SWB 01/01 - Ticker

WASSER, BODEN & LUFT

Illegale Quecksilber-Einleitungen
BAYER hat Anfang 2000 unerlaubte Mengen Quecksilber in den Rhein eingeleitet. Während die gesetzlich vorgeschriebene Höchstgrenze bei einem Mikrogramm pro Liter liegt, wurde nach Angaben des VEREINS ZUM SCHUTZ DES RHEINS UND SEINER NEBENFLÜSSE im Abwasser des Dormagener BAYER-Werkes eine Konzentration von 30 Mikrogramm pro Liter gemessen. Die Umwelt-AktivistInnen haben sich sofort mit der Wasserschutz-Polizei in Verbindung gesetzt und Anzeige erstattet. Quecksilber zählt zu den gefährlichsten Substanzen überhaupt. Eine akute Quecksilber-Vergiftung verursacht Durchfälle, Flüssigkeitsverluste und - oft tödlich verlaufende - Nieren-Erkrankungen; eine chronische Kontamination wirkt sich schädigend auf das zentrale Nervensystem aus. Bereits 1998 überschritt die Quecksilber- Konzentration bei BAYER/Dormagen den zulässigen Wert.

Mehr CO2 durch mehr Billigstrom
Der Leverkusener Chemie-Multi gehört mit einem Strom-Verbrauch von jährlich sechs Terrawattstunden zu den größten industriellen Energie-Schluckern und passt seine Bedarfsdeckung immer mehr den Bedingungen der deregulierten Energie-Märkte an. Eigene Kraftwerke werden durch solche von RWE ersetzt, und statt Exklusiv-Verträge mit einem Anbieter zu schließen, sucht BAYER überall nach billigen Strom-
Schnäppchen. Im November hat er eine auf zwei Jahre befristete Vereinbarung mit der ENERGIE BADEN-WÜRTTEMBERG AG getroffen, die die Lieferung von 1,5 Mrd. Kilowatt-Stunden Strom für die Standorte Leverkusen, Uerdingen, Dormagen und Wuppertal umfasst. Kurzfristig benötigte Zusatz-Energie will das Unternehmen künftig auf der Leipziger Strombörse kaufen. Der Konzern kann so nicht nur seine Betriebskosten senken, die bei der Produktion des Fremdstroms angefallenen CO2-Emissionen brauchen auch nicht mehr in der eigenen Umweltbilanz aufzutauchen. Gut für BAYER, schlecht für die Ozonschicht: Denn je billiger die Energie ist, desto klimaschädigender wird sie produziert. Schon 1999 zahlten BAYER & Co. für die Kilowattstunde über zehn Prozent weniger als im vorangegangenen Jahr.

BAYER & Co. bedrohen Klima
Nach dem Bericht des "Zwischenstaatlichen Gremiums für Klimaveränderung" (ICCC) steigt die Temperatur auf dem Globus weit drastischer als erwartet. Als Folgen der Erwärmung nannten die WissenschaftlerInnen Überschwemmungen, das Ausbreiten von Infektionskrankheiten, Wüstenbildung, Wirbelstürme und das Aussterben von Pflanzen- und Tierarten. Die für dieses Katastrophen-Szenario verantwortlichen Industrie-Nationen tun nichts, diese Entwicklung aufzuhalten. Im November 2000 scheiterte die Den Haager Klima-Konferenz. In der Bundesrepublik stieg der Ausstoß des klimaschädigenden Kohlendioxids (CO2) im letzten Jahr um neun Millionen Tonnen. Das im Kyoto-Protokoll von 1997 vereinbarte Ziel einer CO2-Senkung um 25 Prozent bis zum Jahr 2005 rückt somit in weite Ferne. "Jetzt zeigt sich, wie unverbindlich die Abmachungen zwischen Industrie und Politik wirklich waren", kommentierte der GREENPEACE-Klima-Experte Karsten Smid bitter. Die Industrie ist nämlich neben den Privathaushalten und dem Autoverkehr durch ihren immensen Strombedarf der Hauptverursacher der Treibhausgas- Freisetzung, da bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern CO2 entsteht. Allein BAYER hat einen Strombedarf von jährlich sechs Terrawattstunden. Im "Responsible Care-Bericht 1999" weist das Unternehmen für 2000 Kohlenstoffdioxid-Emissionen von 9,6 Mio. Tonnen aus, ein Wert, der seit zehn Jahren nahezu gleich bleibt. Noch dazu sind darin nicht einmal die Emissionen einberechnet, die bei der Produktion von zugekauftem Strom anfallen.

Altlast chemische Kampfstoffe
BAYER war im Ersten und Zweiten Weltkrieg einer der größten Hersteller chemischer Kampf- und Sprengstoffe. Ihre verheerende Wirkung hält bis heute an. Durch Produktion, Bomben-Angriffe auf Fabrikationsstätten, Unfälle unterirdische Depots und die eilige Beseitigung zu Kriegsende ist eine Vielzahl von Böden und Gewässern vergiftet. So kommtes in der Ostsee immer wieder zu Vergiftungen durch rostende Fässer; auch bei der Erweiterung des Flughafen Frankfurt mussten große Mengen der Altlasten entsorgt werden.
Im Sicherheitstrakt der Kampfmittelbeseitungsanlage der Bundeswehr in Munster lagern noch 3224 Granaten mit festen und 5169 Granaten mit flüssigen Kampfstoffen, 120 Fässer mit Gemischen sowie 40.000 Tonnen verseuchtes Erdreich. Die Entsorgung dieser Stoffe gestaltet sich äußerst aufwändig und teuer. Der Bau einer neuen, mit einem Plasma-Ofen ausgestatteten Anlage, die täglich bis zu 60 Tonnen Erde bearbeiten kann, wird schätzungsweise 211,6 Mio. kosten.
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) fordert BAYER als Verursacher auf, sich daran finanziell zu beteiligen.