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DRUGS & PILLS
Forschungs-und Entwicklungsmythen BAYER & Co. rechtfertigen die immensen
Pillen-Preise regelmäßig damit, wie kostspielig und langwierig doch die Entwicklung neuer Arzneien sei. Die US-amerikanische Verbraucherschutz-Organisation PUBLIC CITIZEN hat dieses Argument jetzt einmal einer
genaueren Prüfung unterzogen. Ergebnis: Die Entwicklung eines neuen Medikamentes kostet nicht 500 Mio. Dollar, wie die Lobby-Organisation "Pharmaceutical Research and Manufacturers of America (PhRMA)
vorgerechnet hat, sondern lediglich 110 Mio. Dollar. Zudem stammen von den im Jahr 1995 fünf meistverkauften Pharmazeutika nur 45 Prozent direkt aus den Labors von BAYER & Co.. 55 Prozent der
Arznei-Entwicklungen gehen auf Forschungsprojekte zurück, die zunächst mit öffentlichen Mitteln gefördert worden sind. So richtig innovativ ist bei 78 Prozent der neu auf den Markt gebrachten Pillen auch nur der
Preis. Bei ihnen handelt es sich um so genannte "me-too"- Präparate, deren Rezeptur sich nur geringfügig von der bereits bekannter Pharma-Erzeugnisse unterscheidet.
Immer mehr Industrie-Studien Um Kosten zu sparen, finanzieren die Krankenkassen
immer seltener klinische Pharma-Studien. Mit dem Rückzug dieser unabhängigen und deshalb für wissenschaftliche Objektivität garantierenden Akteure gerät dieses Terrain immer mehr in die Hände von BAYER & Co. Mit
den vorhersehbaren Folgen: Eine Gruppe von WissenschaftlerInnen wertete 70 Studien zur Sicherheit von Kalzium-Antagonisten wie BAYERs Adalat mit dem Wirkstoff Nifedipin aus und publizierte die Resultate im
angesehenen New England Journal of Medicine. Demnach bestanden bei einer positiven Bewertung der Kalzium-Antagonisten in 96 Prozent aller Fälle Beziehungen zur Pharma-Industrie, bei einer negativen Bewertung
hingegen waren nur 37 Prozent der WissenschaftlerInnen mit der Pharma-Industrie verbandelt.
Arzneimittel-Kosten steigen Die Aufwändungen der gesetzlichen Krankenkassen für
Arzneimittel sind im Jahr 2000 um 4,9 Prozent auf 38 Mrd. Mark (!) gestiegen. Hauptanteil an dieser Kosten-Explosion hat nach Angaben des Vorstandsvor- sitzenden der Betriebskrankenkassen (BKK), Wolfgang
Schmeinck, die vermehrte Verordnung von teuren, da patent-geschützen Pharmazeutika. Würden die ÄrztInnen öfter therapeutisch gleichwertige, aber billigere Mittel verschreiben, könnten die Ausgaben erheblich gesenkt
werden, so Schmeinck.
Asthma durch ASPIRIN Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) wie
ASPIRIN können Asthma auslösen. In der Ärzte Zeitung publizierte der Pneumologe Michael Schmitz von der Klinik Davos-Wolfgang die medizinischen Daten von 500 solcherweise erkrankter PatientInnen. Die
Gesundheitsstörung beginne mit einer Entzündung der Nasenschleim- haut, die binnen zwei Jahren zu Asthma und weitere drei Jahre später zum so genannten ASS-Asthma führe, so der Mediziner.
BAYER widersetzt sich der FDA BAYERs Diagnostika-Sparte boomt. Um die Geräte zu
vermarkten, bedient sich der Leverkusener Chemie-Multi allerdings auch unlauterer Mittel. So veranstaltete der Konzern in Zusammenarbeit mit der BAYER-Betriebskrankenkasse BBK eine Prostatakrebs-Vorsorge-
untersuchung, bei der im Blut der Teilnehmer der Wert eines speziellen Prostata-Antigens bestimmt wurde. Dieses Diagnose-Verfahren als Prostatakrebs-Test zu vermarkten, hat die US-amerikanische Gesundheitsbehörde
BAYER jedoch untersagt, weil sich das Prostata-Antigen nämlich auch bei gesunden Männern nachweisen lässt. Lediglich zur begleitenden Kontrolle des Krankheitsverlaufs ist es zugelassen (siehe auch Ticker 4/98).
ASPIRIN gegen Herzinfarkt? Regelmäßig eingenommen, kann ASPIRIN zwar vor
Herzinfarkt schützen, es erhöht bei Menschen mit unbehandeltem Bluthochdruck aber zugleich das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Zu diesem Ergebnis kam eine von einem ForscherInnen-Team um Maria Carla
Roncaglioni vom Mailänder Institut Mario Negri durchgeführte Studie, die in der Fachzeitschrift Lancet (Bd. 357, S. 89) veröffentlicht wurde. Für die "Nebenwirkung" Schlaganfall ist der blutverdünnende
Effekt des Wirkstoffes Acetylsalicylsäure verantwortlich.
Neues Migräne-Präparat BAYER bringt in Kürze das verschreibungspflichtiges
Migräne-Mittel ALMOGRAN auf den Markt. Der Pharma-Multi gab der Agentur SCHMITTGALL den Auftrag, die Fachöffentlichkeit auf das neue Medikament aufmerksam zu machen. Sie rührte bereits für andere Mittel zur
Behandlung von Krankheiten des Zentralen Nervensystems wie SEPRAM, SAROTEN und REMOTIV die Werbetrommel. Die Bearbeitung von ÄrztInnen und ApothekerInnen durch "Außendienst- Maßnahmen" führt der
Konzern allerdings selbst durch.
CURAGEN findet Ziel-Proteine Das Biotech-Unternehmen CURAGEN hat für BAYER 12
Ziel-Proteine identifiziert, die zum Wirkort für Gentech-Medikamente zur Behandlung von Diabetes und Fettsucht werden sollen (siehe GENE & KLONE).
Test-Stopp für Asthma-Mittel Der Leverkusener Chemie-Multi hat die klinische
Erprobung eines Gentech-Präparats gegen Asthma abgebrochen (siehe GENE & KLONE).
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