SWB 04/00 - Ticker

GENE & KLONE

Dürftig: Kennzeichnungspflicht für Aromen
Die EU verabschiedete zwei ergänzende Bestimmungen zur Novel-Food-Verordnung. Eine davon schreibt auf dem Papier eine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch erzeugte Aromen und Zusatzstoffe vor, die bei der Herstellung von Lebensmitteln verwandt werden. Die BAYER-Tochter HAARMANN & REIMER ist weltweit einer der größten Anbieter dieser Substanzen. Die Hersteller müssen die Geschmacks- und Konservierungstoffe allerdings nur dann kennzeichnen, wenn die Gentech-Produkte sich von den konventionell fabrizierten unterscheiden. Eine dank umfangreicher Lobby-Arbeit von HAARMANN & REIMER und anderen Konzernen sehr weit auslegbare Bestimmung - so weit, dass 90 % der Gen-Aromen und -Zusatzstoffe nicht unter die neue Regelung fallen. Zudem verdächtigen Gentechnik-
KritikerInnen wie Helga E. Rommel vom Verein ELTERN FÜR UNBELASTETE NAHRUNG E.V. die Industrie, an Verfahren zum Aufreinigen zu arbeiten, um die Gentech-Spuren zu verwischen.

BAYER entwickelt "Functional Food"
ForscherInnen von BAYER arbeiten daran, Obst- und Gemüsearten mittels der Gentechnik so zu verändern, dass sie beispielsweise weniger Zucker und mehr Vitamine enthalten. Die Konzerne sehen im so genannten Functional Food einen wichtigen Zukunftsmarkt. Welche gesundheitlichen Risiken diese Produkte auf der Schwelle zwischen Lebensmittel und Arznei bergen, welche allergischen Reaktionen sie unter Umständen hervorrufen, interessiert sie dabei herzlich wenig. Die Welt am Sonntag brachte die Strategie BAYERs in Bezug auf die Gen-Nahrung schlüssig auf den Punkt: "Die Kunst der BAYER- Unternehmensführung besteht darin, den richtigen Zeitpunkt zu finden, an dem die Verbraucher ihre massiven Vorbehalte gegen den Verzehr gentechnisch veränderter Nahrungsmittel aufgeben. Wenn die Monheimer (Forschungsstätte von BAYER, SWB) zu spät kommen, hat sich die Konkurrenz die wichtigsten Patente gesichert. Kommen sie zu früh, verliert die Firma Geld."

Biotech-Kooperation mit GPC
BAYER hat mit der GPC BIOTECH AG einen Kooperationsvertrag geschlossen. Die Firma untersucht für den Chemie-Multi mit Hilfe der Gentechnik 50 Substanzen auf ihre Eignung als Antibiotika-Wirkstoffe. Den Markt dafür haben sich BAYER & Co. selbst geschaffen. Sie sorgten durch eine aggressive Antibiotika-Vermarktung für eine solch breite Anwendung der Mittel, dass immer mehr Krankheitserreger Resistenzen gegen ihre Wirkstoffe ausbildeten.

Wirkort-Suche mit ATUGEN
BAYER hat mit dem Berliner Biotech-Unternehmen ATUGEN AG einen Vertrag abgeschlossen. Darin ist vereinbart, dass ATUGEN von BAYER gelieferte Gen-Sequenzen und Zell-Linien nach Wirkorten für Medikamente absucht.

BAYER will Antikörper-Therapeutika
BAYER hat mit dem Biotech-Unternehmen MORPHOSYS einen Kooperationsvertrag zur gentechnischen Entwicklung von Antikörper-Therapeutika geschlossen. Die GenforscherInnen gewinnen Antikörper, indem sie Mäusen z. B. Krebszellen injizieren. Die von den Versuchstieren dann gebildeten Abwehrstoffe entnehmen sie und produzieren daraus mittels gentechnologischer Verfahren ein Antikörper-Therapeutikum. Abgesehen von der mit der Produktion der Antikörper verbundenen Tierquälerei ist auch der medizinische Nutzen derartiger Medikamente sehr umstritten. Die gentechnisch hergestellten Antikörper haben einen viel größeres Volumen als die menschlichen und erreichen deshalb den vorgesehenen Wirkort oft nicht. Auch erkennt das Immunsystem in vielen Fällen, dass es sich um einen körperfremden Stoff handelt und neutralisiert ihn. Ist die Konzentration des Gentech- Präparats sehr hoch, kann es sogar zu einem Zusammenbruch des menschlichen Abwehrsystems mit unabsehbaren Folgen kommen.

Plädoyer für Gentech-Landwirtschaft
BAYER ist nach einer Aussage von Jochen Wulff, dem Leiter der Pestizid-Sparte, jederzeit bereit, in das Geschäft mit gen-manipulierten Nutzpflanzen einzusteigen. Wulff hält den Schritt hin zur "Grünen Gentechnik" für unumgänglich, um das Problem des Welthungers zu lösen. Dieses Argumentes bedienten sich die Konzerne auch schon bei der Einführung der Pestizide - wie wenig stichhaltig es war, demonstrieren die Katastrophen-Bilder alljährlich aufs Neue. ExpertInnen erwarten durch die Gentech-Landwirtschaft  einen Armutsschub, da viele Kleinbauern sich die teuren Sorten nicht leisten können und so gezwungen sein werden, ihre Höfe zu verkaufen.