|
AKTION & KRITIK
Aus für FENTHION in USA VogelschützerInnen in den Vereingten Staaten
machen BAYERs FENTHION und andere Pestizide, die den Wirkstoff Ethyl-Parathion enthalten, seit langem für das Sterben großer Vogel-Populationen verantwortlich (SWB 1/01). Ihre gemeinsam mit dem WORLD WILDLIFE FUND, dem PESTIZIDS-AKTIONS-NETZWERK/USA, der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und anderen Organisationen durchgeführte Kampagne hat jetzt zu einem Erfolg geführt. Nach Anhörungen der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA gaben BAYER & Co. bekannt, die Ackergifte “freiwillig” vom Markt zurückziehen zu wollen. Es ist ihnen noch erlaubt, die Vorräte abzuverkaufen. Nur für Kornfelder, auf denen Saatgut gewonnen werden soll, gilt wegen der akuten Gesundheitsgefährdung der LandarbeiterInnen ein sofortiger Anwendungsstop. Auch als Wirkstoff-Komponente anderer Pestizide dürfen die Agro-Multis Ethyl-Parathion nicht mehr verwenden.
WHO kritisiert Pestizid-Hersteller Die Weltgesundheitsorganisation WHO
und die Welternährungsorganisation FAO haben die mangelhafte Qualität der Pestizide kritisiert, die von BAYER & Co. in die Länder der so genannten Dritten Welt exportiert werden. Rund ein Drittel dieser Mittel
entspricht nicht den Vorschriften, so WHO und FAO. Sie enthalten häufig Giftstoffe in zu hoher Konzentration und weisen oft starke Verunreinigungen auf. Auch sind die Beschriftungen in vielen Fällen nicht
verständlich. Die beiden UN-Organisationen forderten BAYER & Co. deshalb auf, ihre Produkte vor der Ausfuhr einer Qualitätskontrolle unterziehen zu lassen.
Stärkung der Euro-Betriebsräte gefordert Das IG METALL-Vorstandsmitglied
Karin Benz-Overhage hat sich dafür ausgesprochen, die EU-Richtlinie zur Einsetzung Europäischer Betriebsräte (EBR) zu ändern. Die nur vage formulierten Rechte würden häufig missachtet und Euro-Betriebsräte nur durch
die Presse von Entscheidungen informiert, so Benz-Overhage.
Agro-industrieller Komplex im Visier Nach Meinung von
SPD-UmweltpolitikerInnen sollte der BSE-Skandal nicht dazu führen, die ganze Aufmerksamkeit auf die landwirtschaftlichen Betriebe zu lenken und “nur die Bauern zum Buhmann” zu machen. Der SPD-Fraktionsvize Michael
Müller und die umweltpolitische Sprecherin Ulrike Mehl stellten Ende Januar in Berlin ein Grundsatzpapier zum agrarpolitischen Umbau vor. Es spricht sich dafür aus, das “Gesamtsystem” der Misere zu erfassen, die
“fast unüberschaubare industrialisierte Arbeitsteilung zwischen Bauern, Tiermedizin, Chemie, Futtermittelherstellern, Vermarktung, Handel und Banken”. In diesen ebenso lukrativen wie risikoreichen agro-industriellen
Wirtschaftskreislauf ist BAYER durch die Herstellung von Pestiziden und Tier-Arzneien stark eingebunden.
Philippinen: Klage abgewiesen Ein Kooperationspartner der COORDINATION
GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) auf den Philippinen, untersucht in dem Dorf Kamukhaan die gesundheitsschädlichen Auswirkungen der im Bananen-Anbau verwendeten BAYER-Pestizide. Diese Arbeit brachte ihm eine Klage der
Firma ein, der die Plantage gehört. Die CBG machte den Fall publik und stellte einen Unterstützer-Brief ins Internet, den binnen kurzem über 100 Organisationen unterzeichneten. Vielleicht hatte das einen kleinen
Anteil daran, dass es nicht zu einem Prozess kam. Unser philippinischer Partner bedankte sich jedenfalls herzlich für die bekundete Solidarität.
Mediziner verklagt BAYER Oral eingenommen und nicht injiziert erbrachte
BAYERs Antibiotikum CIPROBAY bei Medikamenten-Tests nicht das gewünschte Ergebnis. Es vermochte PatientInnen nach schweren OPs nicht vor Infektionen zu schützen. Unter den 800 Test-Personen kam es sogar zu
Todesfällen. Der Konzern hat diese Ergebnisse der zuständigen Ethik-Kommission verschwiegen und vor der “Medicine Control Agency” falsche Angaben gemacht. Der an Voruntersuchungen der CIPROBAY-Tests beteiligte
britische Mediziner Dr. Steven Karren machte diesen Skandal auf der BAYER-Hauptversammlung zum Thema (SWB 2/01). Da BAYER-Chef Manfred Schneider in keiner Weise auf die Vorwürfe einging, stellte Karren noch am selben Abend eine Strafanzeige gegen den Konzern. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) veröffentlichte dazu eine Presseerklärung.
Der Fall “Wuppertaler Störfall” Der große Chemie-Unfall bei BAYER in
Wuppertal im vorvergangenen Jahr hatte ein gerichtliches Nachspiel. Bei der Explosion im Wuppertaler BAYER-Technikum am 8. Juni 1999 traten 2,7 Tonnen hochgiftiger Chemikalien aus; über 100 Menschen waren verletzt
worden. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hatte direkt Strafanzeige gegen das BAYER-Management gestellt. Heraus kam ein Prozess gegen einen Beschäftigten, die verantwortlichen Manager blieben verschont.
Das Verfahren endete mit einer Geldstrafe in Höhe von 5.000 DM. Das “menschliche Versagen” eines Schichtführers habe zu der Beinah-Katastrophe geführt, urteilten die Richter. Unzureichende
Sicherheitsbedingungen, Mängel im Kontrollwesen und Arbeitsverdichtungen waren nie Gegenstand des Verfahrens. Darum hat die CBG wegen des Verdachtes auf Strafvereitelung erneut eine Strafanzeige gestellt - diesmal
gegen die Staatsanwaltschaft.
Schüler ist BAYERs Macht unheimlich Schon junge Schüler beängstigt die
ständig wachsende Macht von BAYER und anderen Multis. Nachdem ein Krefelder Gymnasiast der achten Klasse in einem Leserbrief an die Rheinische Post die seiner Ansicht nach positiven Seiten an dem Chemie-Riesen herausgestellt hatte, als da wären ASPIRIN, Sponsorentätigkeit und Arbeitsplätze, stellte er die Frage: “Und wo soll das alles enden? In einer Gesellschaft, die nur noch von einem gewaltigen Super-Unternehmen regiert wird? So weit, wie die meisten Menschen denken, sind wir davon nicht entfernt.” Sein Fazit lautete: “Also sollte man (...) vorsichtig sein, solchen Großkonzernen wie BAYER noch mehr Macht in die Hand zu geben, als sie in unserer mehr und mehr vom Kapital bestimmten Gesellschaft sowieso schon haben.”
Umweltpolitikerin unterstützt Im April hat der Umweltausschuss des
Bundestages über das EU-Weißbuch beraten, das vorsieht, BAYER & Co. 5.000 der gebräuchlichsten, aber nie getesteten Chemikalien erstmals auf ihre Verträglichkeit für Mensch, Tier und Umwelt hin untersuchen zu
lassen. Im Vorfeld der Sitzung bat die PDS-Abgeordete Eva Bulling-Schröter die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) um Fach-Informationen. CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes stellte ihr daraufhin Materialien zum
Thema “Chemikalien-Sicherheit” zusammen.
|