SWB 01/01

Aktion zum "Day of No Pesticides" vor BAYER-Zentrale:

"Herr Schneider, halten Sie ihr Wort!"

Von Philipp Mimkes

Vor mehr als fünf Jahren verpflichtete sich das Leverkusener Unternehmen, hochgefährliche Pestizide vom Markt zu nehmen. Doch bis heute vertreibt BAYER Wirkstoffe, die die Weltgesundheitsorgani-
sation WHO als "extrem gefährlich" bezeichnet. 200 Organisationen aus 40 Ländern forderten den Konzern jetzt auf, sein Versprechen zu halten. Denn noch immer sterben Jahr für Jahr Zehntausende von Menschen an Pestizidvergiftungen - vor allem in den Ländern des Südens.

Vor der Zentrale der BAYER AG in Leverkusen demonstrierten daher am 1. Dezember Mitglieder des PESTIZID AKTIONS-NETZWERK, der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN und des WORLD WILDLIFE FUND (WWF) für einen Verkaufsstopp hochgefährlicher Pestizide. Die UmweltaktivistInnen trugen Skelettanzüge mit Spritz-
pistolen und hatten ein symbolisches Gräberfeld aufgebaut, um auf die Vielzahl tödlicher Pestizidvergiftungen in aller Welt hinzuweisen.
Ein martialisches Aufgebot - mehr als 100 Polizisten und Sicherheits-
kräfte, darunter eine schwer bewaffnete Polizeieinheit - schützte das Werk vor den mit Transparenten und Flugblättern ausgerüsteten DemonstrantInnen.

Die BAYER AG hatte vor fünf Jahren angekündigt, hochgiftige Pestizide weltweit vom Markt zu nehmen, dieses Versprechen jedoch bis heute nicht umgesetzt. Die Umweltverbände übergaben daher einen Offenen Brief, den über 200 Organisationen aus 40 Ländern, darunter der große amerikanische Umweltverband FRIENDS OF THE EARTH, unterstützten. Das gemeinsame Schreiben benennt acht Wirkstoffe, die von BAYER vertrieben werden und die von der Weltgesundheitsorgani-
sation WHO als "extrem gefährlich" oder "hoch gefährlich" klassifiziert werden, und fordert einen sofortigen Verkaufs-Stopp. Einige der Wirkstoffe stehen zudem unter Verdacht, hormonell wirksam zu sein.

Die gemeinsame Aktion fand im Rahmen des internationalen Day of No Pesticides statt. Er erinnert jeweils am Jahrestag der Explosion einer Agrochemie-Anlage im indischen Bhopal, an deren Folgen bis heute über 10.000 Menschen starben, daran, dass Jahr für Jahr Tausende von Menschen an Pestizidvergiftungen sterben und dass Agrochemikalien massive Umweltprobleme verursachen.

BAYER setzt jährlich über vier Milliarden Mark mit Pestiziden um und gehört damit weltweit zu den sechs größten Giftproduzenten. Im Geschäftsbericht des Unternehmens von 1995 hieß es: "Wir haben uns hinsichtlich Forschung, Entwicklung und Vertrieb der Pflanzenschutz- Produkte klare Ziele für die kommenden fünf Jahre gesetzt, um wichtige Aspekte wie Umweltschutz und Produktsicherheit noch weiter voranzubringen. So werden wir (...) Produkte der WHO-Toxizitätsklasse I schrittweise durch Präparate mit geringerer Giftigkeit ersetzen."
Da BAYER-Sprecherin Annik Dollacker nicht in die Verlegenheit geraten wollte, vor dem Schild mit der Aufschrift "BAYER muss Wort halten, hochgiftige Pestizide weltweit vom Markt nehmen" fotografiert zu werden, fand die Übergabe des Briefes im Innern der Konzernzentrale statt.

In einer Stellungnahme gab das Unternehmen zu, Wirkstoffe der Gefahrenklasse I zu produzieren - dies lässt sich auch auf der BAYER-homepage nachlesen. Die Pestizide würden aber mit Stoffen geringerer Giftigkeit vermischt, so dass die verkauften Produkte insgesamt eine weniger starke Toxizität besäßen. Auf die hohe Zahl von Vergiftungen ging BAYER nicht ein. Zudem weigert sich der Konzern, Mengenangaben zur verkauften Wirkstoffen und Produkten zu machen.

Extrem giftige Wirkstoffe wie Fenamiphos, Parathion und Disulfoton, die beim Anbau von Bananen, Kaffee und Reis eingesetzt werden und die schon in kleinsten Mengen zu schweren Vergiftungserscheinungen bei dem/der AnwenderIn führen, erfordern für die Ausbringung eine intensive Schulung sowie eine Schutzausrüstung für den ganzen Körper. Beides ist in so genannten Entwicklungsländern meist nicht bezahlbar, aufgrund des heißen Klimas können Vollgummianzüge zudem kaum getragen werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von jährlich mindestens drei Millionen Vergiftungen durch Agrochemikalien, von denen bis zu 200.000 tödlich verlaufen. Tödliche Vergiftungen durch BAYER-Pestizide wurden im vergangenen Jahr aus Brasilien, Peru und den Philippinen berichtet.