am Rheinufer. In Workshops und Vortragsveranstaltungen diskutierten sie eine Woche lang über die Gefahren der Gentechnik und die Möglichkeiten der Gegenwehr. Auch die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) beteiligte sich an dem Camp und berichtete über ihre Erfahrungen mit dem BAYER-Konzern.

Gentechnik-Kongress in Köln
Vom 1. bis zum 3. September trafen sich in Köln Gentechnik- KritikerInnen aus aller Welt zu einem Kongress. Drei Tage tauschten sie Wissen und Erfahrungen aus. Auch die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) beteiligte sich mit einem Informationsstand an dem Kongress.

BAYER-Tor blockiert
Trotz eines großen Polizei-Aufgebots drangen am 31. August Gentechnik-KritikerInnen auf das BAYER-Werksgelände in Leverkusen vor, besetzten das Tor 2 des Werkes und entfalteten ein Transparent "Stoppt BAYER-Gentechnik". Mit dieser Aktion, an der Axel Köhler-Schnura und andere Mitglieder der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) teilnahmen, wollten die überwiegend jungen Leute darauf aufmerksam machen, dass der BAYER-Konzern einer der Hauptakteure auf dem Gebiet der risikoreichen Gentechnik ist. In einem Flugblatt wandten sich die Gentechnik-KritikerInnen an die BAYER- Belegschaft und lösten durch die Torbesetzung eine breite Diskussion innerhalb des Betriebes aus. Zum Abschluss der Aktion übergaben sie einen Offenen Brief an BAYER, der bei der CBG abgefordert werden kann. Fax 0211 - 33 39 40.

Demonstration in Frankfurt
Am 23. August tagte in der Stadthalle Enken-Bergheim die Aktionärs-
hauptversammlung der IG FARBEN. Obwohl 1949 wegen ihrer Beteiligung an den Nazi-Verbrechen zur Auflösung verurteilt, entdeckte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) 1982, dass diese Mord-Gesellschaft noch immer existiert. Seitdem beteiligt sich die CBG an Protestaktionen und startete 1995 die Kampagne "Nie wieder!". Auch in diesem Jahr rief die CBG zur Demonstration in Frankfurt auf. Axel Köhler-Schnura, der im Rahmen der Hauptversamm-
lung die sofortige Auflösung des "braunen Gespenstes" und die Entschädigung der Opfer forderte, wurde vom Vorstandsvorsitzenden als "widerlicher Mensch" bezeichnet. Als einem Redner, der sich offen als Neonazi zu erkennen gab, das Wort erteilt wurde, kam es zum offenen Tumult. Der Aufsichtsratsvorsitzende ordnete den Einsatz des Saalschutzes an und ließ sämtliche KritikerInnen, darunter auch einige JournalistInnen, gewaltsam aus dem Saal werfen.

Zugang zu BAYER-Archiv verweigert
Axel Köhler-Schnura und Philipp Mimkes, beide im Vorstand COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) tätig, beantragten Zugang zum BAYER-Archiv. Obwohl BAYER öffentlich behauptet, der Zugang zum Archiv sei frei, erhielten die beiden CBG-Vertreter einen ablehnenden Bescheid.