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PROPAGANDA & MEDIEN
Propaganda-Dröhnung im "ChemiDrom" Das "ChemiDrom", zentrales
Propaganda-Vehikel der chemischen Industrie auf der Weltausstellung "Expo" in Hannover, verschränkt in seltener Einfalt den neuesten technologischen Schnickschnack wie Computer-Animationen, Video-Monitore,
künstlichen Regen und Duft-Effekte mit einer an Plattheit kaum zu überbietenden Huldigung der "segensreichen Chemie". Alle Unbill und Bedrohung, die den BesucherInnen auf der Reise durch das Leben, wie
BAYER & Co. es sehen, entgegenspringt, räumt der "Supermann Chemische Industrie" mit leichter Hand aus dem Weg. Bakterien greifen an, verängstigte Kinder weinen von den Video-Monitoren - aber da,
Rettung naht in Form von ASPIRIN & Co. Eine Großfamilie, die sich um eine einzige Reisschale gruppiert - kein schöner Anblick, den sich auch keiner mehr allzu lange zumuten muss: Es gibt ja jetzt die Gentechnik.
Und schon lachen die unschuldigen Kinderherzen wieder - von durchsichtigen Ballons herunter, die mit gentechnologisch verändertem Reis gefüllt sind. Dieses Schmierentheater verärgerte viele BesucherInnen. "Wie
man bloß so viel Geld für eine so platte 'Micky-Maus-Werbung' ausgeben könne", gab die Frankfurter Rundschau die Enttäuschung eines Mediziners aus Süddeutschland wieder und eine StudentInnen-Gruppe aus
Bielefeld kritisierte gegenüber der Zeitung: " 'Außer Gentechnik ist prima', ist da doch nichts gewesen". Nur einer fand alles prima, der BAYER-Chef und derzeitiger Vorsitzender des "Verbandes der
Chemischen Industrie" Manfred Schneider. Bei seinem Besuch auf der Expo nannte er das ChemiDrom einen "Meilenstein der Kommunikationsarbeit".
PR-Profi von BURSON-MARSTELLER BAYER stellt sich offenbar auf harte Zeiten ein. Die
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit verpflichtete für das Ressort "Presse und PR Inland" den 35-Jährigen Markus Pannenberg. Vorher war er bei der weltweit agierenden PR-Agentur BURSON-MARSTELLER beschäftigt.
Sie erlangte traurige Berühmtheit durch ihre Beratungstätigkeit für chilenische, argentinische und indonesische Diktatoren sowie für ihr Krisen-Management im Falle der Bhopal-Katastrophe, dem Exxon
Valdez-Tankerunglück und der Ölbohr-Plattform Brent Spar.
Bio-Gen-Tec Forum macht Gentec-PR BAYER gehörte zu den mehr als 100 Unternehmen,
die das Bio-Gen-Tec Forum in Köln nutzten, um für die umstrittene Risiko-Technologie die Werbetrommel zu rühren. Der NRW- Wirtschaftsminister Ernst Schwanhold unterstützte die Gentech-Küchen dabei tatkräftig. Er
pries die Biotechnologie als unverzichtbar für die Chemie- und Pharma-Industrie an. Überraschen konnte das nicht, denn es war ja die Landes-Initiative Bio-Gen-Tec NRW, die den Gen-Rummel veranstaltete. Von den
Gen-GAUs der letzten Zeit wie BAYERs Flop mit einem gentechnisch hergestellten Lungenkrebs-Präparat, den 15 Todesfällen durch ein Gentech-Mittel der Firma GENENTECH und der nach enttäuschenden Ergebnissen
abgebrochenen weltweit größten Gentherapie-Studie in Hamburg erfuhren die 1.500 BesucherInnen natürlich nichts.
Fotos, die nichts zeigen Im letzten Jahr riefen BAYER, AGFA und das Fotomagazin zu
einem Fotografie-Wettbewerb auf. Das Thema lautete: "Land(wirt)schaft - Natur mit System". Die holde Eintracht von Natur, Landwirtschaft und Chemie sollten die eingereichten Arbeiten beschwören. Und das
taten sie auch: "Von der fernöstlichen Reisbauern-Idylle mit Handarbeit bis zur grafischen Landschaftsauffassung mit Hopfenstangen und der Dokumentation von der Saat bis zur Ernte reichte die Bandbreite".
Nur von Pestizid-geschädigten LandwirtInnen, verseuchtem Grundwasser und reduzierter Artenvielfalt durch die Chemie-Gifte war weit und breit nichts zu sehen. Im Mai präsentierte BAYER die prämierten Bilder im
Monheimer Rathaus. Danach macht die Propaganda-Schau die Tour durch andere Standorte des Konzerns.
Diabetes-Medienpreis verliehen BAYER ist weltweit einer der größten Anbieter von
Blutzucker- Messgeräten. Um an die Zielgruppe der DiabetikerInnen heranzukommen - und nicht um sich "verantwortungsbewusst im Bereich Gesundheitsvorsorge" zu engagieren - , sponsort der Konzern die
"Deutsche Diabetes-Stiftung", baut Diabetes-Netzwerke mit auf und lanciert gemeinsam mit dem Gesundheitsmagazin Praxis, ÄrztInnen- und ApothekerInnen-Verbänden und Krankenkassen Aktionen wie "Messen
nach dem Essen". Auch bei der Verleihung des Medien-Preises für "vorbildliche Berichterstattung" zum Thema "Diabetes" mischte der Chemie-Multi wieder mit: BAYER-Vorstand Walter Wenniger saß
in der Jury.
Podiumsdiskussion zu "Diabetes" Auf dem Gebiet "Diabetes" sucht
BAYER mittels diverser Aktivitäten immer wieder die Nähe des "Deutschen Diabetiker Bunds", der ÄrztInnenschaft, der Krankenkassen und nicht zuletzt der PatientInnen. Diesem Zweck diente auch eine
Podiumsdiskussion zum Thema "Diabetiker-Betreuung im Brennpunkt", die der Leverkusener Chemie-Multi gemeinsam mit dem "Deutschen Diabetiker Bund" am 27. Mai in der Essener Gruga-Halle
veranstaltete. Dabei nutzte Jochen Buschmeyer von BAYER VITAL als Teilnehmer an der Rede-Runde die Gelegenheit, gegen die Gesundheitsreform im Allgemeinen und die Arzneimittel-Budgetierung im Besonderen zu wettern.
Diese verhindert seiner Meinung nach die Weitergabe therapeutischer Fortschritte an die PatientInnen, sprich die Vermarktung neuer Präparate. Neu ist an denen oftmals nur der exorbitant hohe Preis, während sich die
pharmazeutische Zusammensetzung nur minimal von älteren Produkten unterscheidet. Die Pharma-Köche ändern an der Rezeptur häufig gerade mal so viel, wie nötig ist, um Patentschutz zu erhalten und daraufhin das
Medikament teuer vermarkten zu können.
BAYER lockt ÄrztInnen Der Leverkusener Chemie-Multi lässt es sich einiges kosten,
die Ärzteschaft in seine Vermarktungsstrategien für neue Arzneimittel einzubeziehen. Er bietet den MedizinerInnen nicht nur "Fortbildungsseminare" in Ferien-Paradiesen an - bei freier Kost und Logis
natürlich - , sondern zahlt ihnen neuerdings auch noch eine Antrittsprämie von 250 Mark pro Tag.
Symposium zum Thema "Herz" Mitte Juni veranstaltete BAYER in Berlin ein
Symposium zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese zählen in den Industrie-Nationen zu den häufigsten Todes-Ursachen. Was David Ebsworth, der neue Pharma-Chef des Chemie-Multis, auf der Konferenz vollmundig als BAYERs
Strategien "für diese gewaltige medizinische Herausforderung" pries, nämlich die Präparate ADALAT, LIPOBAY, GLUCOBAY und ASPIRIN, erwies sich jedoch als zusammengestückeltes Pillen-Sammelsurium
zweifelhaften medizinischen Nutzens. Kalzium-Antagonisten wie ADALAT senken das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko nicht, sie können es nach nordamerikanischen Studien sogar noch erhöhen. Das Antidiabetikum
GLUCOBAY hat sich 1998 in der bislang größten Feldstudie zur Zuckerkrankheit als wirkungslos erwiesen (Ticker 1/99). Für ASPIRIN als ein Herz-Kreislauf-Krankheiten vorbeugendes Medikament zu werben, untersagte die
US-Aufsichtsbehörde "Federal Trade Commission" dem Pharma-Multi strikt. Und dass der Cholesterinsenker LIPOBAY die Blutgefäße stärkt und damit Arterienverkalkungen vorbeugen kann, haben bislang auch nur
von BAYER in Auftrag gegebene Studien herausgefunden.
Info-Event Fußpilz-Musical Jetzt ist auch der BAYER-Konzern in der Spaßgesellschaft
angekommen. Um JournalistInnen zu Promo-Artikeln über seine neue Fußpilz-Creme zu veranlassen, lud der Chemie-Multi Presse- VertreterInnen in das Theater-Haus der STELLA AG ein. Dort wurde ihnen ein Musical zum
Thema Fußpilz präsentiert. Anschließlich durfte noch ein Komiker muffige Scherze zum muffigen Anlass vortragen. Info-Events nennen sich solche Marketing-Veranstaltungen, die mittels mehr oder weniger
lustig-phantasievoller Einfälle die nüchternen Umsatz-Zahlen nach oben treiben sollen.
ASPIRIN-Werbung auf IC-Loks Erst wurde das zum Abriss freigegebene BAYER-Hochhaus
in einer ASPIRIN-Schachtel verwandelt, und jetzt dienen sieben Loks der auch nicht gerade als Zukunftsunternehmen geltenden DEUTSCHE BAHN AG als rollende ASPIRIN-Plakatwand. Zusätzlich soll elf Triebwagen das
BAYER-Kreuz "zieren". Ein schlechter Zug der BAHN AG, den Sprecher beider Firmen allerdings als innovative PR-Maßnahme priesen. Ob der Werbevertrag die BAHN AG auch bewogen hat, sich bei den
Zulassungsbehörden so vehement dafür einzusetzen, BAYERs Grundwasser-Verpester DIURON wieder als Mittel gegen das Unkraut auf den Gleisstrecken einsetzen zu dürfen?
SchülerInnen bei BAYER #1 Für die Materie "Chemie" zeigen SchülerInnen in
der Regel nur wenig Interesse. Warum sollten sie auch, begegnet ihnen Chemie im Alltag doch hauptsächlich als Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt. Um das Image des Fachs aufzupolieren, lockt BAYER deshalb regelmäßig
Schulklassen in die Werkslabore. Wenn die lieben Kleinen erst mal weg sind von der öden "Tafel-Chemie" und mittels praktischer Übungen wie "Textilien färben" Naturwissenschaften zum Anfassen
erleben, wird vielleicht ihre Begeisterung für Plaste & Elaste, Pillen und Pestizide geweckt - so das Kalkül des Konzerns. Bisher hat die Bauernfängerei allerdings nur wenig Erfolge zu verzeichnen.
SchülerInnen bei BAYER #2 BAYER & Co. zahlen trotz ständig höherer Gewinne
immer weniger Steuern. Die leeren Haushaltskassen zwingen die staatlichen Einrichtungen zu drastischen Spar-Maßnahmen. Deshalb kann sich kaum noch eine Schule ein ordentlich eingerichtetes Chemie-Labor leisten.
Diese Misere nutzt BAYER aus und lockt die Klassen in sein exquisites SchülerInnen-Labor. In dieser oft monatelang im Voraus ausgebuchten Einrichtung steht dann nur noch eins auf dem Lehrplan: Chemie nach BAYER-Art.
Bild macht BAYER-Werbung In ihrer Reihe "Meine Firma" widmete die
Bild-Zeitung dem Bitterfelder BAYER-Werk einen 1-seitigen Jubel-Artikel. Viele Arbeitsplätze, nette Chefs, zufriedene Angestellte, gute Produkte, moderne Fertigungsanlagen - so lautete das Urteil, das BAYERs
Presse-Abteilung den Journalisten in den Schreibblock diktierte. Über die bitteren Pillen aus Bitterfeld verloren diese ebenso wenig ein Wort wie über die vielen anderen Probleme im Konzern. Dass der Chemie-Multi
sich das Erschließen des billigen Arbeitskräfte-Reservoirs im Osten auch noch zu einem Drittel aus öffentlichen Mitteln finanzieren ließ, blieb ebenfalls unerwähnt.
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