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Bienentod durch Pestizide
Französische Imker protestieren vor Bayer-Werk
Über tausend Bienenzüchter aus ganz Frankreich demonstrierten in der vergangenen Woche vor einer Bayer-Fabrik in Cormery bei Tours. Hunderte Imker reisten mit
Traktoren an und stellten vor dem Werk leere Bienenstöcke auf. Auf Transparenten hieß es "Stoppt die Vergiftung unserer Bienen" und "Bayer macht uns wütend".
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Hintergrund der Aktion: im Jahr 1994 brachte das Leverkusener Unternehmen das Saatgut- behandlungsmittel Gaucho auf den französi- schen Markt.
Innerhalb von kurzer Zeit wurde das Pestizid auf mehr als der Hälfte aller Sonnenblumen-Felder eingesetzt. Kurz darauf setzte das größte Bienensterben der letzten Jahrzehnte ein: 40% aller französischen
Bienenvölker starben. Auch in Spanien und Italien wurden Vergiftungen von Bienen beobachtet.
Philipe Gaye, Imker aus Südfrankreich: "Wir mussten 600 Kilometer zu dieser Protest- aktion fahren, aber wir sind sehr motiviert. Seit 5
Jahren leiden wir unter der Vergiftung unserer Bienen, immer zur Pflanzzeit der
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Sonnenblumen. Fast die Hälfte aller Tiere stirbt. Verantwortlich dafür ist Gaucho." Der Inhaltsstoff von Gaucho, Imidacloprid, ist ein sogenannter
systemischer Wirkstoff, der in alle Teile der behandelten Pflanze eindringt und dort über die gesamte Lebensdauer verbleibt. Schädlinge, die von der Pflanze fressen, werden vergiftet. Doch auch in die Pollen dringt
das Gift - eine tödliche Gefahr für die Bienen. Vor der Einführung von Gaucho erwirtschafteten die Imker rund 80% des Honigs auf Sonnenblumen-Feldern.
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Im Januar 1999 hatte der französische Umweltminister die Verwendung von Gaucho im Sonnenblumen-Anbau für die Dauer von zwei Jahren verboten. Da
die Konzerne einen Präzedenzfall fürchteten, klagte Bayer gemein- sam mit den sieben größten Saatgut-Anbie- tern, darunter das US-Unternehmen Monsanto, gegen das Verbot, scheiterte jedoch vor dem
Obersten Gerichtshof. Allgemein wird davon ausgegangen, dass das zunächst vorläufige Gaucho-Verbot für Sonnenblumen dauerhaft bestehen bleibt. Weit größere Mengen des Wirkstoffs werden jedoch zur
Behandlung von Mais- und Getreide-Saatgut eingesetzt. Da sich der Wirkstoff im Boden noch nach zwei
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Jahren nachweisen lässt und da sich behandelte Mais-Pollen mehrere Kilometer ausbreiten können, gibt es kaum unbelastete Gebiete - das Bienensterben ging in
den letzten zwei Jahren daher kaum zurück.
Hohe Imidacloprid-Konzentrationen lassen sich auch in Tauben, Rebhühnern und Wildvögeln nachweisen. Die Bestände von Tauben und Rebhühner gehen im späten
Herbst, wenn Gaucho-behandelter Weizen gesäht wird, jeweils stark zurück. Dies führte Anfang des Jahres zu einem Verbot der Ausbringung von Gaucho auf freien Flächen in den Niederlanden. In der Schweiz wurde Gaucho
zeitweise auf Maisfeldern verboten. Die jetzt diskutierte Zulassung der französischen Aufsichtsbehörde ist besonders wichtig, da sie von zahlreichen afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern übernommen wird,
die keine eigenen Kontrollen durchführen.
Bereits am Tag vor der Demonstration am Bayer-Werk hatten die nationalen Imker-Verbände Kundgebungen in über 30 Städten abgehalten. Unterstützt wurden sie
dabei vom Verband der Französischen Agrargewerkschaften FNSEA, der sonst industriefreundliche Positionen vertritt, und von dessen radikaler Abspaltung Conféderation Paysanne. Imker und Bauern fordern das Verbot der
Bayer-Produkte Gaucho und Confidor sowie des chemisch verwandten Pestizids Cipronil von der französischen Firma Rhone Poulenc. Vertreter der Gewerkschaften verlangten zudem strengere Zulassungskriterien für neue
Pestizide sowie regelmäßige Untersuchungen der Umwelteinflüsse bereits zugelassener Stoffe.
Philipp Mimkes
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