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PROPAGANDA & MEDIEN
Ein Pharma-Drücker packt aus In einem Interview mit der Fachzeitschrift textintern
plaudert der Leiter von BAYERs Abteilung für internationale Pharma-Werbung, Rainer Seher, aus dem Nähkästchen. Ohne Hemmungen legt er dar, wie der Chemie-Multi ÄrztInnen dazu veranlasst, Produkte des Konzerns zu
verschreiben. Die wichtigste Rolle spielt immer noch das Aufsuchen der MedizinerInnen in den Arzt-Praxen. Man kann aber auch ein "wissenschaftliches Symposium inszenieren" und dort "mit typischen
Kundenbindungsprogrammen auftreten". Eine zunehmende Bedeutung misst der PR-Profi dem "Event-Marketing" bei. Es bietet nach Auffassung Sehers nämlich die Möglichkeit, aus der alltäglichen
Präsentationssituation in der Arzt-Praxis herauszukommen und eine privatere Atmosphäre mit der Firma als Gastgeber zu erleben. "Indem man gleichzeitig auf Events setzt, können dann Verordnungs-
entscheidungen des Arztes zugunsten des entsprechenden Produkts getroffen werden", führt Seher aus. Wohlbemerkt: BAYER trifft die Verordnungsentscheidung des Arztes. Womit die fehlerhafte Grammatik des Satzes
eine höhere Wahrheit zum Ausdruck bringt.
1 Mrd. für Werbung Die Pharma-Branche gehört mit zu den Industrie-Zweigen, die am
meisten Geld für Reklame ausgeben. 1 Mrd. Mark investieren BAYER & Co. jährlich in Anzeigen-Kampagnen und TV-Spots. Bei den Werbe-Ausgaben für Schmerzmittel nimmt BAYER unangefochten den Spitzenplatz ein. 38
Mio. Mark lässt der Chemie-Multi sich die Erhöhung des Bekanntheitsgrades von ASPIRIN und AKTREN kosten.
BAYER umwirbt ApothekerInnen In der Werbe-Strategie des Leverkusener Chemie-Multis
für ASPIRIN und AKTREN (siehe oben) kommt den ApothekerInnen eine besondere Bedeutung zu. Der Konzern ließ von der Kommunikationsagentur NESSBACH UND LUX ein Konzept entwickeln, mit dem PharmazeutikerInnen motiviert
werden sollen, ihren KundInnen verstärkt zu den beiden BAYER-Produkten zu raten. Wenn Sie also Schmerzen haben, fragen Sie lieber nicht ihren Apotheker, er könnte der verlängerte Arm der Verkaufsabteilung des
Chemie-Multis sein!
LandwirtInnen den Gen-Segen gepriesen In einem Vortrag pries der BAYER-Biochemiker
Dr. Jürgen Tomzik LandwirtInnen aus der Gegend von Georgsmarienhütte die Segnungen der Gentechnik. Als Partner der Landwirtschaft, deren Aufschwung nicht aufzuhalten sei, charakterisierte er die umstrittene
Risiko-Technologie. Auf Gegnerschaften zur "grünen Gentechnik" ging der Forscher laut Osnabrücker Zeitung nur einmal ein, als er Farbdias von Autos zeigte, die während eines Treffens von Agrar- und
Pharma-LobbyistInnen in Göttingen angeblich von ProtestlerInnen beschädigt worden waren.
AnalystInnen zeichnen BAYER aus Wenn Finanz-AnalystInnen und
Industrie-VertreterInnen ein Unternehmen positiv beurteilen, verheißt das nichts Gutes, was die Sicherheit von Arbeitsplätzen, die Qualität der Produkte und die Umweltschutz- Praktiken angeht. So ist es für den
Leverkusener Chemie-Multi auch eine äußerst zweifelhafte Auszeichnung, in einer vom US-Wirtschafts- magazin Fortune unter 10.000 AnalystInnen und ManagerInnen durchgeführten Umfrage zu "America's Most
Admired Companies" in der Sparte "Chemie" den dritten Platz belegt zu haben.
Gen-Mobil rollt wieder Das mit einem Labor ausgestattete und eine Ausstellung
beherbergende Gen-Mobil macht auch in diesem Jahr wieder die Straßen Nordrhein-Westfalens unsicher (siehe auch SWB 2/99). Anfang April - kurz bevor es aufgrund einer Aktion von Gentech-KritikerInnen ausbrannte -
stoppte das Propaganda-Gefährt für zwei Tage am Leverkusener BAYER-Werk. Schließlich musste es sich ja mal bei einem seiner Hauptsponsoren sehen lassen und ihm bei der "wissenschaftlichen
Nachwuchs-Förderung" behilflich sein, indem es den Leistungskurs Biologie des Lise-Meitner-Gymnasiums für einen halben Tag unter seine Fittiche nahm. Von Aufklärung über die umstrittene Risiko-Technologie
spricht von den Initiatoren, zu denen auch das "Bundesministerium für Bildung und Forschung" gehört, schon gar keiner mehr. Das Agitprop-Gefährt "soll Schulklassen die Welt der Biotechnologie und der
Gentechnik näher bringen" heißt es in bemerkenswerter Offenheit.
VCI-Kampagne zum EU-Weißbuch In einer großflächigen Anzeige, die in allen großen
Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht wurde, begrüßt der "Verband der Chemischen Industrie" (VCI) die neue Chemie-Politik der EU - zum Schein (siehe auch POLITIK & EINFLUSS). Unter der Überschrift
"Systematische Stoff-Bewertung statt bürokratischer Hürden" spricht der Lobby-Club sich für eine Registrierung und Bewertung der Stoffe aus, aber gegen Zulassungsverfahren für bestimmte Substanz-Gruppen,
offensichtlich weil BAYER & Co. befürchten, einige ihrer Produkte würden die Genehmigungsprozedur nicht überstehen.
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