SWB 04/00 - Ticker

PROPAGANDA & MEDIEN

Pestizid-PR bei Feldversuchstagen
Im Osten der Bundesrepublik veranstaltete der BAYER-Konzern Feldversuchstage, um den Absatz seiner Pestizide in der Region zu fördern. In Nöbdenitz fanden sich am 6. Juni 600 BesucherInnen ein; in Raden 9 Tage später ungefähr die Hälfte. Auf den Versuchsfeldern versuchte der Chemie-Multi den konkreten Beweis zu erbringen, dass seine Produkte massive Vorteile gegenüber denen der Konkurrenz haben und ein Verzicht auf Ackergifte große Ertragseinbußen zur Folge hat. Von der Wirkung der Pestizide, die nicht zu sehen und deshalb umso gefährlicher ist, war nicht die Rede: der Vergiftung des Trinkwassers, der Gefährdung der Nahrungsmittelsicherheit und der Reduzierung der Artenvielfalt.

Propaganda-Preis für BAYER
Die Kampagne des Leverkusener Chemie-Multis zum 100. Geburtstag von ASPIRIN, in deren Mittelpunkt die Verwandlung der Konzern-Zentrale in eine überdimensionale Medikamenten-Packung stand, war offenbar erfolgreich. Sie brachte ca. 650 Millionen Erwähnungen in Presse, Funk und TV oder "Medienkontakte", wie es in der Werbe-Fachsprache heißt, ein. Sogar US-amerikanische Nachrichten-Sender berichteten. Für diese reife Propaganda-Leistung wurde der Konzern von der "Deutschen Public Relations-Gesellschaft" jetzt mit der "Goldenen Brücke" ausgezeichnet.

Keine Infos am "Info-Tag"
Am 9. Juli lud BAYER zum "Info-Tag" nach Leverkusen. Die BesucherInnen konnten die alte Konzern-Zentrale besichtigen und eine halbstündige Rundfahrt über das Firmen-Gelände mitmachen. Auf dieser Tour erläuterten PR-Angestellte das Chemie"park"-Konzept und nahmen zu Sicherheitsfragen Stellung. "Alles kein Problem - BAYER hat alles im Griff" werden die TeilnehmerInnen dabei sicherlich zu hören bekommen haben - und wurden schon bald eines Besseren belehrt: Einen Monat später explodierte in einer Leverkusener Produktionsanlage ein Kessel. Nitrose-Gase traten aus und elf MitarbeiterInnen mussten sich in ärztliche Behandlung begeben (siehe Ticker 3/00).

Gentech-Vortrag im "BayTreff"
Im Krefelder "BayTreff" hielt Andreas Jungbluth von BAYERs "BioGeneCommunications"-Abteilung vor einigen hundert GymnasiastInnen einen Experimental-Vortrag zur Gentechnik. Jungbluth weiß, wie man die umstrittene Risiko-Technologie verkauft. Als Projektleiter bestimmte er den didaktischen Kurs des Biotech-Mobils, das 1999 auf seiner Propaganda-Tour bundesdeutsche Schulhöfe unsicher machte. Biotechnologie sei etwas ganz Alltägliches, behauptete er frech, sie komme bei der Produktion von Bier, Käse und Wurst zur Anwendung und begleite das Menschengeschlecht schon seit 6.000 Jahren. Das sollte sie den SchülerInnen heimelig erscheinen lassen, von geklonten und transgenen Tieren oder anderem ganz normalen Wahnsinn aus den Gen-Labors von BAYER & Co. sprach er dagegen nicht. Auch zum Thema "Ethik" gab es nur Allgemeinplätze zu hören. So konnte sich das Auditorium nur einmal ein realistisches Bild von den Tücken der "Zukunftstechnologie" machen - als es Jungbluth trotz eifriger Bemühungen nicht gelang, DNA aus einer zerquetschten Banane zu isolieren.

GrundschülerInnen bei BAYER
Nicht einmal die Kleinsten sind vor dem Chemie-Multi sicher. Die Reihe "Kinder entdecken die Welt der Chemie" lockte während der Sommerferien GrundschülerInnen mit einem geschickt auf diese Zielgruppe abgestimmtem Propaganda-Programm ins Leverkusener Veranstaltungszentrum "BayKomm". Der Konzern setzte sich in dieser Märchenstunde als der gute Onkel BAYER in Szene, der den Kunststoff fürs Spielzeug liefert und die Haustiere von lästigen Floh-Plagen befreit, hatte in Wirklichkeit aber mehr Ähnlichkeit mit dem Rattenfänger von Hameln.

Tage der Offenen Tür
Der BAYER-Konzern veranstaltete an seinen Standorten mal wieder Tage der Offenen Tür. Im Wuppertaler Pharma-Forschungszentrum standen neben Kinder-Belustigung, Internet-Surfen und Vorträgen auch Gentechnik-Versuche auf dem Programm. BAYERs Gen-Animateure hielten die BesucherInnen dazu an, selbstständig aus einer Zwiebel Gene zu isolieren. "Tag des Offenen Genoms" wäre also der bessere Titel des PR-Events gewesen, mit dem der Chemie-Multi "spielerisch" Bedenken gegen die umstrittene Risiko-Technologie aus dem Wege schaffen wollte.

Mediziner referierte über Cholesterin
Der Mediziner Dr. Michael Faust, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Köln, hielt im Dormagener Info-Center von BAYER einen Vortrag über Cholesterin. Dabei verwies er viele Behandlungsmöglich-
keiten ins Reich der Mythen, so eine bewusste Ernährung und das Sport treiben. Einer Therapie-Form bescheinigte der Referent allerdings Realitätstauglichkeit: Überraschend große Erfolge habe die Medizin jedoch mit Medikamenten erzielt, so Faust. Diese Aussage konnte angesichts des Ortes, an dem der Mediziner sprach, nicht weiter überraschen.

PR-Artikel zur "Schnecken-Plage"
"Schnecken im Garten - ein Thema, das schon so manchen zur Verzweiflung getrieben hat" - so beginnt ein von BAYERs PR-Abteilung erstellter Artikel, den mehrere Zeitungen nachgedruckt haben. Natürlich "besteht aber kein Grund, vor dem Problem zu kapitulieren". Denn es gibt ja das Schneckengift MESUROL aus dem Hause BAYER mit dem hochwirksamen Wirkstoff Methiocarb, das ExpertInnen als "hervorragend" bezeichnen. Die Zeitschrift Öko-Haus , Heft 3-5/00, ist da allerdings anderer Ansicht. Sie testete neun Anti-Schneckenmittel und gab dem Produkt des Leverkusener Chemie-Multis die schlechteste Note. Im Gegensatz zu anderen Molluskiziden, so der Fachausdruck, arbeitet es nämlich nicht mit umweltschonenden, harmlosen Wirkstoffen wie ätherischen Ölen und tötet außer Schnecken auch noch Regenwürmer, Bienen und Vögel.

"Gesundheitsmeile" in Dormagen
Ende September beteiligte BAYER sich am Dormagener Spätsommerfest. Auf der so genannten "Gesundheitsmeile" in der Nähe des Michaelismarktes machte die Diagnostika-Abteilung Reklame für ihre Geräte: Die DormagenerInnen konnten sich den Blutzucker, Blutdruck und Cholesterinspiegel messen lassen. Kinder köderte der Konzern mit Schmink-Aktionen, einem Luftballon-Wettbewerb und einer "Bambini-Tour" über das Werksgelände. Für Misstöne ganz anderer Art sorgte daneben noch die "BAYER Big-Band".

Chlor-Offensive
Offenbar hält BAYER die Zeit reif dafür, beim Thema "Chlor" in die Offensive zu gehen. Eine Ausstellung im Feierabend-Haus des Dormagener Werkes rührt die Werbetrommel für eines der gefährlichsten chemischen Elemente der Welt. Von der Giftigkeit der Pestizide auf Chlor-Basis ist darin ebenso wenig die Rede wie von der Eigenschaft chlorhaltiger Verbindungen, in der Umwelt nur äußerst schwer abbaubar zu sein. Auch den immensen Energie-Aufwand bei der Herstellung problematisiert die Ausstellung nur in unzureichendem Maße. Stattdessen stellt sie auf diejenigen Produkte ab, die den kleinsten Teil der Chlor-Verwertung ausmachen: Medikamente, Autoteile, Zelte und Surfbretter. Dies allerdings mit Bedacht: Als allgegenwärtig und unentbehrlich in unzähligen Alltagsgegenständen will der Konzern den Menschen die hochgiftige Chemikalie so näher bringen.

Parasiten-Ausstellung gesponsort
BAYER tritt als Sponsor der Ausstellung "Parasiten - Leben und leben lassen" auf, die das Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität Berlin noch bis zum März 2001 zeigt. Der Konzern will damit seine Beziehungen zur "Deutschen Gesellschaft für Parasitologie" und zur "Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin" weiter ausbauen, unter deren Schirmherrschaft die Schau steht. Ob dem Chemie-Multi die Ausrichtung von "Leben und leben lassen" gefällt, ist eine andere Frage. Die Ausstellung macht sich nämlich nicht den menschlichen Gesichtspunkt zu Eigen, der Bandwürmer, Leberegel, Filzläuse & Co. lediglich als Schädlinge sieht, sondern will dem/der BesucherIn auch "die faszinierende Welt der Parasiten" nahe bringen.

BAYER-Spenden an Krankenhäuser
BAYER spendete dem Uerdinger St. Joseph-Hospital 10.000 Mark. 821.000 Mark stellte der Konzern dem Leverkusener Klinikum für die Anschaffung neuer medizinischer Geräte zur Verfügung. "Aus sozialer Verantwortung für die Stadt", unterstrich der Werksleiter des Leverkusener BAYER-Werks, Ludwig Schmidt, bei der feierlichen Übergabe des Schecks, der den FotografInnen in medienwirksamen Großformat vor die Linse gehalten wurde. Neben der PR-Wirkung erwartet sich der Chemie-Multi von dieser "Großtat" natürlich auch positive Auswirkungen auf das Medikamenten-Geschäft mit den betreffenden Krankenhäusern.