SWB 04/00

Mehr als 120.000 Dollar für Bush

BAYER sponsort Republikaner-Wahlkampf

Bislang waren die Vereinigten Staaten für die Pharma-Riesen das Land mit den unbegrenzten Profit-Möglichkeiten. Das könnte sich unter einem Präsidenten Gore etwas ändern. Deshalb unterstützt BAYER den Gegenkandidaten George W. Bush mittels großzügiger Wahlkampf-Spenden.

Von Udo Hörster

"Es gibt eine direkte Verbindung zwischen den massiven Profiten der Arzneimittel-Industrie und der Tatsache, dass Amerikaner weltweit die höchsten Preise für Medikamente zahlen. Ich glaube, der Kongress sollte nicht die Erlöse der Pharma-Konzerne, sondern die Amerikaner schützen, die ausgenommen werden." So wie der Vermonter Kongress- Abgeordnete Bernhard Sanders denken immer mehr US-PolitikerInnen. Der Bundesstaat Maine hat seine BeamtInnen bereits ermächtigt, mit den Pharma-Multis niedrigere Arznei-Preise auszuhandeln und verfolgt unangemessene Kalkulationen als "profiteering" strafrechtlich. Mit Al Gore als Präsident könnten die goldenen Zeiten, die den Pillen-Produ- zenten neben hohen Gewinn-Spannen auch noch Steuer-Erleichterun- gen, beschleunigte Arznei-Zulassungsverfahren und eine Stärkung des Pharmazeutika-Patentrechts bescherten, noch ein wenig mehr an Glanz verlieren.

"Jeder weiß, dass wir als Unternehmen mit einem Präsidenten Bush viel glücklicher wären als mit einem Präsidenten Gore", bekundet deshalb Ronald Docksai, der stellvertretende Leiter von BAYERs Lobby-Büro in Washington. Um dem Glück ein wenig nachzuhelfen, übergab der Chemie-Konzern Bush nach einem Bericht des Handelsblatts bis August über 120.000 Dollar. In der heißen Phase des Wahlkampfs dürfte noch einmal so einiges dazugekommen sein. An die Demokraten gingen 40.000 Dollar - damit es sich auch in eventuell unglücklicheren Zeiten moderat weiterwirtschaften lässt. In den letzten fünf Jahren spendete BAYER US-PolitikerInnen 610.000 Dollar; von den Unternehmen mit Firmensitz in der Bundesrepublik machten nur DAIMLER-CHRYSLER und HEIDELBERGER ZEMENT mehr locker.

Die Lobbying-Aktivitäten von Docksai und seinen KollegInnen von PFIZER, GLAXO-WELLCOME & Co. stellen die aller anderen Industrie- zweige in den Schatten. Nur diejenigen der Versicherungen nicht. Sie bieten den Pharma-Firmen gehörig Paroli, da sie an niedrigen Arznei- mittelpreisen interessiert sind. So tobt hinter den Kulissen des publikumswirksamen TV-Duells zwischen den beiden Kandidaten Bush und Gore der Wettstreit Medikamenten-Multis vs. Versicherungsbranche. Für ihr Ziel, die freie Preis-(und Profit)gestaltung zu erhalten, gab das Joint Venture der 15 größten Pharma-Firmen 1999 ca. 60 Millionen Dollar aus. Ihre Kampagne wollte den US-BürgerInnen weiß machen, weniger Profite bedeute gleichzeitig weniger Geld für Forschung & Entwicklung und somit auch mehr unnötiges Leid durch Krankheiten. "Stört uns nicht bei unserem Job, Leben zu retten", lautete dabei der Rattenfänger-Slogan. Wie üblich scheuten die Manager in Samariter- Kostümen vor keinem schmutzigen Trick zurück. Sie präsentierten "Die Wissenschaft hat festgestellt ..."-Gefälligkeitsgutachten und gründeten als PatientInnen-Organisationen getarnte Pressure Groups. Eine davon, die "Citizens for Better Medicare", wütete mit einem 50 Millionen Dollar schwerem Werbe-Etat gegen festgesetzte Arzneimittel-Preise.

Im Vergleich zur 96er Wahl verdoppelte sich das Spenden-Aufkommen der Industrie auf den Betrag von 737 Millionen Dollar, ungefähr gleichmäßig auf beide Parteien verteilt. Wie die Entscheidung auch ausfallen mag, weder Demokraten noch Republikaner werden gegen ihre Geldgeber Politik machen. Und sollte ein Präsident Gore es im Gegensatz zu Clinton, dessen Gesundheitsreform kläglich scheiterte, wirklich schaffen, sein "Reförmchen" durchzubringen, so wird sie mit BAYER & Co. abgestimmt sein.