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PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE
Gefährliche POP-Nachfolger Als Alternative zu den am 23. Mai in Stockholm
verbotenen langlebigen organischen Giftstoffen empfiehlt die UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, 60 Alternativ-Substanzen, die ebenfalls nicht ohne sind. Das PESTIZID AKTIONS-NETZWERK (PAN) ging die
Literatur zu den von BAYER & Co. unter anderem zur Herstellung von Pestiziden verwendeten Stoffen durch und kam zu beunruhigenden Ergebnissen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bewertet sieben der 60
Substanzen als extrem gefährlich und 14 als hoch gefährlich. Die EU schätzt sieben als sehr giftig und 13 als giftig ein. 38 der Wirkstoffe hält sie für umweltbelastend. Die US-amerikanische Umweltbehörde EPA
verdächtigt 13 der POP-Alternativen, Krebs zu erregen. Bei 22 der Chemikalien besteht nach ExpertInnen-Meinung das Risiko hormoneller Wirkungen. PAN zog deshalb das Resümee: "Die folgenschwere Strategie,
giftige Pestizide durch andere Pestizide zu ersetzen, muss ein Ende haben. Nachhaltige Alternativen müssen gefördert werden."
Mehr Pestizide in Lebensmitteln Immer mehr Lebensmittel sind durch die von BAYER
& Co. produzierten Agro-Chemikalien belastet. Überschritt 1996 nur 3 Prozent des Obstes, Gemüses und Getreides die zulässigen Grenzwerte, so waren es nach einer neuen EU-Studie 1999 schon 4,3 Prozent. Nur 64
Prozent der 40.000 Stichproben enthielten überhaupt keine Gift-Spuren; in 32 Prozent der Fälle blieben die Chemie-Reste im Rahmen des Erlaubten.
BAYER & Co. gegen Agrar-Wende Der "Industrie-Verband Agrar", in dem
Düngemittel-Hersteller und Pestizid-Produzenten wie BAYER organisiert sind, hat sich gegen die Absicht der Bundesregierung ausgesprochen, den Marktanteil des ökologischen Landbaus binnen der nächsten zehn Jahre von
zwei auf 20 Prozent zu steigern. "Betrachtet man die globale Entwicklung, so führt kein Weg daran vorbei, technischen Fortschritt in der Landwirtschaft intensiv zu nutzen", so Lobby-Sprecher Hans Theo
Jachmann. Er besaß sogar noch die Dreistigkeit, den agrar-industriellen Komplex, der Wasser, Boden und Nahrungsmittel mit Giftstoffen belastet, als besonders umweltfreundlich darzustellen. Nach Jachmanns Ansicht
trägt die intensive Boden-Nutzung nämlich dazu bei, anderswo "unberührte Naturräume zu erhalten".
Fungizid BRESTAN verboten Die Biologische Bundesanstalt für Land- und
Forstwirtschaft (BBA) widerrief die Zulassung für BRESTAN FLÜSSIG, eines der meistbenutzen Anti-Pilz-Mittel im Kartoffelanbau. Seit dem Kauf der Agro-Sparte von AVENTIS gehört dieses Pestizid zum BAYER- Sortiment.
Der Gesamtverbrauch des gegen
Kraut- und Kartoffelfäule angewandten BRESTANS liegt jährlich bei 60-260 Tonnen. Gelangt das Mittel in Bäche und Flüsse, beeinträchtigt es die Fortpflanzungsfähigkeit von Wassertieren. Bleiben Rückstände im Trinkwasser, kann zudem das menschliche Hormonsystem geschädigt werden. Verbraucherschutz- Ministerin Renate Künast (Grüne) ließ dieses Fungizid nun zum Schutz der Umwelt und VerbraucherInnen verbieten. Ihrem Vorgänger Karl-Heinz Funke (SPD) waren die Gefahren seit Jahren bekannt, er entschied aber zu Gunsten der Agrar- und Chemielobby.
BBA setzt USTINEX-Zulassung aus Die "Biologische Bundesanstalt" (BBA) hat
die Zulassung für Dichlobenil-haltige Herbizide vorläufig ausgesetzt. Nur im Haus- und Gartenbereich dürfen sie in Granulat-Form teilweise noch verwendet werden. Von dem Anwendungsstop betroffen ist unter anderem
BAYERs USTINEX-CN-STREUMITTEL und das nach dem AVENTIS CROPSCIENCE-Kauf ebenfalls zum Agro-Sortiment des Konzerns gehörende CASORON G. Besonders in den Weinanbau-Gebieten des Südwestens wurde der Herbizid-Wirkstoff
häufig in Gewässern nachgewiesen. 1998 fand sich in jeder siebenten Wasser-Probe das Dichlobenil-Abbauprodukt Dichlorbenzamid (DCBA). Auch obenhalb der Rhein-Main-Linie verunreinigt es nach Meinung von ExpertInnen
vermutlich die Flüsse, was aber unbemerkt bleibt, weil die Substanz im Mess-Katalog der nördlichen Bundesländer fehlt. Dem Chemie-Ingenieur im Karlsruher Technologiezentrum Wasser, Ulrich Rohmann, geht die
BBA-Entscheidung darum nicht weit genug. Er fordert ein generelles Verbot, da Dichlobenil das Grundwasser vergiftet und deshalb die Zulassungsbedingungen nicht mehr erfüllt.
Pestizide in Erdbeeren Das Magazin Stern ließ aus Südeuropa eingeführte Erdbeeren
auf Pestizid-Rückstände hin untersuchen. In sechs von 20 Stichproben fanden sich Spuren von Ackergiften. Unter den nachgewiesenen Substanzen war auch der Wirkstoff Chlorthalonil, der in BAYERs BRAVO enthalten ist.
Der Konzern vermarktet das Produkt gemeinsam mit PRONTO PLUS als Anti-Pilz-Kombination.
Pestizid-Geschäft wächst überdurchschnittlich Nach Angaben des
"Industrie-Verbandes Agrar" stieg der Umsatz der bundesdeutschen Pestizid-Hersteller im Jahr 2000 um vier Prozent auf 6,44 Mrd. Mark. Mit einem Umsatz von 2,5 Mrd. Euro (knapp 5 Mrd. Mark), der sich im
Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent erhöhte, hatte BAYER daran einen Anteil von fast 80 Prozent.
BAYER kauft MIKADO Der Leverkusener Chemie-Multi hat von SYNGENTA das Mais-Herbizid
MIKADO erworben (siehe auch IMPERIUM & WELTMARKT).
Sondergebiete gefährden Umweltschutz Der Gesetzgeber verbietet es, Pestizide in
unmittelbare Nähe von Gewässern auszubringen. Allerdings hat er Schlupflöcher gelassen. In "Sondergebieten" wie etwa der Obstanbau-Region "Altes Land" in der Nähe Hamburgs, herrschen laxere
Abstandsbestimmungen. Und selbst gegen die verstoßen die LandwirtInnen noch systematisch, ohne Sanktionen befürchten zu müssen. Der "Bundesausschuss Obst und Gemüse" begrüßt die Ausnahme-Regelung "als
echte Chance für den deutschen Obstbau insgesamt". Volkhard Wille, der Agrar-Referent des Naturschutzbundes NABU fürchtet denn auch, dass das schlechte Beispiel Schule machen wird. Nach seiner Einschätzung
versuchen BAYER & Co., das "Alte Land" zum Ausgangspunkt einer Offensive für eine Aufweichung von Umweltschutz-Auflagen zu machen. So wollen sie den Spreewald im Südosten Berlins zum zweiten
"Sondergebiet" erklärt haben.
Gentech senkt Pestizid-Verbrauch nicht Der Verbrauch von Ackergiften geht nach
Angaben von Hans Theo Jachmann, Sprecher des auch BAYER zu seinen Mitgliedern zählenden "Industrie-Verbandes Agrar", nicht in dem gleichen Maße zurück, wie der Flächen-Anteil von gen-manipulierten
Nutzpflanzen zunimmt (siehe auch GENE & KLONE).
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