SWB 01/01 - Ticker

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

BAYER Biotech-Vorreiter
Jochen Wulff, der Leiter von BAYERs Pestizid-Sparte, hat den Konzern als "den Vorreiter im Einsatz innovativer Technologien in den Pflanzenschutz-Forschung", sprich in der "grünen Gentechnik", bezeichnet. Die Gentech-Projekte im Segment "Agrochemikalien" haben ein Volumen von 200 Millionen Euro. Sie umfassen das mit EXELIXIS gegründete Joint Venture "GENMATERIAL" zur Entwicklung selektiv wirkender Antipilz-Mittel, die gemeinsam mit PARADIGMA GENETICS vorgenommene Entschlüssung der Erbinformationen von "Unkräutern" und die im Verbund mit LION BIOSCIENCE betriebene Forschung an einem gentechnologischen Mittel gegen den Maisbeulenbrand. Darüber hinaus hat sich BAYER in den USA an einem Kapitalfonds beteiligt, der junge Unternehmen der Agro-Gentech- Branche mit Finanzspritzen versorgt, mit der Aussicht, später deren Entwicklungen vermarkten zu können.

Umsatzplus bei Pestiziden
Das globale Agrochemie-Geschäft stagniert seit zwei Jahren. Trotzdem steigerte der Leverkusener Chemie-Multi 1999 seinen Umsatz in diesem Segment um 6,5 Prozent und kommt damit auf einen Marktanteil von 8,1 Prozent. Beim Insektizid-Verkauf liegt das Unternehmen ebenso auf Platz 2 wie beim Verkauf von Giften für Anwendungen im Haus- und Gartenbereich. In der Sparte "Saatgutbehandlungsmittel" beherrscht der Konzern den Markt unangefochten: Rund ein Drittel aller Produkte stammt von BAYER.

Konzentrationsprozess bei Agrochemikalien
Das Pestizid-Geschäft hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant verändert. Gab es Ende der 60er Jahre weltweit noch 40 Agrochemie- Hersteller, so schrumpfte ihre Anzahl bis zum Anfang der 90er Jahre auf ein Dutzend zusammen. Die dann einsetzende Fusionswelle ließ dann nur noch sieben den Sprung ins nächste Jahrtausend schaffen. Unter ihnen nimmt BAYER an Umsätzen gemessen die sechste Position ein.

Pestizid-Ausgliederung?
Im Oktober letzten Jahres kündigten NOVARTIS und ASTRAZENECA an, ihr Agrochemie-Joint Venture SYNGENTA an die Börse zu bringen. BAYER-Chef Manfred Schneider veranlasste das ebenfalls zu Ausgliederungsüberlegungen (siehe auch KAPITAL & ARBEIT).

Wulff gegen Pestizid-Richtlinie
Eine neue EU-Richtlinie schreibt die Überprüfung aller 800 Pestizid-Wirkstoffe vor. Da dies nach Angaben des Chefs von BAYERs Agrochemie-Sparte, Jochen Wulff, Forschungsanstrengungen "für die Erhaltung selbst solcher Wirkstoffe, die seit Jahren oder gar Jahrzehnten keine negativen Nebenwirkungen beim Einsatz zeigten" bedeute, wetterte er gegen die angeblich ständig zunehmenden Auflagen und Regulierungen. Der Chemie-Multi scheut die Mühe für einen verbesserten VerbraucherInnenschutz und verzichtet künftig lieber auf rund zwei Drittel seiner 60 Ackergift-Wirkstoffe. Die auf Basis dieser Substanzen entwickelten 100 Produkte sollen durch Neuentwicklungen ersetzt werden.

Verbrennung von Alt-Pestiziden
Schon vor drei Jahren berichtete der Journalist Ahmar Mustikhan über Gesundheitsgefahren durch Alt-Pestizide in Pakistan. Die in der Nähe der Provinzhauptstadt Peshawar gelegene Deponie, auf der allein 50 Tonnen des BAYER-Ackergifts GUSATHION lagerten, ließ die AnwohnerInnen immer wieder über Kopfschmerzen, Gestank und schlechte Wasser-Qualität klagen. In der Bundesrepublik machte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) den Fall publik. Die deutsche "Gesellschaft für technische Zusammenarbeit" (GTZ) sah schließlich Handlungsbedarf und nahm Kontakt zu dem Chemie-Multi auf. Der Konzern erklärte sich aber nur bereit, die chemischen Zeitbomben zurückzunehmen und ordnungsgemäß zu entsorgen, wenn die GTZ (also der/die SteuerzahlerIn) den Transport bezahlte. Endgültig endete der Müll-Tourismus erst im Dezember 2000: BAYER und die GTZ kündigten an, die Agrochemikalien zu einer speziellen Verbrennungsanlage nach England zu schaffen.

KEEPER und DIMANIN als Kombilösung
BAYERs Gift-Cocktail DIURON darf im Haus- und Garten-Bereich nicht mehr angewendet werden. Deshalb bietet der Konzern für dieses Markt-Segment jetzt die Kombination des Herbizids KEEPER mit dem Anti-Algenmittel DIMANIN SPEZIAL an. Sie sollen den Moos-, Unkraut- und Algenbefall von unversiegelt gelassenen Wegen und Plätzen rund um Haus, Garten und Garagen-Einfahrten stoppen. Glyphosate, der Inhaltsstoff von KEEPER, ist zwar weniger gefährlich als DIURON, verunreinigt aber auch die Oberflächengewässer und stellt so eine Gefahr für die Reinheit des Trinkwassers dar.

GAUCHO-Verbot verlängert
Der Protest der französischen ImkerInnen hatte Erfolg: Die Ausbringung des BAYER-Pestizids GAUCHO auf Sonnenblumen-Feldern bleibt für weitere zwei Jahre verboten. Dann wird nach der Auswertung neuerer Untersuchungen über das weitere Vorgehen entschieden. Die ImkerInnen, deren Bienenstöcke oft in der Nähe von Sonnenblumen- Feldern liegen, machen GAUCHO für das größte Bienensterben der vergangenen Jahrzehnte verantwortlich. 40 Prozent aller französischen Bienenvölker verendeten nach der Markt-Einführung der Agrochemikalie.