SWB 01/01 - Ticker

PROPAGANDA & MEDIEN

Anti-NGO-Strategie
Der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) wurde ein internes Papier zugespielt: BAYER und andere im Bundesverband der Deutschen Industrie organisierte Firmen wollen offensiver auf die Kritik von Nichtregierungsorganisationen (NGO) reagieren und verstärkt eigene Kampagnen durchführen. In dem Diskussionspapier "Nichtregierungsorganisationen - Herausforderung für die Wirtschaftsverbände" beklagt der BDI den großen Einfluss unabhängiger Organisationen auf die öffentliche Meinung und fordert eine verbesserte Außendarstellung der Unternehmensinteressen. Sorge bereitet den Industrielobbyisten, dass NGOs nicht nur die klassischen Problemfelder Umwelt und Menschenrechte beackern, sondern auch zu wirtschafts-
relevanten Themen wie Internationaler Handel, Produktionsbedingungen oder Auslandsinvestitionen Stellung beziehen. Der BDI hat daher eine Arbeitsgruppe gebildet, die Informationen über Mitgliedschaft, Finanzierung und innere Struktur der wichtigsten NGOs sammelt und Strategien im Umgang mit den unliebsamen KritikerInnen erstellt. Im Konfliktfall unterscheiden die ExpertInnen des BDI drei verschiedene Handlungsmuster: Nichtbeachtung, Dialog und Konfrontation. Dabei präferieren die Konzern-PropagandistInnen die Strategie des Dialogs mit NGOs, mit denen "Expertise abgeschöpft" und den KritikerInnen der Wind aus den Segeln genommen werden könne. So ließe sich "ohne Aufgabe des eigenen Standpunktes" das Potenzial der GegnerInnen abschätzen und Konfliktsituationen vermeiden. Die Ziele des Dialügs sind knallhart formuliert. Er bietet nach Meinung der  PR- StrategInnen "die Chance für verbesserte Interessendurchsetzung gegenüber der Politik und Imagegewinn in der Öffentlichkeit".

Trojanisches Pferd "Goldener Reis"
Der "Goldene Reis", der gentechnisch so verändert wurde, dass er Vitamin A enthält, soll angeblich die Gesundheitsprobleme von Menschen in der "Dritten Welt" lösen. In Wirklichkeit ist das Projekt aber nur eine PR-Maßnahme für die unter massiven Akzeptanz-Problemen leidende "grüne Gentechnik" . BAYER & Co. haben schon einmal versprochen, den Hunger in der "Dritten Welt" zu beenden: Als sie für den massenweisen Einsatz von Pestiziden auf Anbau-Feldern warben. Es ist bei dem Versprechen geblieben (siehe auch GENE & KLONE).

BAYER TV im Intranet
Der Leverkusener Chemie-Multi hat seine Ankündigung wahr gemacht und sendet im firmen-eigenen Intranet jetzt auch TV-Beiträge. Diese stellt die BAVARIA FILM INTERACTIVE her. Bisher wurden die MitarbeiterInnen unter anderem mit Beiträgen über die Einweihung des Wuppertaler Pharma-Zentrums, die Inbetriebnahme einer Therban- Anlage und die Olympiade in Sydney vollgedröhnt. Die Absicht, die hinter dem Intranet-Kanal BAYER News Channel steht, ist laut Redaktionsleiter Peter Heimerzheim, den Beschäftigten "Argumentationshilfen für Diskussionen im privaten Umfeld" zu liefern (siehe auch Ticker 2/00). Auch das Internet nutzt der Konzern mittlerweile TV-technisch. Er überträgt seine InvestorInnen-Konferenzen via World Wide Web.

BAYER prämiert Naturphotos
PR fügt zusammen, was nicht zusammengehört. Ausgerechnet BAYERs Pestizid-Abteilung, deren Geschäftsgrundlage eine umweltbelastende industrielle Landwirtschaft und eine rigorose Unterscheidung zwischen Nützlingen und Schädlingen ist, präsentiert zum wiederholten Male gemeinsam mit der Zeitschrift natur & kosmos die 85 schönsten Naturphotos der Welt. Auf den Arbeiten ist dann laut Bild "Naturidylle pur" fernab von Verwertungsinteressen zu bewundern: Ein Frosch, der sich unter einem Pilz vor einem Regenguss schützt oder Torfmoos bei trübem Abendlicht.

"Nachhaltiger" Dow Jones-Index
Bereits 1997 entwickelten die Großkonzerne die Strategie, den Begriff "Nachhaltige Entwicklung" in ihrem Sinne zu besetzen, um der Öffentlichkeit Umweltbewusstsein vorzugaukeln. Diese symbolische Politik führte jetzt zu der Einführung eines "Dow Jones Sustainability Group Index" (Sustainability = Nachhaltigkeit). In diesem Index werden diejenigen Unternehmen geführt, die sich, so die BAYER-Postille direkt, "in herausragender Weise um eine nachhaltige Unternehmensführung bemühen". Und wer tut das nach Meinung des PR-Blattes am herausragensten? Natürlich BAYER selbst. Der Chemie-Multi legt angeblich "eine im Vergleich zur direkten Konkurrenz überdurchschnittliche Performance im Nachhaltigen Wirtschaften" hin. Worin diese bestehen soll, ist in einem anderen Artikel zu lesen. Dort preist ein Konzern-Journalist allen Ernstes das Angebot der Pestizid-Abteilung als einen "Beitrag zur nachhaltigen Landwirtschaft".

MAKROLON-Kampagne
Die Etablierung eines Markennamens ist für den Absatz eines Produktes von entscheidender Bedeutung. Was BAYER in Bezug auf ASPIRIN gelang, versucht der Konzern jetzt auch für den Kunststoff MAKROLON zu erreichen. Eine groß angelegte Werbe-Kampagne soll auf das Plaste-Produkt als einen Bestandteil in Dingen des täglichen Gebrauchs wie CDs, DVDs, Handys und Mehrwegflaschen hinweisen und Chemie somit als einen unverzichtbaren Partner im Alltag darstellen. Damit das gelingt, muss die Propaganda natürlich verschweigen, dass MAKROLON Lösungsmittel und die gesundheitsgefährdende, hormonell wirkende Chemikalie Bisphenol A enthält, die in der Kritik zahlreicher ExpertInnen steht.

PR-Maßnahme für LEFAX
Für das Mitte letzten Jahres von SCHERING erworbene, rezeptfrei erhältliche Präparat LEFAX, ein Mittel gegen Blähungen und andere Verdauungsstörungen, hat BAYER passgenau zur großen Weihnachtsschlemmerei umfangreiche Werbe-Maßnahmen gestartet. Die Zeitungsredaktionen wurden mit mundgerecht dargebotenen Service-Artikeln bestückt, die "Tipps und Hilfe bei Folgen des opulenten Weihnachtsmahls" bereitzuhalten vorgaben, in Wirklichkeit aber nur eine gut getarnte LEFAX-Reklame waren.

Museum macht ASPIRIN-Reklame
Chemie - das sind nicht die Umweltgifte, die jeder Mensch einzuatmen gezwungen ist, Chemie - das sind vielmehr ganz alltägliche Prozesse im Körper. Dieses versucht jedenfalls die unter dem Motto "You are Chemistry" stehende Pharmazie-Ausstellung im Münchner Deutschen Museum den BesucherInnen weiß zu machen. Als wäre das nicht schon genug Verbeugung vor der Pharma-Industrie, die sicherlich auch als großzügiger Sponsor der Schau auftritt, funktionierten die MuseumsmacherInnen den Ort auch noch zu Arzneimittel-Schaufenstern um. Dem BAYER-"Tausendsassa" ASPIRIN ist ein prominenter Platz eingeräumt. Und die Verantwortlichen haben nicht einmal vergessen, die BAYER so kostbare - und alles andere als belegte - Information zu verbreiten, eine regelmäßige Einnahme des Mittels schütze vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Der Hinweis auf Risiken und Nebenwirkungen, die von Kopfschmerzen über Nierenschädigungen und Nasenbluten bis zum Tod reichen, fehlt selbstredend.