SWB 04/01 - Ticker

ERSTE & DRITTE WELT

H. C. STARCKs Kriegsgewinn
Die BAYER-Tochter H. C. STARCK kauft ihren Kassenschlager, das seltene Metall Tantal, auch im von einem Bürgerkrieg zerrissenen Kongo ein. Dass die Kombattanten durch diesen Handel ihr Morden finanzieren, kümmert das Unternehmen nicht weiter (siehe SWB 2/01). So trug das Geschäft mit Tantal, das vor allem von der Elektro-Industrie für den Bau von Kondensatoren nachgefragt wird, im Geschäftsjahr 2000 wesentlich mit zur Umsatz-Steigerung von 435 auf 665 Euro bei. Darum investiert der Konzern auch kräftig weiter in die blutige Goldgrube. Für 140 Mio. Euro will H. C. STARCK im nächsten Geschäftsjahr die Tantal-Anlagen des Unternehmens ausbauen.

Neuer UN-Gesundheitsfonds
BAYER & Co. übernehmen keine Verantwortung für die Behandlung von Krankheiten wie AIDS, Malaria und Tuberkulose in der „Dritten Welt“. Der Leverkusener Chemie-Multi gehörte sogar mit zu den Unternehmen, die Südafrika gerichtlich verbieten wollten, AIDS-PatientInnen unter Verletzung des Patentrechts mit preiswerten Medikamenten zu versorgen. Die Mittel für die Gesundheitsversorgung der Ärmsten der Armen müssen stattdessen die SteuerzahlerInnen aufbringen. Am 3 Mrd. Dollar-Etat des neuen Gesundheitsfonds der Vereinten Nationen beteiligt sich die Bundesrepublik mit 300 Mio. Mark. „Auch die Wirtschaft und private Geber waren zum Spenden ermuntert“, schreibt die FAZ. Bislang ging aber lediglich ein Scheck von Bill Gates ein.

Indien: Gift bleibt in der Familie
In Indien plant BAYER, giftige Vorprodukte nicht mehr selber herzustellen, sondern eine Fremdfirma damit zu beauftragen, die nicht wie der Leverkusener Chemie-Multi Umwelt-Prüfungen befürchten muss. Aber das Gift bleibt in der Familie: Das Unternehmen gehört nämlich dem Sohn des Chefs einer indischen Tochter-Gesellschaft von BAYER.

WTO-Regelung zu Patenten
Im Frühjahr diesen Jahres sah sich Südafrika nur durch die Verletzung von Patent-Bestimmungen für AIDS-Medikamente dazu in der Lage, PatientInnen zu akzeptablen Preisen mit den dringend benötigten Arzneien zu versorgen. BAYER gehörte damals zu den Pharma-Multis, die gegen Südafrika einen Prozess anstrengten und die Klage erst nach weltweiten Protesten fallen ließen (siehe SWB 2/01). Dieser Konflikt bewog die so genannten Entwicklungsländer dazu, das Thema „Angemessener Zugang zu Medikamenten“ auf die Tagesordnung der WTO-Konferenz in Doha zu setzen. Dort gelang es ihnen Mitte November nicht, einen Passus in die Abschluss-Erklärung einzufügen, wonach die WTO-Regeln nicht die Profite von Pharma-Unternehmen schützen, sollten Rechte auf geistiges Eigentum eine kostengünstige Versorgung von Menschen mit wichtigen Medikamenten behindern. Die USA, Japan und die Schweiz legten gegen diese Formulierung ihr Veto ein. Die Länder des Trikont erreichten aber einen Kompromiss. Eine Minister-Erklärung gestattet ihnen nun, bei gesundheitlichen Problemen oder zur Behandlung von AIDS und anderen Krankheiten Patent-Rechte verletzen zu können. Im Vorfeld hatte es lange Verhandlungen um das Wort „Probleme“ gegeben. Die Klassensprecher von BAYER & Co. wollten eine Aussetzung des Schutzes des geistigen Eigentums lange nur bei „Krisen“ nicht aber bei „Problemen“ zugestehen. Was das Papier der Minister-Erklärung wert ist, wird sich allerdings erst bei dem nächsten akuten Arznei-Versorgungsengpass zeigen.