SWB 04/00 - Ticker

POLITIK & EINFLUSS

UNO wird Spielball der Global Player
Frustriert über den mangelhaften Willen der Staaten, die UNO zu finanzieren sowie ihr bei ihren sozialen und ökologischen Projekten zu assistieren, wandte sich der UN-Generalsekretär Kofi Annan gleich an die eigentlichen Machthaber: die großen Konzerne. Mit BAYER, DAIMLER/CHRYSLER, SHELL und 47 anderen Global Playern unterzeichnete er Ende Juli in New York eine Vereinbarung zur Umsetzung internationaler Menschenrechts-, Sozial- und Umweltstandards. Im Gegenzug berechtigt die Unterschrift BAYER & Co., mit dem UN-Emblem für Konzern-Produkte zu werben. Darüber hinaus sicherte Kofi Annan den Multis Unterstützung bei ihrer Forderung nach einer weiteren Liberalisierung des Welthandels zu. Kein schlechter Deal, denn eine Institution zur Überprüfung des Vereinbarten ist nicht vorgesehen. Da die Unternehmen schon die mit ihrer Zustimmung verabschiedeten Arbeits- und Sozialnormen der UN-Institution INTERNATION LABOUR ORGANISATION (ILO) nicht umgesetzt haben, wird es auch diesmal bei der Absichtserklärung bleiben. Nichtstaatliche Nicht-Regierungsorganisationen kommentierten Annans Vorgehen als "Ausverkauf der UNO an Big Business".

Interessen-Konflikte bei der FDA
Mehr als die Hälfte der ExpertInnen, die die US-amerikanische Aufsichtsbehörde "Food and Drug Administration" in Fragen der Ausarbeitung von Medikamenten-Prüfungen oder der Arzneimittel- Sicherheit beraten, hat finanzielle Beziehungen zur Pharma-Industrie. Dies deckte die Zeitung USA Today Ende September auf.

Schneider geehrt
BAYER-Chef Manfred Schneider hat für seinen "herausragenden Beitrag zur Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehung" den "Vernon A. Walters Award" erhalten, den das Amonk Institute und die "Atlantik-Brücke" gemeinsam verleihen. Von einer illustren Gesellschaft ist Schneider da ausgezeichnet worden, denn eines der rührigsten Mitglieder der "Atlantik-Brücke" ist Walter Leisler Kiep, der durchtriebene Schwarzgeld-Experte der CDU.

Vesper bei BAYER #1
In Nordrhein-Westfalen fand die Eröffnungsveranstaltung des "Tages des offenen Denkmals" auf dem Leverkusener BAYER-Gelände statt. "Zunächst einmal wollten wir herausstellen, dass es in NRW auch außerhalb von Zeche und Bergbau Industrie-Denkmäler gibt", begründete der NRW-Kulturminister Michael Vesper von den Grünen in seiner Auftakt-Rede die Wahl. Desweiteren schwadronierte er über Tradition und Moderne und betonte den Kontrast zwischen dem 1912 errichteten Verwaltungsgebäude des Chemie-Multis in seiner barocken Herrschaftsarchitektur und der Konzern-Zentrale, die gerade hochgezogen wird. So sehr unterscheiden sie sich freilich gar nicht. Beide Bauten sind nämlich architektonischer Ausdruck von BAYERs imperialem Machtanspruch.

Vesper bei BAYER #2
An der Eröffnungsveranstaltung der neuen Spielzeit mit Klassischer Musik im Leverkusener BAYKOMM nahm auch der grüne Kulturminister Michael Vesper teil. Zweiter prominenter Gast war Dr. Gérald Mortier, der Leiter der Salzburger Festspiele. Er wetterte in seiner Rede gegen die Spaßgesellschaft. Kultur sei vielmehr immer politisch im Sinne von Engagement in der Gesellschaft, so Mortier. Was der Chemie-Multi von engagierter Kultur hält, wenn der Konzern selbst im Mittelpunkt von deren Kritik steht, machte er mit seinem gerichtlichen Vorgehen gegen Klas Ewert Everwyns Buch "Der Dormagener Störfall" deutlich.