SWB 01/01

US-Aufsichtsbehörde verhängt Strafe gegen Bayer-Tochter

Unfall mit krebserregenden Chemikalien
im texanischen Baytown

von Philipp Mimkes

Die amerikanische Aufsichtsbehörde Occupational Safety and Health Administration (OSHA) hat eine Strafe von $135.000 gegen die US-Tochter des Leverkusener Bayer-Konzerns verhängt. Hintergrund der Verurteilung ist ein Unfall im texanischen Baytown im vergangenen Sommer, bei dem Mitarbeiter des Unternehmens mit krebserregendem Methylendianilin (MDA) kontaminiert wurden. Die OSHA kontrolliert die Sicherheit in amerikanischen Werken und untersucht die Ursachen von Unfällen.

Am 6. Juli 2000 waren im Werk Baytown große Mengen des Kunststoff-Vorprodukts MDA ausgetreten. Die Aufsichtsbehörden wurden nicht von der Werksleitung, sondern durch den Hinweis eines Mitarbeiters auf den Fall aufmerksam gemacht und starteten unmittelbare Untersuchungen über den Hergang des Unfalls. Dabei wurden insgesamt sechs schwerwiegende Verstöße des Unternehmens gegen bestehende Sicherheitsverordnungen festgestellt: Die Werks-
leitung versäumte es, ihre Mitarbeiter mit angemessener Schutzkleidung auszurüsten und stellte zur Beseitung der ausgetretenen Chemikalien keine spezielle Ausrüstung bereit, nach dem Unfall wurden die Beschäftigten weder ärztlich untersucht noch auf die Risiken einer Kontamination mit MDA hingewiesen.

Die Aufsichtsbehörde OSHA bewertet die Verstöße als besonders ernst, da "eine reale Gefahr schwerer oder tödlicher Vergiftungen bestand, die der Werksleitung bekannt war oder hätte bekannt sein müssen." Vergiftungen mit Methylendianilin bewirken Leberschäden, Augenprobleme und Veränderungen der DNA. Bayer beschäftigt in Baytown rund 1.200 Mitarbeiter, hinzu kommen 1.300 Arbeiter von Fremdfirmen.

Kritiker bemängeln, dass bei Bayer aus Kostengründen an der Sicherheit gespart wird und fordern strafrechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen im Management. In Deutschland ereignete sich im Juni 1999 der letzte Großunfall in einem Bayer-Werk. In Wuppertal explodierte ein Reaktor für Pestizide, dabei wurden über 100 Personen verletzt, der Sachschaden betrug rund 200 Millionen DM.