SWB 02/01 - Ticker

ERSTE & DRITTE WELT

Ausbeutung der “Dritten Welt”
Das kostbare Rohmineral Coltan könnte eine Quelle des Reichtums für ein Land wie Thailand sein, wären da nicht die Gesetze des Weltmarktes, die es der BAYER-Tochter HC STARCK erlaubten, es für einen Spottpreis zu erwerben oder selbst abzubauen, zu Tantalit weiterzuverarbeiten und als Metall teuer z. B. an Handy-Firmen zu verkaufen. 50 Prozent des HC STARCK-Tantalits wird in Thailand hergestellt. Und im Kongo profitiert der Konzern von den dortigen Kriegswirren, um sich preiswert mit dem kostbaren Gut einzudecken (siehe auch SWB 2/01).

Schein-ökologische Hermes-Bürgschaften
Der Handel mit Ländern, die nicht zu den hoch entwickelten Industrie-Nationen (G 7) gehören und daher über weniger finanzielle Ressourcen verfügen, ist für BAYER & Co. kaum mit Risiken behaftet, denn es gibt ja die HERMES-Bürgschaften. Immer wenn ein Auftragnehmer zahlungsunfähig wird, übernimmt die bundeseigene HERMES KREDITVERSICHERUNG, also der/die SteuerzahlerIn die Verbindlichkeiten. Der rot-grüne Koalitionsvertrag sah eigentlich eine HERMES-Reform “nach ökologischen, sozialen und entwicklungsverträglichen” Gesichtspunkten vor (Ticker 4/00). Lange Zeit geschah jedoch gar nichts, bis Bundeswirtschaftsminister Werner Müller im Januar einen Umwelt-Leitfaden für Hermes-Bürgschaften vorlegte. Er soll aber nur zum Tragen kommen, wenn der Lieferanteil bundesdeutscher Firmen die 20-Prozent-Marke übersteigt, was bei dem umstrittenen Staudamm-Projekt in China z. B. nicht der Fall ist. Er enthält auch keine Schwarze Liste mit Produkten, deren Ausfuhr ausgeschlossen ist. Die Initiativen WEED und URGEWALD nahmen besonders an dem Passus Anstoß, der die Umweltstandards der Besteller-Länder zum Kriterium für “ökologisch korrekten” Export erhebt.