SWB 01/01 - Ticker

RECHT & UNBILLIG

BAYER wg. Vergiftung angeklagt
Die Schwiegermutter eines ehemaligen Mitarbeiters der BAYER-Tochter EC ERDÖLCHEMIE hat gegen die Geschäftsleitung Strafanzeige wegen wissentlicher Vergiftung gestellt. Sie hält es für erwiesen, dass die Chemikalien-Konzentration, der ihr Schwiegersohn am Arbeitsplatz ausgesetzt war, seinen frühen Tod mit 41 Jahren herbeigeführt hat. Sie stützt ihre Beschuldigungen unter anderem auf medizinische Untersuchungen, die der Neurologe Dr. Peter Binz durchgeführt hat. Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion angeordnet und Verantwortliche des Werkes befragt. Erfahrungen aus ähnlich gelagerten Fällen lassen aber kein Urteil gegen die Firmen-Bosse erwarten.

EU-Gerichtshof hebt Strafe auf
Spanische GesundheitspolitikerInnen haben Arzneipreise festgelegt, die deutlich unter denen in anderen europäischen Staaten erhobenen liegen, um eine kostengünstige Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten sicherzustellen. Die Pharma- GroßhändlerInnen des Landes profitierten davon und führten unter anderem BAYERs ADALAT zu günstigen Konditionen nach Großbritannien ein. Daraufhin belieferte der Leverkusener Chemie-Multi sie nur noch mit geringen Mengen. Die HändlerInnen klagten dagegen, und die EU-Kommission belegte den Konzern mit einer Strafe in Höhe von fast sechs Millionen Mark (siehe auch Ticker 2/00). Ende Oktober letzten Jahr hob der Europäische Gerichtshof dieses Urteil auf. Wenn sich der freie Markt zu Ungunsten der großen Unternehmen auswirkt, müssen diese vor ihm geschützt werden, meinten die Straßburger Richter offenbar. Die EU-Kommission erwägt nun, einen Einspruch gegen diese Entscheidung einzulegen. Sie werde in Europa auch künftig keinen fragmentierten Pharma-Markt dulden, erklärte ein Sprecher.