SWB 01/01

Schmutzige Geschäfte mit tödlichem Gift

Afrika - Müllhalde für BAYER-Pestizide

Von Uwe Friedrich

In Afrika tickt eine chemische Zeitbombe. BAYER & Co. missbrauchen den Kontinent als Endlagerstätte für ihre Alt-Pestizide. Die Anfang Dezember in Johannesburg/Südafrika unter großen Anstrengungen beschlossene POPs-Konvention fordert daher das Verbot von 12 langlebigen Giften – darunter 9 Pestiziden – durch die UNEP-Mitglieds-
staaten. Das international geächtete sogenannte “dreckige Dutzend” umfasst die Pestizide Aldrin, Chlordan, DDT, Dieldrin, Endrin, Heptachlor, Mirex und Toxaphen, die Industriechemikalien Hexachlorobenzol und PCB sowie die Ultragiftstoffgruppe der Dioxine und Furane.

Wie dramatisch die Situation ist, beweist die am 6. Dezember letzten Jahres von GREENPEACE veröffentlichte Studie “Dauergifte in Afrika”. Die GREENPEACE-RechercheurInnen entdeckten in 31 afrikanischen Ländern 400 Lagerstätten von Alt-Pestiziden. Insgesamt 50.000 Tonnen dieser Gifte gefährden und verseuchen das Grund- und Trinkwasser sowie landwirtschaftliche Bewässerungssysteme.

Die meisten der schwer abbaubaren Substanzen kommen aus den reichen OECD-Staaten, entweder als Giftmüll oder in Form von Pestiziden. In Afrika werden kaum Dauergifte produziert. Umweltverbände fordern deshalb schon länger: “Die UN-Konferenz muss die Pestizidfirmen verpflichten, ihre chemischen Zeitbomben zurückzu-
holen und zu entsorgen. Besonders der afrikanische Kontinent darf nicht zur Müllhalde der Industrieländer werden.”

Trotz der seit 1990 afrikaweit geltenden Bamako-Konvention gegen Giftmüllimporte kommen immer noch neue Lieferungen hinzu. So stapelten sich in der Provinz “South West” in Kamerun im Oktober frisch  importierte Pestizide, die teils bei den dortigen Bauern weder bekannt sind noch benötigt werden. “Sie wurden uns von ausländischen Anbietern aufgezwungen”, so der Lagerverwalter der Provinz.

Zu den für die Misere verantwortlichen Firmen, die über 90 Prozent des Pestizid-Weltmarktes beherrschen, gehört neben AMERICAN CYANAMID, BASF, CIBA GEIGY, DOW ELANCO und anderen vor allem der BAYER-Konzern.

Trotz Aufforderung durch die COORDINATION GEGEN BAYER- GEFAHREN, durch die KRITISCHEN AKTIONÄRE UND AKTIONÄRINNEN, den WWF Deutschland und das PESTIZID AKTIONS-NETZWERK (PAN), wie seit 1995 angekündigt sämtliche Alt-Pestizide der WHO-Gefahrenklassen I A (“extrem gefährlich”) und I B (“hoch gefährlich”) vom Markt zu nehmen, weigert sich BAYER beharrlich. Die vorliegende Studie weist nach, dass der Konzern noch in den Jahren von 1996 bis 1999 in mindestens 9 afrikanische Staaten international geächtete veraltete und hochgiftige Altstoffe exportiert hat.

Importland

Hersteller

Bemerkungen

Botswana

BAYER-RSA

Landesweit 426 Tonnen Altpestizide verschiedener Hersteller (Quelle: FAO, 1999)

Burkina Faso

BAYER

Landesweit 54 Tonnen Altpestizide verschiedener Hersteller an 11 Orten gelagert (Quelle: FAO, 1999)

Burundi

BAYER

Landesweit 57 Tonnen Altpestizide verschiedener Hersteller. Zwischen 1985 und 1997 importierte Burundi, eines der ärmsten afrikanischen Länder, allein etwa 14.000 Tonnen verschiedener Pestizide. Dies entspricht ca. 71 % der in ganz Afrika vermuteten Altbestände (Quelle: FAO, 1999)

Kamerun

BAYER

41 der 225 Tonnen Altpestizide, die an 7 verschiedenen Orten lagern, stammen von BAYER. Im November 1999 entdeckten MitarbeiterInnen der deutschen GTZ im Norden des Landes ein Altlager mit ca. 1.000 Litern Dieldrin. Der zuständige Lagerverwalter: “Diese Lagerbestände wurden uns von den ausländischen Firmen – hauptsächlich BAYER - aufgezwungen”.

Äthiopien

BAYER

Landesweit 1924 Tonnen Altpestizide verschiedener Hersteller an 38 Orten gelagert (Quelle: FAO, 1996/99). Bis 2000 war geplant, 1.500 Tonnen davon mit Hilfe der GCPF-Mitgliedsunternehmen, u.a. BAYER, zu entsorgen bzw. außer Landes zu bringen.

Seychellen

BAYER

12 Tonnen hauptsächlich BAYER-Altpestizide wurden mit Unterstützung der FAO auf der Hauptinsel Mahé “erfolgreich zerstört” (FAO, 1999)

Sierra Leone

BAYER

12 Tonnen landesweit an 5 Lagerstellen, u.a. von BAYER (Quelle: FAO, 1999)

Sudan

BAYER

1.097 Tonnen landesweit an 30 Lagerstellen, DDT, Lindan, Parathion, Toxaphen, u.a. von BAYER. Die FAO erwähnt zusätzlich 17.375 Tonnen aus BAYER-Beständen (FAO, 1999)

Togo

BAYER

143 Tonnen landesweit an 11 Lagerstellen, Dieldrin, Heptachlor, Lindan, Parathion, u.a. von BASF und BAYER (Quelle: FAO, 1999)