|
PRODUKTION & SICHERHEIT
Verharmlosende MAK-Liste Eine Kommission, gebildet aus VertreterInnen
von Industrie, Wissenschaft und Behörden, bestimmt in der Bundesrepublik, was ein gefährlicher Arbeitsstoff ist und bewertet das von einer Substanz jeweils ausgehende Risiko. Natürlich sitzen auch
BAYER-VertreterInnen in dem Gremium, das die so genannte MAK-Liste (MAK = Maximale Arbeitsplatz-Konzentration) erstellt. Die neue Ausgabe enthält eine Reihe von Änderungen. Sie führt zwei neue Kategorien ein, unter
der Stoffe gefasst sind, die zwar die zelluläre Erbsubstanz schädigen, aber trotzdem kein nennenswertes Krebs-Risiko darstellen. Damit ignoriert die Kommission die in der Toxikologie geltende Überzeugung, dass es
für erbgut-schädigende Substanzen keine Grenzwerte gäbe, unterhalb derer kein Krebsrisiko mehr bestehe. Unter die Rubrik “kein nennenswertes Krebsrisiko” führt die Arbeitsgruppe unter anderem die in der
Kunststoff-Produktion von BAYER in Massen hergestellten Stoffe Styrol und TDI. Letzterer fehlte früher in der MAK-Liste, galt dann als “krebsverdächtig” und wird nun in der Gruppe der krebserzeugenden, aber mit
keinem nennenswerten Risiko behafteten Stoffe geführt. In einer Kritik der neuen Einstufungspraxis, veröffentlicht in umwelt - medizin - gesellschaft, schreibt der Umweltmediziner Dr. Wolfgang Hien: “Es
drängt sich der Eindruck auf, als fasse die Kommission den Menschen im Sinne eines Labornagers auf, der keiner weiteren Exposition ausgesetzt ist als diesem Einzelstoff. In der Realität aber kommen viele weitere
Belastungen hinzu, wie z. B. durch diejenigen Stoffe, die als Tumor-Promotoren aus einer ansonsten ‘unterschwellig’ bleibenden Erbgutschädigung (...) aktive Krebszellen machen können.” Und die neuen Einstufungen
haben nicht nur Auswirkungen auf die Arbeitswelt, sondern auch auf die gesamte Umweltpolitik. Für Stoffe, die nicht mehr als eindeutig krebserregend kategorisiert sind, müssen BAYER & Co. nämlich keine
Sicherheitsdatenblätter und andere verbraucherschutz-relevanten Informationen mehr bereit halten.
|