SWB 03/01

Studie der Universität Edinburgh zeigt:

Leukämie durch Insektensprays ausgelöst

Von Philipp Mimkes

Schottische Wissenschaftler haben einen Zusammenhang zwischen der Verwendung des Insektenmittels Baygon und dem Auftreten von Leukämie bei Kindern festgestellt. Eine in der britischen Fachzeitschrift Cancer Research veröffentlichte Studie zeigt, dass Neugeborene, deren Mütter mit Pestiziden aus der Klasse der Carbamate in Berührung kamen, zehnmal häufiger an Leukämie erkranken als Kinder, die den Stoffen im Mutterleib nicht ausgesetzt waren.

Prof. Freda Alexander von der Universität Edinburgh leitete ein internationales Forscherteam, um den Ursachen von Leukämie-
Erkrankungen auf den Grund zu gehen. Hierzu wurden 136 Kinder aus aller Welt mit akuter Leukämie untersucht. Vergleichsdaten von 266 Müttern mit gesunden Kindern ergaben einen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und dem Kontakt der Mütter mit dem Insektenspray Baygon. Hierzu Prof. Alexander: "Wir haben diesen Zusammenhang zunächst nur für Baygon gefunden, aber wir müssen die gesamte Substanzklasse der Carbamate im Auge behalten. Wenn ich schwanger wäre, würde ich mich von allen Pestiziden dieser Art fern halten."

Da Baygon und andere Pestizide auf Carbamat-Basis weit verbreitet sind, hält Alexander umfassende Untersuchungen der Gefahren dieser Substanzklasse für notwendig. Baygon wird von der Leverkusener Bayer AG weltweit für Anwendungen im Haushalt vertrieben. Das Mittel gehört zur Substanzklasse der Carbamate, die zur Bekämpfung von Moskitos, Kohlfliegen, Motten, und Käfern verwendet werden.

Dr. Richard Dixon vom Umweltverband Friends of the Earth fordert ein präventives Verbot der Pestizide. "Dieses Ergebnis ist sehr besorgniserregend", so Dixon, "man sollte aus Vorsorgegründen alle Chemikalien dieser Substanzklasse vorläufig verbieten und unter den selben Bedingungen testen."

Britische Experten vermuten, dass die Untersuchungsergebnisse das gehäufte Auftreten von Leukämie bei Kindern in mehreren Teilen des Landes erklären können. Die Krankheit verläuft in etwa 25% der Fälle tödlich. Dr. Dixon: "Leukämie von Kindern hat wahrscheinlich mehrere Auslöser. Aber wir sollten diese Chemikalien nicht mehr verwenden, bis wir ihre Ungefährlichkeit bewiesen haben." Die britische Bayer-
Vertretung lehnte einen Kommentar der Studie ab.