SWB 01/01 - Ticker

IMPERIUM & WELTMARKT

Banken konzipieren Strategie
InvestmentbankerInnen der CREDIT SUISSE FIRST BOSTON (CSFB) und der DEUTSCHEN BANK entwickeln für BAYER eine neue Unternehmensstrategie. Unmittelbar vor Bekanntmachung dieser Kooperation hatte es an der Börse Gerüchte gegeben, der Schweizer Pharma-Riese ROCHE plane eine feindliche Übernahme des Leverkusener Chemie-Multis. Einige BeobachterInnen vermuteten deshalb, die Bank-ExpertInnen sollten für das Unternehmen ein geeignetes Abwehr-Konzept ausarbeiten. Andere glaubten, die von den Börsen schon seit langem geforderte Zerschlagung des Misch-Konzerns in selbstständige Einheiten werde jetzt vorbereitet. BAYER dementierte beides und begründete den Beratungsbedarf mit dem für Juni/Juli geplanten Börsengang in den USA. Dafür sollten die BankerInnen nach Aussage von Vorstandsmitglied Frank Morich prüfen, "was man tun kann, um BAYER strategisch noch besser zu positionieren und damit die Bewertung des Konzerns speziell an der New Yorker Börse so gut als möglich zu gestalten." BAYER-Sprecher Michael Schade pflichtete ihm bei: "Es geht um den Shareholder Value."

Kapital will EU-Vorherrschaft
In den 70er Jahren haben die 12 größten französischen Konzerne noch mehr Umsatz als die 12 größten bundesdeutschen Unternehmen gemacht. Seit den 80er Jahren veränderte sich das Kräfteverhältnis jedoch stetig. 1999 schließlich machten BAYER & Co. 100 Prozent mehr Umsatz als die Multis auf der anderen Rheinseite. Auf dem EU-Gipfel von Nizza versuchte Schröder als Genosse der Bosse dann, diesen ökonomischen Machtzuwachs in Europa mit einem politischen zu unterfüttern. Er beanspruchte im Europäischen Ministerrat mehr Stimmen als Frankreich. Im Falle der gewonnenen Dominanz könnte dann die EU-Osterweiterung, die vor allem der bundesdeutschen Wirtschaft nutzt und gegen die andere Länder deshalb starke Vorbehalte haben, viel problemloser durchgesetzt werden, kalkulierte Schröder. Der BAYER-Konzern bezeichnete die Staaten Mittelosteuropas in seiner Publikation BAYER report 2/2000 als "Europäische Tigerländer mit gewaltigem Potenzial" und hat seinen Umsatz in der Region in den letzten vier Jahren um zwei Drittel auf 250 Mio. Euro gesteigert. In Nizza ist die Bundesregierung mit ihrem Bemühungen um die Vorherrschaft in Europa zwar gescheitert, aber sie wird das Ziel konsequent weiterverfolgen.

BAYER will AGFA-Aktien verkaufen
Der Leverkusener Chemie-Multi hält noch 30 Prozent des Aktien-Kapitals an seiner ehemaligen Tochtergesesellschaft AGFA. Jetzt kündigt der BAYER-Finanzvorstand Walter Wenning in einem dpa-Interview an, diesen Anteil noch in diesem Jahr verkaufen zu wollen. Eine entscheidende Rolle dürfte dabei der ab 2001 steuerfrei gestellte Gewinn aus dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen spielen. Als Bedingung nannte er einen Börsenwert des Papiers von mindestens 26 Euro, also vier Euro über dem Ausgabe-Preis. Der Erlös soll für Investitionen im Landwirtschafts- oder Gesundheitsbereich genutzt werden. Der AGFA-Chef Klaus Seeger hat Angst vor diesem Schritt. Er rechnet infolge des Verkaufs einer so großen Aktien-Menge trotz der von Wenning in Aussicht gestellten Abfederungsmaßnahmen mit einem Kursverlust. Um die Aktien-InhaberInnen nicht schon im Vorhinein zu verunsichern, enthielt sich Seeger der Presse gegenüber deshalb auch jeglichen Kommentars zu BAYERs Verkaufsabsicht.

Forschung mit POLYMER ENGENEERING
BAYER und das Rudolfstädter Unternehmen POLYMER ENGENEERING GmbH haben eine weitere Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kunststoff-Forschung vereinbart. Ein entsprechender Vertrag mit 7-jähriger Laufzeit wurde im Beisein des thüringischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU) unterzeichnet.

Ausbau der Kooperation mit LION
Für die Entwicklung einer Software zur beschleunigten Untersuchung von Chemikalien auf ihre Tauglichkeit zum Pharma- oder Pestizid-Wirkstoff zahlt BAYER dem Heidelberger Unternehmen LION BIOSCIENCE ca. 25 Millionen Dollar (siehe auch DRUGS & PILLS).

E-Business mit Lederwaren
Das Unternehmen VISTA hat für BAYERs Unternehmensabteilung "Leder" eine Business to Business-Plattform eingerichtet, die den Konzern-KundInnen laut medien aktuell "einen umfassenden B2B-Service rund um den Geschäftsbereich Leder bietet".

Fungizide von NOVARTIS gekauft
BAYER hat vom Schweizer Multi NOVARTIS für 800 Mio. Euro mehrere Pilzbekämpfungsmittel erworben. FLINT mit dem Wirkstoff Trifloxystrobin gehört zur Gruppe der Strobilurine. Es findet im Obst-, Gemüse- und Getreideanbau Verwendung. Eine Genehmigung für die Behandlung von Hopfen wurde für die Bundesrepublik gerade erteilt. Im Paket enthalten sind auch das ausschließlich für den Getreideanbau bestimmte Fungizid STRATEGO und das auf Cyproconazol-Basis hergestellte ALTO. "Der Leverkusener Konzern sieht sich mit dieser Aquisition wieder 'als Technologie-
führer im Fungizid-Markt', schrieb die Neue Zürcher Zeitung zu dem Deal. Die EU-Kartellbehörde hatte NOVARTIS den Verkauf dieser Sparte zur Bedingung gemacht, der Fusion mit ASTRAZENECA zu SYNGENTA zuzustimmen (siehe auch PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE).

BAYER baut mit DUPONT
Der Markt für den Kunststoff Polybutylenterephtalat (PBT) wächst jährlich um sieben bis neun Prozent. Deshalb haben BAYER und DUPONT den Bau einer Gemeinschaftsanlage zur Herstellung dieses technischen Polymeres beschlossen. Die Fertigungsstätte ist für eine Produktion von 80.000 Jahrestonnen ausgelegt. Der Deal mit DUPONT veranlasste den Chemie-Multi, aus dem Projekt, gemeinsam mit DSM und TICONA eine PBT-Fabrik zu bauen (siehe Ticker 3/00), auszusteigen.

Weltgrößter Biotech-Deal mit CURAGEN
BAYER hat mit dem US-amerikanischen Biotech-Unternehmen CURAGEN einen 1,3 Mrd. Dollar schweren Vertrag über die gemeinsame Erforschung, Entwicklung und Vermarktung von Wirkstoffen gegen Fettsucht und Altersdiabetes geschlossen (siehe auch GENE & KLONE).

Lizenz für Gentech-Mittel erworben
BAYER hat vom US-amerikanischen Biotech-Unternehmen AVIGEN INC. die Lizenz zur Vermarktung  des gentechnologisch hergestellten Präparats gegen die Bluterkrankheit Hämophilie B, COAGULIN-B, erhalten. Dafür beteiligt sich der Chemie-Multi mit 34,3 Mio. Mark an AVIGEN und finanziert die anfallenden Kosten für klinische Tests und die Produktion des Therapeutikums. Dafür muss der Konzern insgesamt eine Summe von ca. 60 Mio. Dollar aufwenden (siehe auch GENE & KLONE).

BAYER kauft SYBRON
Der Leverkusener Chemie-Multi hat das US-Unternehmen SYBRON erworben und baut damit seine Position in den Bereichen Lackrohstoffe und chemische Spezialprodukte weiter aus. Zudem erschließt sich der Konzern durch den Kauf den NAFTA-Raum als Absatzmarkt. Der Konzern zahlte den SYBRON-AktionärInnen pro Aktie 35 Dollar, so dass der Kaufpreis ca. 325 Millionen Dollar beträgt.

HC STARCK kauft CSM
Die BAYER-Tochter HC STARCK hat das US-Unternehmen CSM erworben. Die Firma stellt Produkte aus Wolfram, Molybdän und anderen Sondermetallen her. Sie finden hauptsächlich in der Mikroelektronik- und Telekommunikationsindustrie Verwendung. Und mit diesen boomenden Branchen will die Tochtergesellschaft von BAYER durch die Transaktion besser ins Geschäft kommen.

Teilerwerb von CYTECs Papier-Sparte
Der Leverkusener Chemie-Multi übernimmt für 90 Millionen Dollar einen Teil der Papierchemikalien-Sparte des US-Konzerns CYTEC INDUSTRIES INC. und erschließt sich so den Zugang zum nordamerikanischen Markt für Prozess-Chemikalien. Zu den erworbenen Produkten gehören hauptsächlich Leimungsmittel, Nassfest- und Trockenkleber.

US-Investition von HAARMANN & REIMER
Der Geschmacksstoff- und Aroma-Produzent HAARMANN & REIMER, eine 100-prozentige BAYER-Tochter, will 60 Mio. Dollar in den Ausbau seiner US-amerikanischen Produktionsanlage in Bushy Park, South Carolina stecken.

China-Investition von HAARMANN & REIMER
Für den Geschmacksstoff- und Aroma-Produzenten HAARMANN & REIMER (H & R), der zu BAYER gehört, stellt China einen riesigen Wachstumsmarkt dar. Während der durchschnittliche Deutsche acht Zahnpasta-Tuben pro Jahr verputze, sei es bei den Chinesen nur eine, weiß H & R-Chef Lambert Courth und sieht für das Unternehmen als weltgrößtem Produzenten von synthetischen Menthol deshalb gute Absatzchancen im Reich der Mitte. Diese Perspektive bewegt den Konzern dazu, binnen der nächsten drei Jahre 15 Mio. Euro in den Bau einer neuen, in Shanghai angesiedelten Produktionsanlage zu investieren.