SWB 01/01

Medizinische Fachzeitschrift Lancet dokumentiert:

BAYER behindert
unabhängige Pharmaforschung

Von Philipp Mimkes

Die Freiheit der Wissenschaft gibt es für BAYER nur, wenn es den Profiten nützt. Schadet sie hingegen den Konzern-Interessen, versucht das Unternehmen WissenschaftlerInnen ein Schweige-Gelübde abzunehmen.

Die britische Fachzeitschrift The Lancet dokumentiert in ihrer jüngsten Ausgabe die Behinderung unabhängiger Forschung durch die BAYER AG und andere Pharmaunternehmen. Das Magazin kritisiert, dass BAYER durch unseriöse Verträge die freie Veröffentlichung von Forschungsergebnissen verhindert, um dadurch Informationen über risikoreiche Pharmazeutika zu unterdrücken. Mittlerweile hat sich die EU-Kommission in den Fall eingeschaltet, um die Publikationsfreiheit sicherzustellen. Der Bakteriologe Prof. Martin Cormican vom irischen University College Hospital hatte von BAYER die Zusendung des Wirkstoffs Ciprofloxacin erbeten, um Resistenz-Entwicklungen gegen Antibiotika zu untersuchen. Das Unternehmen verlangte daraufhin die Unterzeichnung eines Vertrages, nach dem der Forscher eine Veröffentlichung seiner Ergebnisse nur nach schriftlicher Erlaubnis durch BAYER vornehmen dürfe. Cormican, der sich mit einer Beschwerde an die EU-Kommission gewandt hat, will für das Recht kämpfen, auch unliebsame Ergebnisse zu veröffentlichen "Ich bin besorgt über die Beschränkung wissenschaftlicher Arbeit durch solche Klauseln", so der Wissenschaftler über die Lex BAYER.

In jüngster Zeit häufen sich die Versuche von Pharmaunternehmen, kritische Forschungsberichte in renommierten Zeitschriften zu verhindern. Im Journal of the American Medical Association musste kürzlich eine Studie unvollständig veröffentlicht werden, da die Geld gebende Firma wichtige Datensätze unter Verschluss hielt. Nach Meinung des Lancet gefährdet der Einfluss der Arznei-Tests oft finanzierenden Unternehmen, der sich nicht nur auf die Auswahl, sondern auch auf die Interpretation der medizinischen Daten erstreckt, die Glaubwürdigkeit der gesamten Pharmaforschung.

Das Magazin befürchtet aufgrund der immer teureren Verfahren und der Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen eine weiter wachsende Abhängigkeit der Wissenschaft von kommerziellen Interessen und fordert daher eine strikte Offenlegung aller Verbindungen zwischen Industrie und Wissenschaft sowie eine verstärkte staatliche Medikamenten-Aufsicht.