SWB 03/00

WM 2006: Einheit von Wirtschaft,
Politik und Sport

Die Fußball-WM findet also wieder im reichen Europa statt, nun bereits zum zehnten Mal. Und was für ein Zufall: Deutschland ist nicht nur Ausrichter der Spiele, sondern zugleich die Heimat des Medien-Moguls Leo Kirch, der mehr als eine Milliarde Mark für die TV-Senderechte der nächsten beiden Weltmeisterschaften bezahlt hat. Kirch benötigt die Spiele, um seinem Bezahl-Sender Premiere World endlich zum Durchbruch zu verhelfen. Da können die sportbegeisterten Südafrikaner lange warten: so lange ihr Markt nicht die gleichen Werbeeinnahmen verspricht wie der europäische oder amerikanische, dürfen sie auch kein sportliches Großereignis ausrichten.

Die Degradierung des Fußballs zum reinen Image- und Standortfaktor dokumentiert auch das innige Verhältnis des DFB mit der Leverkusener Bayer AG. Das Unternehmen unterstützt die WM-Bewerbung, da es auf werbewirksame Spiele in der Leverkusener BayArena hofft - so kann man billig von den schmutzigen Seiten des Konzerns ablenken. Zwar entspricht das Leverkusener Stadion mit 22.500 Plätzen bei weitem nicht den FIFA-Regeln, die 40.000 Plätze vorschreiben. Dennoch gehört die BayArena zu den sicheren Kandidaten. DFB Generalsekretär Horst Schmidt bemüht sich intensiv, "dieses herrliche Stadion zu integrieren".

Helfend zur Hand geht bei diesen Bemühungen Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer der 100 prozentigen Konzerntochter Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH. Holzhäuser war vor seinem Engagement in Leverkusen Ligasekretär des DFB.

Rainer Calmund, der gemeinsam mit dem Sportbeauftragten der Bayer AG, Meinolf Sprink, zur DFB-Delegation in Zürich gehörte, spürte denn auch weiteren Rückenwind: "Als wir am Vorabend gemeinsam mit dem Bundeskanzler, Boris Becker, Jürgen Klinsmann und Claudia Schiffer zusammensaßen, habe ich zum ersten Mal diese Aufbruchstimmung gespürt. Da gab es eine Einheit zwischen Wirtschaft, Politik, Sport, Prominenz und auch den Medien." Mit anderen Worten: die totale Kommerzialisierung des Sports wird endlich nicht mehr von nörgelnden Journalisten behindert.
Philipp Mimkes