SWB 04/00 - Ticker

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

Pestizide verursachen Brustkrebs
Arbeiten Frauen in Berufen, wo sie viel mit Pestiziden in Berührung kommen, z. B. in der Landwirtschaft oder der Obst- und Gemüse- Industrie, so steigt ihr Brustkrebs-Risiko um das Dreifache. Dies ergab eine von Pierre R. Band und seinen MitarbeiterInnen im März-Heft der Fachzeitschrift Journal of Occupational and Environmental Medicine veröffentlichte Studie.

Kommen Pestizid-Menschenversuche?
BAYER & Co. erscheinen die Grenzwerte für Pestizide, die auf der Grundlage von Tierversuchen festgelegt worden sind, zu hoch. Deshalb drängen sie die Zulassungsbehörden, Daten auf der Basis von Menschenversuchen zuzulassen, wovon sie sich eine Absenkung der Richtgrößen erwarten. Ihr Druck hat die US-amerikanische Umweltbehörde EPA veranlasst, zu dieser Frage eine ExpertInnen- Kommission einzuberufen. Diese hat sich unter bestimmten Umständen für die Zulassung von Menschenversuchen ausgesprochen. Der wissenschaftliche Direktor der EPA, Steven Galston, zeigte sich von diesem Votum vorerst unbeeindruckt. Es gibt aber Anzeichen, dass die EPA ihre Politik ändert. So lagen schon der Entscheidung, in das Gesetz zur Lebensmittelsicherheit einen speziellen Pestizid-Grenzwert für Kinder einzubeziehen, Daten aus Untersuchungen an Menschen zugrunde.

Codex gegen Pestizid-Grenzwerte
Der Codex Alimentarius ist ein internationales Gremium, das sich unter anderem mit Fragen der Lebensmittelsicherheit beschäftigt. Auf der Mai-Tagung in Den Haag haben sich dort wieder einmal die Industrie- Interessen durchgesetzt. Der Codex lehnte es ab, einen Grenzwert für Rückstände des Pestizid-Wirkstoffes Toxaphen in Fisch festzulegen. Das PESTIZID-AKTIONS-NETZWERK (PAN) hatte in Kooperation mit dem Bundesgesundheitsamt einen entsprechenden Vorschlag ausgearbeitet, der von vielen Initiativen, unter anderem der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG), unterstützt worden war. Auch bei der zweiten PAN-Vorlage blieb die Kommission hart. Sie weigerte sich, den innerhalb der EU bereits geltenden Höchstmengenwert für Pestizide in Baby-Nahrung von 0,01 mg/kg zu übernehmen.

China geht gegen Organophosphate vor
Der steigende Pestizid-Gebrauch in China verursacht zunehmend Probleme. Ein Regierungsreport geht von jährlich 7.000 bis 10.000 Toten durch Vergiftungen aus. Deshalb unternimmt das Land erste Schritte gegen Organophosphat-Pestizide, die gefährlichste Art der Agrochemikalien. Der stellvertretende Landwirtschaftsminister Liu Jian kündigte an, keine neuen Ackergifte mit diesen Inhaltsstoffen mehr zuzulassen und plant zudem, die bestehende Produktion einzuschränken. Dies könnte auch die Pestizid-Joint Ventures betreffen, an denen BAYER in China beteiligt ist. Drei der fünf inkriminierten Organophosphat-Wirkstoffe - Methamidophos, Parathion und Parathion- methyl - stellen nämlich die Grundsubstanzen der BAYER-Produkte TAMARON, E 605 FORTE, ECOMBI und ME 605 SPRITZPULVER dar.

Anwendungsbeschränkung für RIDDER
Die amerikanische Umweltbehörde EPA hat eine Anwendungsbe-
schränkung für den Insektizid-Wirkstoff Chlorpyrifos erlassen. Er ist in mehreren BAYER-Produkten enthalten, unter anderem in dem Madenstreumittel RIDDER, dem Anti-Insektenmittel BLATTANEX und in dem Haushaltsschaben-Köder PROFICID. In Zukunft dürfen chlorpyrifos- haltige Insektizide weder im Haus- und Gartenbereich noch im Tomaten- Anbau verwendet werden, da der Wirkstoff Mensch, Tier und Umwelt zu stark gefährdet. Gegen diese Entscheidung sowie gegen das Gesetz zur Lebensmittelsicherheit (Food Quality Protection Act) laufen BAYER & Co. Sturm. Unlängst gelang es der Pestizid-Lobby, einen Gesetzes- Vorschlag in den Kongress einzubringen, der den vorsorglichen Gesundheitsschutz des Food Quality Protection Acts zur Makulatur machen würde.

DIURON-Problem in Kalifornien
Im Mai 2000 veröffentlichte das PESTICIDE ACTION NETWORK NORTH AMERICA (PANNA) "Hooked on Poison", einen Report über den Pestizid-Gebrauch in Kalifornien. Er weist einen erschreckenden Anstieg der in der Landwirtschaft zur Anwendung kommenden Chemikalien aus. Von 1991 bis 1998 erhöhte sich die Menge der ausgebrachten Ackergifte um 40 %. Auch die Konzentration der Wirkstoffe pro Quadratmeter Fläche nahm zu; sie erhöhte sich um 60 %. Eine wachsende Gefahr für das Grundwasser stellt für "Hooked on Poison" vor allem der vermehrte Einsatz von BAYERs berühmt- berüchtigtem DIURON dar.

Chlorpyrifos-Kombinationswirkungen
Wenn Mensch und Tier mehreren Pestiziden zugleich ausgesetzt sind, wächst die durch diese Mittel ausgelöste Gesundheitsgefahr exponentiell. Das stellte der Neurobiologie-Professor Mohammed Abou-Dania fest, der an der Duke University von North Carolina die Kombinationswirkungen der Insektizid-Wirkstoffe Permethrin, DEED und Chlorpyrifos untersuchte. DEED ist Wirkstoff von BAYERs Anti- Insektenmittel AUTAN; Chlorpyrifos findet sich in BAYERs Madenstreumittel RIDDER, in dem Haushaltsinsektizid BLATTANEX und in dem Haushaltsschaben-Köder PROFICID. Die geballte Ladung Chemie setzt den Körper so unter Stress, dass die Blut-Gehirn- Schranke ihre Schutzfunktion nicht mehr in ausreichendem Maße erfüllen kann und es Giftstoffen so möglich ist, bis ins Gehirn vorzudringen. Darüber hinaus überfordert sie die im Körper für die Entgiftung zuständigen Eiweiße. Schon ein Gift bindet die gesamte Abwehrkraft, mehreren zugleich ist sie nicht gewachsen. Zudem erweist sich Gewebe, das bereits durch eine toxische Substanz gereizt ist, als durchlässiger auch für andere chemikalische Stoffe. 

Pestizide schon in Baby-Körpern
Australische und nordamerikanische WissenschaftlerInnen untersuchten die ersten Stuhl-Proben Neugeborener nach Pestizid-Rückständen und kamen zu alarmierenden Ergebnissen. In 78 % der Baby-Körper konnte Lindan nachgewiesen werden, Pentachlorphenol in 43 %, DDT in 52 % und PCB in 27 %. Chloryrifos, in den BAYER-Produkten RIDDER, BLATTANEX und PROFICID enthalten, fanden die ForscherInnen in 59 % der Kot-Abstriche.

Agrochemikalien in Armensiedlungen
In den Vereinigten Staaten haben sich die BewohnerInnen der Armen- Viertel gegen eine große Schadinsekten-Plage zu erwehren. Da die sozial Schwachen sich in der Regel weder einen Kammerjäger noch die neuesten Insektizide leisten können, greifen sie oft auf hochgiftige, eigentlich für den Einsatz in der Landwirtschaft bestimmte Pestizide zurück, die illegal angeboten werden. Unter den in den Siedlungen verkauften Mittel ist nach Angaben der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA auch das BAYER-Insektizid TEMPO, das eigentlich nur lizensierte Kammerjäger anwenden dürfen. Einfach in Hauseingänge oder Keller versprüht, setzt das Puder Kinder einer Giftdosis aus, die um das 400fache über dem noch zulässigen Grenzwert liegt. Darüber hinaus maßen die EPA-BeamtInnen in den Häusern auch Rückstände des Organophosphat-Wirkstoffes Parathion-methyl, Grundsubstanz von BAYERs ME 605 SPRITZPULVER.

AUTAN mit neuem Wirkstoff
BAYER hat für das Anti-Insektenmittel AUTAN einen neuen Wirkstoff mit Namen Bayrepel entwickelt. Um den Absatz des Produkts zu fördern, zeichnete der Chemie-Multi in seiner Propaganda-Postille direkt gleich ein Insekten-Horrorszenario, das Angst vor einer zunehmenden Parasiten-Plage und "gefährlichen Blutsaugern" schürt. Wirklich gefährlich sind dagegen die Inhaltsstoffe der Insektizide. Sie können unter anderem das Nervensystem schädigen sowie Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen hervorrufen.

Immer mehr Resistenzen
Die rücksichtslose Ausbringung ständig steigender Pestizid-Mengen auf den Äckern fordert ihren Tribut: Immer mehr Schadinsekten und "Unkräuter" bilden gegen die Chemischen Keulen Resistenzen aus. So kann der Herbizid-Wirkstoff Metribuzin, Grundsubstanz von BAYERs vornehmlich im Kartoffel- und Maisanbau zur Anwendung kommendem SENCOR WG, seit kurzem nichts mehr gegen Melde und Nachtschatten- Gewächse ausrichten.

BAYER entwickelt Kastanien-Pestizid
Auf der Suche nach neuen lukrativen Anwendungsgebieten für Pestizide ist BAYER jetzt auf Kastanien gekommen. Ihnen setzt angeblich die Miniermotte und Pilzbefall zu. Da ein Besprühen der Bäume nicht in Frage kommt, wollen die Konzern-ForscherInnen das Gift über den Boden oder spezielle Nägel einwirken lassen. Sollte das Mittel eine Markt-Zulassung erhalten, so wäre mensch nicht einmal mehr in Städten vor den gefährlichen Pestiziden sicher.

Neue Pestizide
Auf der Garten-Fachmesse "gafa 2000" hat BAYER eine Reihe neuer oder veränderter Pestizide vorgestellt. Dazu zählten unter anderem das Anti-Pilzmittel TELDOR in anderer Zusammensetzung, die mittels biotechnologischer Verfahren entwickelte APPEAL LOCKSTOFF- FALLE gegen die Apfelwickler-Made und das "biologische" Insektizid XEN TARI. Es enthält eine spezielle Bazillus-Art, die Raupen abtötet. So ungefährlich, wie das Adjektiv "biologisch" suggeriert, ist das Mittel allerdings nicht. BAYERs Produkt-Liste bezeichnet es als augenreizend und warnt vor einem unnötigen Kontakt mit dem Mittel, da dieser zu Gesundheitsschäden führen könne. Auch für die Umwelt stellt es eine Gefahr dar. Nicht einmal Reste davon dürfen in die Gewässer gelangen.

Markt für Non-Agrochemikalien wächst
Der Markt für Pestizide, die nicht für die Landwirtschaft bestimmt sind, wächst stetig. Allein in den USA beläuft sich der Umsatz mit Haushaltsinsektiziden und Garten-Giften auf über eine Milliarde Dollar. Während Konkurrenten wie MONSANTO ihre Non-Agrochemikalien abgestoßen haben, investiert BAYER immer stärker in dieses Segment. Jüngst kaufte der Konzern die "Haus und Garten"-Sparte des schwedischen Unternehmens PLANFER auf und gründete ein Joint Venture mit einer US-Firma.