SWB 04/00 - Ticker

AKTION & KRITIK

Ergiebige CBG-Jahrestagung 2000
Die Jahrestagung der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) zum Thema "Die Welt als Beute - Global Player BAYER & Co." fand regen Zuspruch. Auch die CBG-Mitgliederversammlung war gut besucht. Dr. Fred Schmid vom Münchner INSTITUT FÜR SOZIAL- ÖKOLOGISCHE WIRTSCHAFTSFORSCHUNG eröffnete die Tagung mit einem Referat über die geänderten Konzern-Strategien im Zeichen der Globalisierung, wie sie die Konzentration auf Kerngeschäfte, Fusionen und verstärktes Engagement auf den Aktien- und Finanzmärkten darstellen. Jutta Sundermann von SHARE sprach über die immer dominanter werdende Rolle der Weltbörsen, die damit verbundenen Gefahren und die Tobin-Steuer - die Erhebung von Abgaben auf Börsen-Transaktionen - als eine Möglichkeit, dem Einhalt zu gebieten. Erik Wesselius vom Amsterdamer CORPORATE EUROPEAN OBSERVATORY berichtete über den Konzern-Einfluss auf EU-Ebene. Dass Widerstand gegen die Global Player auch global organisierbar ist, machte Hubert Ostendorf von der CBG am konkreten Fall BAYER deutlich. Mag Wompel stellte das Internet-Projekt LABOURNET GERMANY vor, das linke GewerkschaftlerInnen rund um den Globus vernetzt. Henry Mathews vom Dachverband der KRITISCHEN AKTIONÄRINNEN gab Einblick in die Praxis, Hauptversammlungen von Unternehmen als Forum für Konzern-Kritik zu nutzen. So traten die TeilnehmerInnen am Sonntag Nachmittag mit vielen neuen Informationen über die wachsende Macht der Konzerne, aber auch durch die Beispiele möglicher Gegenwehr ermutigt, die Heimreise an.

Erklärung zur "Standortsicherungsvereinbarung"
Oppositionelle Betriebsräte aus den BAYER-Werken in Brunsbüttel, Leverkusen, Uerdingen und Wuppertal, die der offiziellen Linie der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) kritisch gegenüberstehen, haben  in einer gemeinsame Erklärung die Ablehnung einer erneuten "Standortsicherungsvereinbarung" (siehe auch KAPITAL & ARBEIT) bekundet. Zum Abschluss heißt es in dem Papier: "Wir fordern die IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE und den Gesamtbetriebsrat der BAYER AG auf, keine weiteren Zugeständnisse, keine weiteren Flexibilisierungen und keinen weiteren Arbeitsplatz- und Ausbildungs-
stellenabbau zu vereinbaren."

DURCHSCHAUBARE protestierten
Am 28.9. protestierten die DIE KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN FÜR EINE DURCHSCHAUBARE BETRIEBSRATSARBEIT, eine alternative Gewerkschaftsgruppe im Leverkusener BAYER-Werk, vor dem BAYER-Kasino gegen den Abschluss einer erneuten Standort-
sicherungsvereinbarung (siehe auch KAPITAL & ARBEIT).

Proteste wg. Ausgliederungen
BAYERs Ankündigung, die Bereiche "Logistik" und "Wirtschafts-
betriebe" ausgliedern zu wollen (siehe auch KAPITAL & ARBEIT), hat massive Proteste hervorgerufen. MitarbeiterInnen der Wuppertaler Wirtschaftsbetriebe setzten einen Protestbrief auf und sammelten über 1.000 Unterschriften. Die unterschiedlichen Fraktionen im Betriebsrat überwanden politische Differenzen und führten Mitte Oktober eine gemeinsame Informationsveranstaltung durch. Nach einer Umfrage der DURCHSCHAUBAREN im Leverkusener Werk sind fast 100 % der Beschäftigten bereit, "gemeinsame, organisierte Gegenwehr" zu leisten, wie dem DURCHSCHAUBAREN-Sonderblatt zu entnehmen ist.

Kritik an HERMES-Bürgschaften
Der Handel mit Ländern, die nicht zu den Industrie-Nationen gehören und daher über weniger finanzielle Ressourcen verfügen, ist für BAYER & Co. kaum mit Risiken behaftet, denn es gibt ja die HERMES- Bürgschaften. Immer wenn ein Auftragnehmer zahlungsunfähig wird, übernimmt die bundeseigene HERMES KREDITVERSICHERUNG die Verbindlichkeiten, wenn es vorher eine entsprechende Vereinbarung gab. So flossen seit Gründung dieser Institution im Jahr 1949 mehr als 26 Milliarden Mark aus Steuermitteln in die Kassen bundesdeutscher Unternehmen. Der rot-grüne Koalitionsvertrag sah eigentlich eine HERMES-Reform "nach ökologischen, sozialen und entwicklungs-
verträglichen" Gesichtspunkten vor. Das steht jetzt aber nicht mehr zur Debatte. Barbara Unmüßig von der entwicklungspolitischen Initiative WEED kritisiert, dass im Auswärtigen Amt mit den Grünen Joschka Fischer und Ludger Volmer an der Spitze "niemand bereit ist, mit uns über konzeptionelle Überlegungen zum Thema HERMES zu reden".

Empörter Leserbrief
Ein im Leverkusener Anzeiger abgedruckter Leserbrief übt massive Kritik an der Geschäftspolitik von BAYER: "Wieder wird versucht, bei kleinen Einkommen im Betrieb den Rotstift anzusetzen, während im Bereich der Leitenden Angestellten die Gehaltsbestandteile weiter ausgebaut werden mit Aktienoptionen und geleasten Firmenwagen. Statt Wertschöpfung im Konzern erleben wir das Abschöpfen der tariflich Beschäftigten. Statt Innovation und Aufbruch regiert die Erbsenzählerei (...)".

Arbeitsrechtsverstöße in den USA
In den Vereinigten Staaten werden Arbeitsrechte in steigendem Maße missachtet. Zu diesem Schluss kommt der 217 Seiten starke Report "Unfair Advantage: Workers' Freedom of Association in the United States under international Human Right Standards", den die Organisation HUMAN RIGHT WATCH vorgelegt hat. Unternehmer schmeißen jährlich Tausende von Arbeitern raus, weil diese versuchen, in den Betrieben eine Gewerkschaftsgruppe aufzubauen, so die AutorInnen. Auch BAYER hat sich diese Praxis schon zu Eigen gemacht, wie die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) dokumentierte. HUMAN RIGHT WATCH fordert den Kongress auf, sich für eine Stärkung der Rechte von ArbeiterInnen und Angestellten einzusetzen und die Konvention der INTERNATIONAL LABOUR ORGANISATION (ILO) über die Ansprüche von abhängig Beschäftigten zu unterzeichnen.

Pestizide zurück an Absender
Afrikanischen Umwelt-AktivistInnen aus Mosambik gelang es, ein umstrittenes Projekt zur Entsorgung von 500 Tonnen Pestizid-Resten zu stoppen. Dänemark hatte ein Vorhaben, Pestizid-Rückstände in einer alten Zement-Fabrik zu verbrennen, gefördert und auch eine ca. 9 Million Dollar teure Begleitstudie finanziert. Die UmweltschützerInnen kritisierten die von der dänischen Firma MONBERG AND THORSON geleiteten Arbeiten wegen der mangelhaften Schutz-Vorrichtungen für die Beschäftigten, der risikoreichen Lagerung der oftmals beschädigten Fässer und Zwischenfällen wie dem Austritt einer großen schwarzen Giftwolke nach dem Ausfalls eines Elektrofilters. 200 Tonnen der Agrochemikalien an die Hersteller BAYER und ZENECA zurückzu-
schicken und den Rest einer Entsorgungsstation in Südafrika zu liefern, hätte mit 2,2 Millionen Dollar nur ungefähr ein Viertel der Studie gekostet, rechneten sie überzeugend vor.