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Antibiotika-Verbot in der Tierzucht
Amerikanische Aufsichtsbehörde reagiert auf resistente Bakterien
von Philipp Mimkes
Die US-Regierung will die Verwendung von zwei Antibiotika in der Geflügelzucht verbieten. Nach Erkenntnis der Gesundheitsbehörde
Food and Drug Administration (FDA) entstehen durch die Verfütterung sogenannter Fluoquinolone resistente Keime, mit denen jährlich mehr als 10.000 Amerikaner infiziert werden. Fluoquinolone werden auch in der
Humanmedizin eingesetzt, unter anderem zur Behandlung von Magen- infektionen und bakteriellen Lungenentzündungen. Zum ersten Mal spricht damit die amerikanische Regierung ein Verbot aus, um der seit Jahren
beobachteten Resistenzbildung entgegenzutreten. Die Weltge- sundheitsorganisation WHO fordert seit Jahren entsprechende Schritte.
Nach Angaben der FDA sind Fluoquinolone eine "wichtige Ursache" für Infektionen mit Campylobacter Bakterien. Diese werden im wesentlichen durch den
Genuss von Hühnerfleisch übertragen. Rund 1,8 Millionen Erkrankungen durch Campylobacter treten jährlich allein in den USA auf, 190.000 Fälle werden mit Antibiotika behandelt. In 11.000 Fällen treten
Antibiotikaresistente Keime auf - eine Steigerung um 20% im Vergleich zum Vorjahr. Nach Berechnungen der FDA sind rund 5.000 Erkrankun- gen mit resistenten Bakterien auf den Einsatz von Fluoquinolonen in der
Hühnerzucht zurückzuführen. Für die Behandlung von Rindern bleibt der Stoff vorerst zugelassen.
Michael Jacobson, Präsident der Verbraucherorganisation Center for Science in the Public Interest: "Durch diese Entscheidung wird die Verbreitung von
Bakterien gestoppt, die auf wirkungsvolle Antibiotika nicht mehr reagieren. Ein guter Tag für die öffentliche Gesundheit." Die amerikanische Firma Abbott Laboratories kündigte umgehend an, ihr Produkt SaraFlox
aus dem Handel zu nehmen. Der Marktführer, das Leverkusener Unternehmen Bayer, kündigte hingegen Widerstand gegen die Entscheidung an - entweder durch gerichtliche Schritte oder eine Eingabe an die Regierung.
Hierdurch könnte das Verbot um mehrere Monate herausgezögert werden. Auch der US-Kongress muss das Gesetz noch bestätigen.
Bayer bietet Fluoquinolone seit 1986 unter dem Namen Ciprobay an. Seit Mitte der 90er Jahre wird die Substanzklasse unter dem Namen Baytril auch im
Veterinärbereich eingesetzt. In Deutschland ist Baytril seit 1995 zugelassen und wird hauptsächlich als Injektionspräparat für die Behandlung von Schweinen verwendet, als Fütterungsarznei wurde Baytril im
vergangenen Jahr nach Protesten wieder vom Markt genommen. Fast die Hälfte aller Antibiotika wird weltweit an Tiere verfüttert, in der EU sind dies allein 10.000 Tonnen jährlich.
Auch die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, der u.a. die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie und die
Deutsche Gesellschaft für Infektiologie angehören, spricht sich für ein Verbot aus. In einem gemeinsamen Aufruf heisst es: "Die Zunahme von Antibiotikaresistenzen bis hin zur kompletten Resistenz einzelner
Erregerstämme gegen alle verfügbaren Antibiotika stellt eine ernsthafte Gesundheitsgefahr dar. (...) Aufgrund dieser - von der Weltgesundheitsorganisation bestätigten - Gefahr muss die Verwendung von
Antibiotikaklassen, die in der Humanmedizin angewandt werden, als Futtermittelzusatzstoffe generell verboten werden."
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