SWB 03/00 - Ticker

GENE & KLONE

Unwort des Jahres: "Therapeutisches Klonen"
Lange bevor der Begriff "Therapeutisches Klonen" aus dem Wörterbuch der Gentech-Unmenschen im August Schlagzeilen machte, führte ihn der BAYER-Aufsichtsrat und Präsident der "Deutschen Forschungsgemeinschaft" (DFG) Ernst-Ludwig Winnacker bereits im Munde. "Stammzellen - Verheißung für die Biomedizin" war sein 1-seitiges Plädoyer für Gentech ohne Wenn und Aber in der Faz  vom 29. März überschrieben. Embryonen zu menschlichen Ersatzteillagern umzufunktionen, damit deren Stammzellen Gewebe produzieren, das transplantiert werden kann, ohne Immun-Reaktionen hervorzurufen - das bereitet Winnacker keinerlei moralisches Kopfzerbrechen. Da das bundesdeutsche Embryonen-Schutzgesetz solcherlei verbietet, plädiert er für den Import von Embryo-Stammzellen. Nebenher initiiert die DFG unter seiner Ägide Forschungsprojekte zur Gewinnung von Stammzellen aus den Körpern von Erwachsenen. Die Fortschritte auf diesem Gebiet werden den von BAYER gegründeten "Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller" auch dazu bewogen haben, sich gegen den britischen Vorstoß zur Vernutzung embryonaler Stammzellen auszusprechen. Warum Frankenstein spielen, wenn ein anderer, auch höchst fragwürdiger Weg weniger Akzeptanz-Probleme bereitet?

Gentech senkt Pestizid-Verbrauch nicht
Durch gentechnisch manipulierte Pflanzen kann der Pestizid-Verbrauch in der Landwirtschaft nicht gesenkt werden. Das ergab eine Untersuchung des WORLD WILDLIFE FOUND (WWF) Kanada (siehe auch PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE).

EU-Zulassung für neues KOGENATE
BAYER hat eine EU-weite Zulassung für eine neue KOGENATE- Generation erhalten. Das gentechnisch erzeugte Präparat gegen die Bluter-Krankheit enthält im Gegensatz zu seinem Vorläufer kein menschliches Blutplasma mehr, was das Risiko einer Virus-Übertragung senkt. In den 80er Jahren hatten konventionell hergestellte Blut-Produkte von BAYER, die mit dem AIDS-Virus infiziert waren, zum Tod von über 10.000 Menschen geführt. Anders als der Konzern behauptet, ist aber auch durch Gentech-Blutplasma die Gefahr einer Ansteckung des Patienten nicht ausgeschlossen. Den in KOGENATE wirksamen Blutgerinnungsfaktor VIII produzieren nämlich gentechnisch modifizierte Hamsterzellen, die ebenfalls Krankheitserreger enthalten können. Gelangen diese in das Blutprodukt, besteht die Möglichkeit, dass sie den Patienten infizieren.

Gentech in der Tiermedizin
In Zukunft will BAYER statt auf konventionell hergestellte Impfstoffe mehr auf gentechnisch produzierte setzen (siehe auch IMPERIUM & WELTMARKT). Solch ein Gentech-Vakzin gegen die Schweinepest versagte bei Testreihen im letzten Jahr allerdings kläglich (Ticker 4/99). Trotz Doppelimpfung übertrugen Sauen die Krankheitserreger auf ihre Ferkel. Auch bei Mastschweinen verhinderte der BAYER-Stoff den Ausbruch von Infektionen nicht.

Leverkusen: mehr Biotech
Der BAYER-Konzern hat ein vitales Interesse daran, sich an seinen Standorten mit einem Ring von Biotech-Satelliten zu umgeben, um von deren Forschungsergebnissen zu profitieren. Darum ist er auch maßgeblich in die Planung des BioTec-Zentrum Leverkusen involviert (siehe auch STANDORTE & PRODUKTION).