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Kapital & Krieg im Kongo
Schwarzbuch BAYER
Von Jan Pehrke
âDie Top Drei unserer âHitliste des Bösenâ sind BAYER, TOTAL- FINA-ELF und MCDONALDâSâ, schreiben die âSchwarzbuch
Markenfirmenâ-Autoren Klaus Werner und Hans Weiss. âDie Liste der VorwĂŒrfe gegen den deutschen Chemie- und Pharma-Konzern (âASPIRINâ u. a.) ist schier endlos,â eröffnen sie das SĂŒndenregister,
âBAYER nimmt durch unethische Medikamenten-Versuche bewusst schwere GesundheitsschĂ€den von Patienten in Kauf, BAYER bringt gefĂ€hrliche Gifte in Umlauf, BAYER kĂ€mpft gegen billige AIDS- Medikamente in den
Ă€rmsten LĂ€ndern der Welt und BAYER ist letztendlich einer der wichtigsten Geldgeber fĂŒr den Handel mit Rohstoffen im bĂŒrgerkriegsgeschĂŒttelten Kongo.â Den zum Schluss genannten Vorwurf streitet die
100-prozentige BAYER-Tochter H. C. STARCK vehement ab. Klaus Werner musste den Nachweis deshalb in Wallraff-Manier erbringen.
Der Handy-Boom lieĂ die Preise fĂŒr das vor allem in elektronischen Bauteilen Verwendung findende Metall Tantalit in astronomische Höhen steigen. Deshalb
stieg der Umsatz der 100-prozentigen BAYER-Tochter H. C. STARCK als weltgröĂtem Tantalit-Verarbeiter im Jahr 2000 um 53 Prozent auf 665 Mio. Euro. Eines der gröĂten Reservoirs des kostbaren grauen Sandes liegt
im Kongo. Unter völlig unzureichenden Sicherheits- bedingungen wird es dort von den Einheimischen - viele noch nicht einmal 14 Jahre alt - fĂŒr Hungerlöhne abgebaut. Erst im MĂ€rz diesen Jahres kostete ein
GrubenunglĂŒck nordwestlich von Goma fast 100 Menschen das Leben. Noch weit mehr Opfer hat der seit 1998 tobende BĂŒrgerkrieg im Kongo, der sich laut einem UN-Bericht âhauptsĂ€chlich um die Kontrolle und den
Handel mit mineralischen Ressourcen drehtâ, bis jetzt gefordert: ca. 2,5 Millionen. Aber das seltene Metall ist nicht nur ein Kriegsziel, es ist auch ein Schmiermittel der blutigen Auseinander- setzungen.
Antonov-Flugzeuge aus russischer Herstellung liefern den GroĂ-Abnehmern das Roh-Tantalit nach Europa und bringen auf dem RĂŒckflug Waffen mit. âDie Verbindung zwischen der Fortsetzung des Konflikts und der
Ausbeutung der natĂŒrlichen Ressourcen wĂ€re nicht möglich gewesenâ, heiĂt es dazu in dem Report der âVereinten Nationenâ, âwenn nicht einige, die nicht zu den Konflikt-Parteien zĂ€hlen, eine
SchlĂŒsselrolle gespielt hĂ€tten, willentlich oder nicht.â Gemeint sind H. C. STARCK, CABOT INC. und NINGXIA sowie ihre GeschĂ€ftspartner vor Ort.
Diese Rolle will H. C. STARCK nie gespielt haben. Unternehmenssprecher Manfred BĂŒtefisch verweigerte Klaus Werner mit Verweis auf âinterne Datenâ
jegliche Auskunft. Ob die Firma das wertvolle Pulver auch aus dem Kongo bezieht, gab BĂŒtefisch auch nach beharrlichem Insistieren nicht preis: âIch werde weder das eine noch das andere sagen.â
Um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, sah sich der âSchwarzbuchâ- Autor deshalb gezwungen, die Wallraff-Methode anzuwenden. Er schlĂŒpfte in die
Haut eines Tantalit-HĂ€ndlers aus dem Kongo - allerdings nur in die digitale. Er legte sich die Internet-IdentitĂ€t âRobert Mbaye Leman, Wohnort: Arusha, Tansania, Beruf: RohstoffhĂ€ndlerâ zu und mailte H. C.
STARCK ein Angebot. Die Antwort kam postwendend: âWir sind generell interessiert am Kauf allen Tantalit-Rohmaterials. Lassen sie uns bitte eine Analyse, eine Probe und ihre Preis-Vorstellung zukommen. Nachdem wir
diese Informationen bekommen haben, werden sie schnell unsere Antwort erhalten.â
Die schmutzige Quelle âKongoâ schmĂ€lerte das Interesse an dem Tantalit ebenso wenig wie das Bekenntnis Lemans/Werners, er beziehe die Ware ĂŒber die
SOMIGL. Diese Firma wurde von der Rebellen- Organisation âKongolesische Sammlung fĂŒr Demokratieâ (RCD) gegrĂŒndet und handelt nicht nur mit BodenschĂ€tzen, sondern auch mit Waffen und nimmt es dabei mit den
Zoll-Bestimmungen nicht immer genau. âGeschĂ€ft ist GeschĂ€ftâ - darauf können sich eben alle Beteiligten an der Kriegswirtschaft jederzeit einigen. Was das Interesse hingegen erlahmen lieĂ, war der Preis. Der
Quer-Einsteiger Werner hatte einen Fehler begangen und ihn zu niedrig angesetzt, was der BAYER-Tochter spanisch vorkam.
Auch ĂŒber einen eingeschalteten ZwischenhĂ€ndler sollte der âSchwarzbuchâ-Autor mit H. C. STARCK zunĂ€chst nicht zu einem Abschluss kommen. Inzwischen
hatte nĂ€mlich die taz ĂŒber Kapital und Krieg im Kongo berichtet und das Unternehmen fĂŒrchtete, ein Image- Problem zu bekommen, âda das Bild der SOMIGL in der deutschen Presse ein wenig unerfreulich seiâ, wie Werners Kontakt-Mann berichtete. Aber das heimische Image-Problem erwies sich schlieĂlich doch als lösbar, es trat einfach H. C. STARCK/Thailand als Kauf- Interessent auf - wozu ist man schlieĂlich ein Welt-Konzern!
Damit war fĂŒr Klaus Werner die BeweisfĂŒhrung abgeschlossen. Er hĂ€tte es allerdings auch einfacher haben können, wie er nach seiner RĂŒckkehr in die
Bundesrepublik feststellte. Er nahm Kontakt zu Karl-Heinz Albers auf, dem GeschĂ€ftsfĂŒhrer der kongolesischen Minen-Gesellschaft SOMIKIVU, die auf ein Handelsvolumen von 100 -150 Tonnen Konzentrat pro Monat kommt.
âDen GroĂteil davon liefern wir an H. C. STARCKâ, gestand der skrupellose GeschĂ€ftsmann zur völligen Ăberraschung Werners bereitwillig.
Woher diese guten GeschĂ€ftsbeziehungen rĂŒhren, erzĂ€hlte Albers ein wenig spĂ€ter dem Journalisten Nikolaus Förster. Der ging der im âSchwarzbuchâ
beschriebenen Tantalit-Connection in der Financial Times Deutschland noch eimmal nach und sprach ebenfalls mit dem SOMIKIVU-Chef. Karl-Heinz Albers erzĂ€hlte ihm, dass viele jetzige H. C. STARCK-MitarbeiterInnen vorher bei der NĂŒrnberger âGesellschaft fĂŒr Elektrometallurgieâ beschĂ€ftigt waren, die 70 Prozent der Anteile an der SOMIKIVU besitzt. âIn der Branche kennt man sich gutâ, plauderte Albers aus dem NĂ€hkĂ€stchen.
Davon und von allem anderen wollte H. C. STARCK auch nach der Veröffentlichung des âSchwarzbuch Markenfirmenâ nichts wissen. âWir sind erst durch den
Bericht der Vereinten Nationen Mitte April auf die besondere Situation in dieser Region aufmerksam gewordenâ, bekundete die Firma. Zudem lasse sich das Unternehmen die Seriösitat ihrer GeschĂ€ftspartner durch das
AuswĂ€rtige Amt bestĂ€tigen. Eine dreiste LĂŒge mehr. Auf eine Nachfrage Försters wies das Amt darauf hin, dass es grundsĂ€tzlich keine amtlichen Stellungnahmen pauschaler Art ĂŒber die SeriösitĂ€t einzelner
auslÀndischer Firmen abgebe.
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